Mode-Zar als Fotograf

Er ist dafür bekannt, mit ausgefallenen Entwürfen die Modewelt zu entzücken oder zu verstören. Weniger bekannt ist, dass Karl Lagerfeld auch ein Fotograf mit künstlerischem Anspruch ist.

Der deutsche Designer, dessen Markenzeichen die dunkle Sonnenbrille und sein gepudertes Mozart-Zöpfchen sind, zeigt eine besondere Ausstellung ab Samstag im ehemaligen Postfuhramt in Berlin. In „One Man Show“ hat er auf 350 Bildern und Installationen eine einzige Person, das Model Brad Kroenig, festgehalten. Dieser ist in verschiedensten Posen abgelichtet, mal als Aktmodell, mal als Beau mit aufgeknöpftem Hemd und laszivem James-Dean-Blick, mal als ernst dreinblickender junger Mann voller Weltschmerz. Fünf Jahre begleitete Lagerfeld Kroenig, der aktuell als das bestbezahlte männliche Fotomodell gilt. Mit seiner Langzeitstudie verfolge er das Ziel, die Veränderung der natürlichen Ausstrahlung Kroenigs zu dokumentieren, erklärt der Designer.

Lagerfeld, der stets einen Fächer bei sich trägt und ihn auch rege benutzt, hat einen Blick für Models. Er entdeckte Kroenig ähnlich wie Anfang der 90er Jahre Claudia Schiffer. Fasziniert habe ihn zu Beginn der Zusammenarbeit dessen natürliche Anmut, sagt Lagerfeld. Kroenig sei seine eigene Schönheit nicht bewusst gewesen. Gerade dadurch entstünden wahre Schönheit und Authentizität. Mit jedem Foto jedoch sei dem Modell seine Besonderheit bewusst geworden. Posen wirkten mehr und mehr einstudiert, das anfangs Natürliche sei dem Aufgesetzten, Künstlichen gewichen. Mit jedem Foto scheine „ein Stück Seele“ verloren zu gehen, erklärt der Künstler.

Auf einen Stil will sich der am 10. September 1933 in Hamburg als Sohn eines Dosenmilchfabrikanten geborene Lagerfeld, der selbst als Geburtsjahr 1938 angibt, nicht festlegen lassen. „Ich weiß nicht, ob ich einen besonderen Blick auf die Dinge habe und ob sich dieser in meinen Fotografien zeigt“, erklärt er. „Wie sollte ich das auch wissen? Ich habe noch nie durch anderer Leute Augen gesehen. Es interessiert mich auch nicht.“

In den 80er Jahren griff der weltbekannte Modeschöpfer zur Kamera und ist seitdem erfolgreicher Fotograf und Sammler. Für seine fotografische Arbeit erhielt er 1996 den Kulturpreis der Deutschen Gesellschaft für Fotografie. Lagerfeld, der heute meist in Paris oder New York lebt, fühlt sich sowohl in der Mode als auch der Fotografie dem Schönen verpflichtet.

Seine Karriere begann nach Abschluss seiner Studien Mitte der 50er Jahre in Paris. 1955 gewann er den ersten Preis eines Wettbewerbs der Internationalen Wollvereinigung. Der von dem jungen Designer entworfene Mantel wurde dann von Pierre Balmain in Serie produziert. Anfang der 60er Jahre begann er seine Karriere als freischaffender Stylist in Frankreich, Italien, England und Deutschland. Er arbeitete bei unter anderem für Chloé und Chanel. 1984 gründete Lagerfeld sein eigenes Label, bekannt für extravagante Strickmode und hochwertige Schneiderarbeit. Außerdem entwarf er für das italienische Pelzhaus Fendi.

1993 sorgte er für einen Skandal, als Schiffer in einem von ihm mit Koranversen bestickten Mieder auf einer Schau auftrat. Vor zwei Jahren war Lagerfeld in den Schlagzeilen, weil er für die schwedische Discount-Modekette H&M eine kostengünstige Kollektion entworfen hatte, die sich sehr gut verkaufte. Auch Parfum war Lagerfeld wichtig. 1975 brachte er einen eigenen Duft auf den Markt.

Zu Beginn der Ausstellung will er sich am Samstag in einer Gesprächsrunde mit Sandra Maischberger zu seinem Werk äußern. Die Ausstellung, die Lagerfeld mit dem Verleger Gerhard Steidl exklusiv für die C/O Berlin-Galerie konzipierte, ist bis zum 4. Februar zu sehen.

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