Mehr als die Hälfte aller österreichischer Schulen setzen auf Schulversuche

Österreichische Schulen setzen auf Schulversuche.
Österreichische Schulen setzen auf Schulversuche. ©APA
An der Hälfte aller österreichischen Schulen finden in irgendeiner Form Schulversuche statt. Die Palette der bisher erprobten Versuche ist dabei breit und reicht von einer "Trachtenklasse" und einem Ballett-Realgymnasium bis zur Neuen Mittelschule und zur Zentralmatura.

Der Grund für die ausufernden Versuche ist nicht zuletzt die jahrzehntelange Blockade von ÖVP und SPÖ in Sachen Schule: Schulgesetze konnten bis vor wenigen Jahren nur mit Zwei-Drittel-Mehrheit im Nationalrat geändert werden und sind zudem oft sehr eng gefasst. Die Einrichtung von Integrationsklassen, Änderungen bei der Anzahl oder Dauer von Schularbeiten oder einfach nur der Unterricht von Französisch statt Latein in der dritten Klasse Gymnasium war jahrelang nur als Schulversuch möglich.

Noch heute bedarf es eines Schulversuchs, wenn Kinder in der ersten Klasse Volksschule anders als mit Noten beurteilt werden sollen (etwa verbal, mit Pensenbüchern oder Portfolios). Die verbale Beurteilung ist auch der wahrscheinlich älteste noch laufende Schulversuch: 2016 feiert er sein 50-Jahr-Jubiläum. Mitte der 1970er Jahre kamen dann weitere Formen der alternativen Beurteilung dazu. Seit den 1990er Jahren laufen Versuche zu bilingualen Volksschulen und Gymnasien, seit 17 Jahren zum Ethik-Unterricht für jene Schüler, die keinen Religionsunterricht besuchen, seit zwölf Jahren gibt es eLearning in Notebook-Klassen.

Schulversuche bei “speziellen Bedürfnissen”

Schulversuche gibt es aber auch, um “spezielle Bedürfnisse von bestimmten Zielgruppen” abzudecken, wie es der Rechnungshof nennt: Seit 1980 gibt es schon den Versuch “Realgymnasium für SchülerInnen der Ballettschule der Wiener Staatsoper”, am Liese-Prokop-Oberstufenrealgymnasium für Hochleistungssportler dauert etwa die Oberstufe fünf statt vier Jahre. Außerdem werden Schulversuche eingerichtet, um etwa bestimmte Maßnahmen wie Biologie-Schularbeiten oder Schularbeiten mit dem Laptop rechtlich abzusichern bzw. wegen der Nichteinigung mit Standesvertretern fehlende Prüfungsordnungen und Lehrpläne zu ersetzen.

Es gibt aber auch Beispiele für Schulversuche, die ins Regelschulwesen übernommen wurden: Prominenteste Beispiele sind etwa die Neue Mittelschule, die Zentralmatura an AHS, die zweite lebende Fremdsprache ab der 3. Klasse Gymnasium (statt Latein) oder die Einführung von Integrationsklassen. Nach 48 Jahren im Versuchsstadium schaffte es schließlich auch die “Trachtenklasse” am Annahof in Salzburg: Der Lehrgang für Trachtenschneiderei wurde 1993 ins Regelschulwesen übernommen

(APA/Red)

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