Medizinerin wegen NS-„Euthanasie" angeklagt

Mehr als 60 Jahre nach dem Nazi-Mordprogramm „Euthanasie" an Behinderten soll eine emeritierte Medizinprofessorin jetzt wegen Beteiligung vor Gericht kommen.

Der Anwalt der 88-Jährigen aus Jena bestätigte am Montag, die Staatsanwaltschaft Gera habe Anklage wegen Mordes erhoben. Die Behörde gab nur bekannt, dass eine Abschluss-Verfügung erfolgt sei. Sie hatte seit fast vier Jahren gegen die Frau ermittelt.

Die Medizinerin soll von 1940 bis 1942 in den Thüringischen Landesheilanstalten Stadtroda an der Tötung behinderter und psychisch kranker Patienten beteiligt gewesen sein. Sie arbeitete in dieser Zeit als Abteilungsärztin auf der psychiatrischen Frauenstation.

Der Verdacht gegen die Ärztin stützt sich auf einen umfangreichen Aktenbestand, den die DDR-Staatssicherheit 1964 unter dem Decknamen „Ausmerzer” anlegte. Darin war von 159 auf ihrer Station unter rätselhaften Umständen verstorbenen Patienten die Rede.

Die Medizinerin hatte die Vorwürfe stets bestritten. In der DDR war sie Professorin für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde an der Universität Jena, Leiterin der betreffenden Universitätsklinik, Dekanin der Medizinischen Fakultät und „Verdiente Ärztin des Volkes”.

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