Michael Mittermeier im Interview: "Viel Surrealität in Österreich"

In seinem aktuellen Programm "Blackout" hinterfragt der bayerische Kabarettist Michael Mittermeier, was geschieht, wenn man der Welt den Stecker zieht. Da trifft die Münchner Wiesn auf Zombiehorden oder wird Fukushima als ein Zwilling von Zwentendorf bloßgestellt.
Mittermeier beim Interview
Beim Baumann-Projekt

Wie man unter anderem von 2. bis 5. Juni 2015 in der Wiener Stadthalle erfahren kann, verbindet Michael Mittermeier dies mit erneut österreichspezifischem Inhalt.

Das Lächeln des Werner Faymann

Mittermeier ist schließlich bekannt dafür, sich Neues für seine jeweiligen Gastspielorte zu überlegen. “Ich kenne keinen, der das vorher so extrem betrieben hat”, so der Komiker im Gespräch mit der APA. “Ob der Faymann grinst oder nicht, interessiert in Deutschland ja niemanden. Gut, auch hier nicht, aber auf eine andere Art und Weise. In Deutschland kennt man den nicht. Auch wenn der Tsipras gesagt hat, er hat jetzt einen Freund. Ich glaube, dass er sich da getäuscht hat. Er hat 18 Länder-Chefs getroffen, und der einzige, der gelächelt hat, war der Faymann. Nur hat er nicht gewusst, dass der immer lächelt!”

Aktuelle Bezüge in “Blackout”

Die aktuelle Situation zwischen Griechenland und der EU findet natürlich Erwähnung in “Blackout”. Denn obwohl die Premiere bereits 2013 war, spickt Mittermeier sein Programm mit aktuellen Bezügen. “Mein Anspruch ist, dass selbst Leute, die wieder rein gehen, sagen: Geil, leiwand. Außerdem tut sich sehr viel, die Welt ist im Fluss. Panta rhei, wie der Grieche sagt, alles fließt. Nur in welche Kassen, wissen wir noch nicht.” So darf man sich auch auf eine Begegnung mit der heimischen Song Contest-Gewinnerin gefasst machen. “Vor einem Jahr war Conchita kein Thema. Keiner hat sie mögen, und dann ist plötzlich das Wurst-Land geboren.”

Von Standard-Nummern und Running Gags

Das Großevent in Wien ist Mittermeier jedenfalls ein Rätsel, wie er augenzwinkernd anmerkte. “Es gibt einen Song Contest in Österreich. Alleine, dass man das in einem Satz sagt – das war ja früher ein Paradoxon.” Wenn sich nun Conchita, Tsipras und Co in “Blackout” tummeln, passiere das jedenfalls völlig organisch. “Aber natürlich gibt es Nummern, die immer drinbleiben werden. Wie jedes Programm gibt es hier einen bestimmten Aufbau und ein paar Standard-Nummern. An denen hangeln sich auch einige Running Gags”, so der 48-Jährige.

Die Adaptionen haben mittlerweile einen internationalen Anstrich verpasst bekommen, ist Mittermeier doch zwischen Edinburgh und Vilnius unterwegs. “Ich mache das gern”, erläuterte er. “Andererseits gibt es natürlich universale Dinge. So ist beispielsweise die Zwentendorf-Nummer ein großes Highlight im Ausland. Man muss es nur surreal hinstellen. Außerdem gibt es viel Surrealität in Österreich. Man muss nicht lange suchen”, grinste der Komiker.

Mittermeier: “Alkohol geht überall”

In seiner Vision sei Humor ohnedies von Grenzen befreit. “Alle fragen mich: Wie ist das österreichische, wie das deutsche Publikum? Das interessiert doch nicht! Es interessiert nur, mit welcher Energie du raus gehst, damit die Leute lachen. In der Regel funktionieren natürlich jene Sachen am besten, die den Menschen am nächsten sind”, so Mittermeier. “Alkohol! Ein Thema, das überall geht – vor allem hier in Österreich.”

Wenn eine Pointe nicht klappt und das Publikum nicht die erhoffte Reaktion zeigt, sei das aber auch kein Beinbruch. “Das ist völlig wurscht. In der Stand-up, so wie ich sie verstehe, improvisiere ich viel, und natürlich funktionieren teilweise Sachen nicht. Aber es geht nicht ums Schiefgehen, wenn ich etwa neue Nummern probiere. Die Leute merken dann, dass ich mich mit ihnen beschäftige. Und die richtigen Wuchteln bleiben dann schon.”
In England erntete Mittermeier mit einer Nummer über Panzer als “Stahlburkas” im Nahen Osten “Totenstille”, wie er erzählte. Oder kritische Blicke für einen Witz über Japaner. “Aber warum soll das rassistisch sein? Ich mache mich über mich lustig, über Deutsche, Österreicher, Engländer, Franzosen – warum sollte ich Japaner aussparen? Das ist doch kein Dritte-Welt-Land, Freunde! Die bauen Atomkraftwerke. Ja, die funktionieren nicht, aber gut. Das hat Österreich auch getan. Wobei man nicht weiß, ob Zwentendorf funktioniert hätte”, schmunzelte er.

“Satire darf alles!”

Bleibt die aufgrund der Terroranschläge in Paris und Kopenhagen aktuelle Frage, wie weit Satire gehen darf. “Da bin ich ganz Tucholsky”, unterstrich Mittermeier, “Satire darf alles! Wenn es ein schwieriges Thema ist, muss es gute Satire sein oder ein geiler Gag.” Und was religiöse Witze betrifft: “Wenn ein Gott so ohnmächtig ist, dass er sagt, Satire tut mir weh – also Entschuldigung! Der steht doch da drüber. Den wird nicht interessieren, was ein bayerischer Kabarettist sagt. Oder vielleicht doch, und wenn ich hoch komme, heißt es: Luzifer wartet schon!”

Das Spannungsverhältnis zwischen Satire und Religion brachte Mittermeier letztlich deutlich auf den Punkt: “Eigentlich ist es mehr Beleidigung, seinem Gott nicht zuzutrauen, dass er lachen kann, als umgekehrt. Ich glaube ja, dass Jesus, wenn der wiederkommt, eher mit mir einen saufen geht, als mit einem Kardinal. Auch wenn der keine Buben gepudert hat.” Und wenn dann doch der große Blackout kommt? “Vielleicht wäre es eine Chance für einen Neuanfang, ich weiß es nicht. Für Maler wird das jedenfalls eine Hochzeit.”

(Das Gespräch führte Christoph Griessner/APA)

“Blackout” von und mit Michael Mittermeier, von 2. bis 5. Juni in der Wiener Stadthalle, Halle F, jeweils 20 Uhr

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