Mordprozess im Fall Kührer: Die Schlussplädoyers

Mordprozess im Fall Kührer: Die Schlussplädoyers
Mordprozess im Fall Kührer: Die Schlussplädoyers ©APA
Am Dienstagnachmittag wurden die Schlussplädoyers des Staatswanwaltes Christian Pawle und des Verteidigers Farid Rifaat im Prozess um den Mordfall Julia Kührer vorgetragen. Im Anschluss zogen sich die Geschworenen zur Beratung zurück.
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Während der Staatsanwalt die Geschworenen davon überzeugen möchte, den Angeklagten Michael K. des Mordes schuldig zu sprechen, erläuterte Verteidiger Farid Rifaat die Tatsache, dass nicht bewiesen werden konnte, ob Julia Kührer tatsächlich Opfer eines Mordes wurde, da keine Todesursache festgestellt werden konnte. Aufgrund dieser Tatsache sollte sein Mandant freigesprochen werden.

Staatsanwalt will Schuldspruch bei Prozess

Staatsanwalt Christian Pawle untermauerte sein Schlussplädoyer anschaulich durch eine Powerpoint-Präsentation mit Bildern vom Anwesen in Dietmannsdorf, der Videothek und dem Fundort der Leiche. Er zeichnete noch einmal das im Prozess entstandene Persönlichkeitsprofil des Michael K. nach und erwähnte in diesem Zusammenhang auch einige der Zeugenaussagen, die den Angeklagten als “hochgradig sexualisiert”, übergriffig gegenüber jungen Mädchen, die er auch sexuell bevorzugte, und gewalttätig schilderten. Er ging noch einmal eingehend auf die sexuellen Belästigungen durch Berührungen und

eindeutige Aufforderungen ein, und ließ auch das Suchmaschinenverhalten des Angeklagten nicht aus, der nachgewiesenermaßen Begriffe wie “Sex mit Kindern”, “Sex mit toten Frauen” u. ä. gegoogelt hatte. Erwähnt wurde zudem die ehemalige Streetfighter-Karriere des Angeklagten, den Pawle in Bezug auf die Zeugenaussagen auch als dominant, skrupellos und manipulativ beschreibt. Eine Ex-Freundin, die beim Prozess aussagte, hatte angegeben, dass K. sie wiederholt mit dem Umbringen bedroht habe. Dann war auch vom Suchtgift Crystal Meth die Rede, dass Kührer angeblich von Michael K. gekauft hatte, was ihr zum Verhängnis geworden sei.

So soll K. Julia Kührer getötet haben

Daraufhin schildert der Staatsanwalt den möglichen Verlauf der Geschehnisse am 27. Juni 2006, den der Angeklagte mit wiederholtem Kopfschütteln quittierte. Kührer sei demnach aus dem Schulbus gestiegen, zur Videothek gegangen, wo sie Drogen von K. kaufen wollte, aber kein Geld hatte, worauf er sie zu Sex als Gegenleistung überreden wollte, was sie ablehnte, woraufhin er aggressiv wurde und ihr einen Faustschlag gegen den Mund versetzte. Daraufhin soll er sie erwürgt und die Leiche in einem Raum hinter der Videothek abgelegt haben. Danach wickelte er sie in eine Decke, brachte sie auf sein Grundstück, wo er sie, wie im Prozess bereits erläutert, beseitigt haben soll.

Er soll laut Pawle an ein perfektes Verbrechen geglaubt und sich sicher gefühlt haben, wobei er auch den Verdacht durch Fremdanschuldigungen von sich weisen wollte. Pawle untermauerte diese Ausführungen mit Verweisen auf nachweisliche Lügen K.’s beim Prozess und sämtliche belastenden Indizien. “Julia Kührer ist tot. Tot durch die Handlungen von Michael K. Was soll denn passiert sein und wer soll dafür verantwortlich sein, wenn nicht er?” schloss er sein Plädoyer.

Familie will Gerechtigkeit

Daraufhin kam Gerald Ganzger, der Anwalt der Familie Kührer zu Wort, der betonte, dass die Eltern nie nach Rache gerufen hätten und nur Gerechtigkeit wollten – welche die Geschworenen nun liefern könnten. Er ersuchte im Namen der Eltern, dem Ansuchen der Staatsanwaltschaft Folge zu leisten.

Rifaat: “Schwierige Aufgabe für Geschworene”

Verteidiger Farid Rifaat berief sich in der Folge in seinem Schlussplädoyer auf die Herausforderung für die Geschworenen, sämtliche Aussagen im Prozess richtig zu bewerten: “Sie haben eine schwierigere Aufgabe, als es auf den ersten Blick scheint.” Er sprach auch von einer “medialen Vorverurteilung” des Angeklagten.

Rifaat führte noch einmal die wenigen bekannten Fakten ins Treffen und versuchte, seinen Mandanten zu entlasten, indem er betonte, dass es keinerlei Beweise gäbe, was zwischen dem 27. Juni 2006 (Tag des Verschwindens von Kührer) und dem 30. Juni 2011 (Tag der Auffindung ihrer sterblichen Überreste) geschehen sei. Er betont: “Wir wissen keinen Schritt, den Kührer in Richtung Videothek setzte.” Daraufhin rekapitulierte er zahlreiche Zeugenaussagen, in denen es Widersprüchlichkeiten gab, die dem Angeklagten schadeten. Die Aussagen der Zeugin Alexandra W., die er als fundamentales Element der Anklage bezeichnete, seien demnach nicht schlüssig.

Starb Julia Kührer bei Drogen-Party?

Im Anschluss entwarf er eine alternative Version der möglichen Ereignisse, die zum Tod der damals 16-Jährigen geführt haben könnten. Nämlich eine “Drogen-Party” auf dem Anwesen K.’s, die in dessen Abwesenheit gefeiert wurde, und bei der Kührer durch Crystal Meth zu Tode kam. Daraufhin soll die Gruppe, in der sich ihr Ex-Freund Thomas S. befunden haben könnte, die Leiche angezündet und beseitigt haben, wobei sie das Anwesen wiederholt untertags aufsuchten, als K. nicht zu Hause war. Dass Michael K. von der in seinem Erdkeller beseitigten Leiche nichts gewusst habe, sieht Rifaat auch darin bewiesen, dass er vor der angekündigten Nachschau der Polizei keinen Versuch unternommen habe, etwas zu vertuschen.

Seine abschließende Frage an die Geschworenen: “Kann es unter Ausschluss jeden Zweifels so gewesen sein?” Das letzte Wort hatte der Angeklagte, der sich den Ausführungen seines Anwalts anschloss und vorbrachte: “Ich hätte keinen Grund gehabt, der Kührer irgendwas anzutun. Wenn ich gewusst hätte, dass eine Leiche in meinem Keller liegt, hätte ich mich ganz anders verhalten.”

(Red.)

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