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Mordfall Schnabel: Täter-Profiler Müller präsentierte Gutachten

Wenn Kriminalpsychologe Thomas Müller seine Expertisen zu Mordfällen präsentiert, sind die Gerichtssäle meist überfüllt. Eine solche Situation ergab sich auch am Donnerstag, am vierten Prozesstag im Mordfall Silke Schnabel am Salzburger Landesgericht.
Angeklagte und Profiler beim Prozess
Der Täter-Profiler erklärte, dass man unter drei Voraussetzungen mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit von einer Täterschaft des 52-jährigen Angeklagten ausgehen könne: Wenn eine örtliche und zeitliche Nähe zum Tatort vorlag, eine persönliche Beziehung zum Opfer bestanden habe und der Täter vorher erniedrigt worden ist.
 
Müller zog zur Erstellung seines Gutachtens zahlreiche Fallbeispiele heran und durchleuchtete auch jene fünf Sexualdelikte, die der beschuldigte Lagerarbeiter in den Jahren 1975 bis 1979 begangen haben soll und stellte Parallelen fest: Die Frauen widersetzten sich den versuchten Vergewaltigungen, worauf der Täter mit Gewalt reagierte. In allen Fällen handelte es sich um einen Blitzangriff, erklärte der Profiler. Je mehr sich das Opfer widersetzte, desto mehr Gewalt wandte der Täter an. Er habe von den Frauen erst dann abgelassen und sei geflüchtet, als eine dritte Person gekommen sei.

Von 1976 bis 1979 habe der Täter die Intensität der Gewaltanwendungen gesteigert. Zuerst reagierte der Täter mit Schlägen ins Gesicht, einmal verlor eine Frau aufgrund der kräftigen Schläge einen Schneidezahn. 1979 habe ein weiteres Opfer massive Bissverletzungen davongetragen. “Der Täter hat der Frau in die Wange gebissen und versucht, das Blut aus der Wunde zu saugen”, schilderte der Gutachter.

Die laut Anklage am 11. Juli 1992 in der Stadt Salzburgvergewaltigte und ermordete Silke Schnabel habe neben massiven Verletzungen im Genitalbereich auch schwere Gesichtsverletzungen – Hämatome, Einblutungen und einen Nasenbeinbruch – aufgewiesen, was auf einen “Overkill” des Täters schließen lasse, sagte Mülller. Je näher die persönliche Beziehung sei und je mehr Widerstand das Opfer setze, desto mehr gehe er mit Hass und Wut vor. Entsteht eine scheinbare Kränkung – wenn der Täter in seiner Männlichkeit oder seinem Selbstwertgefühl verletzt wird -, beginne er Delikte zu setzen, erläuterte Müller. Der erste Angriff sei vermutlich ein “Kontaktangriff” auf den Hals gewesen.

Warum dann seit 1992 keine weiteren Sexualdelikte des Beschuldigten mehr bekanntwurden, fragte die beisitzende Richterin Bettina Maxones-Kurkowski. “Ich bin überzeugt, dieses Delikt hat nachhaltig beim Täter etwas ausgelöst”, antwortete der Kriminalpsychologe. Und warum Anton W. – falls er tatsächlich der Täter sei – beim mutmaßlichen Tatort an der Salzachböschung mit heruntergezogenen Jeans eingeschlafen und nicht geflüchtet sei, wollte der vorsitzende Richter Günther Nocker wissen. Dazu Müller: “Es gibt Fälle, wo der Täter neben dem Opfer einschläft.” Das Durchführen des Deliktes könne die Täter danach in einen komatösen Schlaf versetzen. “Sie haben endlich erreicht, was sie sonst nie erreicht haben”.

Am Nachmittag wird die Salzburger Gerichtsmedizinerin Edith Tutsch-Bauer befragt. Danach sollen die Plädoyers folgen. Das Urteil wird voraussichtlich erst am Freitag verkündet.

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