Medizin-Universitäten: Ab 2013 einheitliche Aufnahmetests

Die Aufnahmetests an den Medizin-Unis werden überarbeitet
Die Aufnahmetests an den Medizin-Unis werden überarbeitet ©APA
Ab dem kommenden Jahr setzen die drei Medizin-Universitäten in Wien, Graz und Innsbruck erstmals auf einen einheitlichen Aufnahmetest. Ab 2014 folgt dann ein zweistufiges Verfahren, finalisiert wird das Prozedere dann 2015.
Mehr Bewerber als Plätze
Gender-Auswertung: Protest
Frauen erfolgreicher
Keine Studiengebühren

Am 5. Juli 2013 müssen die Kandidaten für die insgesamt 1.500 Studienplätze an den drei MEdizinHochschulen eine Mischung aus Wissens- und kognitiven Aufgaben bewältigen. Allerdings ist dieser Test erst der “Rumpf” für das neue Verfahren, so der Vizerektor der Medizin-Uni Innsbruck, Norbert Mutz, bei einer Pressekonferenz am Dienstag in Wien.

2014 wird es ein zweistufiges Verfahren geben, das auch Persönlichkeitseigenschaften, sozial-emotionale und kommunikative Kompetenzen berücksichtigt – endgültig stehen soll das neue Aufnahmeverfahren dann 2015.

Der Status Quo bei den Aufnahmetests

Derzeit sind die Aufnahmekriterien uneinheitlich: Die Medizin-Uni Graz vergab ihre 360 Plätze nach den Ergebnissen eines Wissenstest, Wien (740 Plätze) und Innsbruck (400) setzten auf einen kognitiven Test, werteten diesen aber nach unterschiedlichen Kriterien aus. Die Medizin-Uni Wien verwendete dabei die umstrittene “gendergerechte” Auswertung, wobei die Ergebnisse nach Geschlechtern getrennt ermittelt wurden. Das führte dazu, dass Frauen trotz identer oder niedrigerer Punktezahl einen höheren Testwert als Männer aufwiesen und deshalb einen Studienplatz bekamen.

Vereinheitlichung an Medizin-Unis

Künftig sind sämtliche Fristen und auch Auswertungen einheitlich: Von 1. bis 20. Februar 2013 läuft die Online-Anmeldung, mit Einzahlung der Teilnahmegebühren von 97 Euro von 27. Februar bis 12. März wird die Anmeldung verbindlich. Registrieren lassen kann man sich jeweils nur an einer einzigen der drei Unis. Am 5. Juli findet dann der ganztägige Test statt. Wie bisher gehen 75 Prozent der Studienplätze an Kandidaten mit österreichischem Maturazeugnis, 20 Prozent an Bewerber aus der EU und fünf Prozent an Studienwerber aus Drittstaaten.

Das künftige Aufnahmeverfahren umfasst sowohl Tests auf kognitive Fähigkeiten als auch Fragen aus Biologie, Chemie, Physik und Mathematik auf Maturaniveau. Die kognitiven Fähigkeiten werden etwa durch Zahlenfolgentests, einen Langzeitgedächtnis-Test, Textrechnungen und Figurenzusammensetz-Tests abgefragt.

So wird ausgewertet

Bei Kandidaten für das Humanmedizin-Studium trägt der Wissensteil 40 Prozent zum Testergebnis bei, Textverständnis macht zehn Prozent aus und kognitive Fähigkeiten 50 Prozent. Etwas anders sieht es bei Anwärtern auf das Zahnmedizin-Studium aus: Auch bei ihnen trägt der Wissensteil 40 Prozent zum Testergebnis bei. Allerdings absolvieren sie statt des Textverständnis teils Aufgaben zu praktisch-manuellen Fähigkeiten wie einen Drahtbiegetest (22,5 Prozent), der Test für kognitive Fähigkeiten ist kürzer (37,5 Prozent).

Zankapfel Gender-Gerechtigkeit

Die Diskussion um die “gendergerechte” Auswertung will Mutz bereits im Vorfeld an den Schulen überflüssig machen. Derzeit würden an den Schulen “die Burschen in den MINT-Fächern gefordert und dort die Spreu vom Weizen getrennt, bei den Mädchen sagt man, es ist eh Wurscht, du wirst ja eh was anderes machen und damit kriegst du eine bessere Note”. Folge: Mädchen trauten sich aufgrund besserer Noten eher ein Antreten bei den Aufnahmetests zu und scheiterten häufiger. Indem man schon an den Mittelschulen auf diese Problematik hinweise, brauche man später bei der Testauswertung “nicht mehr herumtricksen”.

Der Test soll laut der Vizerektorin der Medizin-Uni Wien, Karin Gutierrez-Lobos, laufend evaluiert und adaptiert werden. Später könnten in Folge der Zentralmatura auch Schulleistungen ein Element des Aufnahmeverfahrens für das Medizin-Studium werden.

(apa/red)

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