Mordkomplott gegen Wiener: Ex-Polizist aus der Ukraine vor Gericht

ein Mordkomplott war Gegenstand eines Prozesses in Wien
ein Mordkomplott war Gegenstand eines Prozesses in Wien ©APA (Sujet)
Wegen der versuchten Anstiftung zum Mord hat sich am Mittwoch ein ukrainischer Ex-Polizist vor dem Wiener Straflandesgericht verantworten müssen. Laut Staatsanwaltschaft war der 38-Jährige der Vermittler in einem Mordkomplott.

Der Angeklagte soll für einen Wiener Geschäftsmann, der seinem Chef drohte, einen Auftragskiller gesucht haben. Der Ukrainer bekannte sich nicht schuldig.

Verwirrendes Mordkomplott

Die Vorgänge liegen zehn Jahre zurück und waren recht versponnen. Denn in das Mordkomplott waren mehrere Männer involviert, die teilweise bis heute nicht ausgeforscht werden konnten, auch aufgrund der derzeitigen politischen Lage in der Ukraine.

Bis zum Juli 2003 hatte laut Anklageschrift der österreichische Unternehmer mit einem russischen Partner Import- und Export-Geschäfte gemacht. Als diese Beziehung zu Ende ging, machte der Wiener noch offene Provisionen in der Höhe von rund 250.000 Euro geltend. Weil der Russe diese nicht bezahlen wollte, drohte dessen Ex-Partner laut Anklage, mit seinem Wissen um groß angelegte Steuerbetrügereien des Russen zur Polizei zu gehen.

Killer in der Ukraine gesucht

Um das zu verhindern, soll im August 2004 der nun angeklagte Ex-Polizist, der später auch dem Geheimdienst SBU angehört haben soll, in der ostukrainischen Metropole Donezk einen Killer gesucht haben, der mit Aussicht auf 50.000 Euro dem Wiener in den Kopf schießen und dem russischen Inhaber des Import- und Exportgeschäftes in das Knie schießen sollte. Der angeblich geplante Knieschuss war aber nicht Teil der Anklage. Warum dieser hätte erfolgen sollen, blieb bei der Verhandlung.

Bluttaten in Wien geplant

Der Angeklagte soll auf einen Georgier gestoßen sein, der als Scharfschütze im Afghanistankrieg agierte. Dieser beauftragte wiederum einen Tschetschenen, mit dem er in der gleichen Einheit im Krieg Dienst versah. Dieser bekam von einem weiteren Mittelsmann ein Lichtbild der beiden Unternehmer sowie Name, Adresse und Telefonnummer mit der Aufforderung, die Bluttaten zu begehen.

Als der Tschetschenen den Auftrag jedoch nicht ausführte, sollte wiederum der Georgier, der am Mittwoch als Kronzeuge vor Gericht auftrat, das Schussattentaten durchziehen. “Sie haben gesagt, die Arbeit wurde nicht gemacht, man würde uns überall finden”, sagte der Georgier. Statt den Auftrag auszuführen, ging der vermeintliche Killer allerdings zur Polizei.

Wer gab Mordkomplott in Auftrag?

Wer die genauen Auftraggeber für das Mordkomplott im Endeffekt waren, versuchte das Gericht am Mittwoch herauszufinden. Fakt ist, dass der ehemalige Geschäftspartner des Wieners vor fünf Jahren deswegen angeklagt und freigesprochen wurde. Ein weiterer russischer Unternehmer, der durch das Auffliegen der Steuerhinterziehung einen erheblichen finanziellen Schaden erlitten hätte, wurde laut Staatsanwalt 2005 zu 18 Monaten Haft verurteil, ist jedoch in der Zwischenzeit wieder entlassen worden.

Kronzeuge erkannte Angeklagten nicht wieder

Der Vorsitzende des Schwurgerichts, Richter Christoph Bauer, hatte es nicht leicht, Licht in den zehn Jahre zurückliegenden Fall zu bringen. Der nun Beschuldigte verantwortete sich in seiner ersten Einvernahme in der Ukraine noch damit, dass man den beiden Geschäftsmännern lediglich Angst hätte machen wollen. Nach seiner Festnahme und Überstellung nach Österreich revidierte er die Aussage.

Kein Wissen von geplantem Mord?

Der 38-Jährige gab in Wien an, er habe lediglich als Mittelsmann bei der Eintreibung von Schulden in Österreich agiert. Von einer Körperverletzung oder gar einem Mord habe er nichts gewusst. Die Angaben, die er bei der Staatsanwaltschaft in der Ukraine gemacht hat, seien unter Androhungen entstanden. ” Sie haben gesagt, wenn ich diese Aussage nicht mache, dann bin ich am nächsten Tag Straßenkehrer und kein Polizist mehr”, sagte der Beschuldigte. “Bisher haben Sie behauptet, es wurde das Protokoll falsch übersetzt”, meinte Richter Bauer. “Darum hab ich die Dolmetscherin der Botschaft extra einfliegen lassen, um zu fragen, ob das stimmt”, sagte der Vorsitzende.

Angeklagter dementiert Schuld

Dass der als Killer beauftragte Georgier und ein weiterer Mann mit ihm über das Mordkomplott gesprochen haben, verneinte der Angeklagte. “Bei den Anrufen ging es nie um Gewalt. Es war nichts Verbrecherisches dabei.” Er habe nur den Kontakt eines Freundes weitergegeben, um in der Geldangelegenheit zu vermitteln, “weil ich ein gutmütiger Mensch bin”. “Ich habe einfach Leute zueinander gebracht, das ist meine einzige Schuld”, erklärte der 38-Jährige.

Der Georgier, der bei der Verhandlung mit Haube und Sonnenbrille vermummt in einem Nebenraum vernommen wurde, konnte sich allerdings an die Treffen bzw. Telefonate mit dem Ukrainer nicht mehr “zu 100 Prozent” erinnern. Auch in der Beschreibung der Haarfarbe des dunkelhaarigen Beschuldigten tendierte er zunächst von “hell” über “dunkelblond” bis hin zu “Kastanie”. “Ich habe meine Haare nie gefärbt”, meinte dazu der Angeklagte.

Geplante “Bestrafung”

“Man hat uns gesagt, es gibt zwei Personen, die sich nicht richtig verhalten und bestraft werden müssen”, sagte der Georgier. Daraufhin seien ihm und seinem Kriegskameraden die Fotos von den Unternehmern überreicht worden. Auf der Rückseite waren beim Wiener die Ziffer “1” und beim russischen Chef die Ziffer “2” gestanden, um die Reihenfolge der Bluttaten einzuhalten. Sie wurden angewiesen, dem Wiener “in das Kinn” und dem anderen in das Bein zu schießen. Im Verlauf der Gespräche mit den Auftraggebern wurde jedoch das Attentat auf den russischen Geschäftsmann revidiert. Es sollte nur noch sein Auto in die Luft gesprengt werden, berichtete der Georgier.

Die Verhandlung wurde am Nachmittag mit der Einvernahme fortgesetzt. Mit einem Urteil war noch am Mittwoch zu rechnen.

(apa/red)

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