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"Mary Poppins"-Musical im Wiener Ronacher: Perfekte Unterhaltung

"Mary Poppins" in Wien: (v.l.), Katharina Kemp als Jane Banks, Annemieke van Dam als Mary Poppins, David Boyd als Bert, Jonas Zeiler als Michael Banks
"Mary Poppins" in Wien: (v.l.), Katharina Kemp als Jane Banks, Annemieke van Dam als Mary Poppins, David Boyd als Bert, Jonas Zeiler als Michael Banks ©APA
Den Schirm hatte wetterbedingt auch so mancher Besucher dabei, doch was Mary Poppins mit ihrem tragbaren Regendach am Mittwochabend im Wiener Ronacher alles anstellte, ließ einen doch staunen. Es gab Standing Ovations bei der Premiere.
"Mary Poppins": Eindrücke
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Am Ende der deutschsprachigen Erstaufführung des Musical-Welterfolgs flog das Kindermädchen mit ihrem Zauberschirm gar über die Zuschauer und landete sicher am Balkon.

Riesenerfolg: Musical “Mary Poppins”

11,5 Millionen Menschen haben das 2004 in London uraufgeführte Musical bisher weltweit in sieben Produktionen auf drei Kontinenten gesehen, und in Wien werden wohl ein paar Hunderttausend Besucher hinzukommen. Die Premiere von “Mary Poppins” endete nach drei Stunden jedenfalls in Standing Ovations. Die Produktion, deren Umsetzung in Wien von Produzenten-Legende Cameron Mackintosh, der die Vermischung des 1964 entstandenen Disney-Films mit Julie Andrews und der Bücher der australischen Schriftstellerin Pamela Lynwood Travers zum Musical initiiert hatte, höchstpersönlich überwacht worden war, bietet perfekte Unterhaltung. So perfekt, dass die nostalgische Show mit dem Schirm gelegentlich etwas den Charme vermissen ließ.

Die Inszenierung im Ronacher in Wien

Von Anfang an drückte das Orchester der Vereinigten Bühnen Wien unter Koen Schoots aufs Tempo. Die knallbunte Bühne (Bob Crowley) ist einfach und kompliziert zugleich, die flotten Umbauten klappten wie am Schnürchen. Rasch entfaltete sich die Papierkulisse, die ihr puppenhausartiges Innenleben preisgab: Das Heim der Familie Banks, in dem ein höherer Bankangestellter (Reinwald Kranner) nach einem harten Arbeitstag nichts als seine Ruhe will, seine Gattin, eine Ex-Schauspielerin (Milica Jovanovic), sich mit Repräsentationspflichten unterfordert fühlt und die beiden Kinder jedes Kindermädchen nach kurzer Zeit in die Flucht treiben.

Kinder in Wiener Show zentral

Die beiden Kinder sind das absolute Zentrum der Wiener Show. Fiona Bella Imnitzer und David Paul Mannhart gewannen als freche, quirlige, spielfreudige und stimmsichere Premierenbesetzung (es gibt noch jeweils drei weitere Besetzungen für die Spielserie) die Herzen der Zuschauer. Während Randfiguren wie Tania Golden als energische Köchin mit einem Anflug von Wiener Schmäh, Niklas Abel als ihr tollpatschiger Gehilfe und Maike Schuurmans als schriller “Höllenhund” von Kindermädchen mit kräftigen Farben gezeichnet werden und so rasch in Kontakt mit dem Publikum kommen, bleibt die 32-jährige Holländerin Annemieke van Dam, die schon die Sisi in”Elisabeth” verkörpert hat, als Titelfigur seltsam blass.

Zauberhaftes Kindermädchen

Zauberhaft ist dieses mit Zauberkräften ausgestattete Kindermädchen, das aus dem Nichts zu kommen scheint, Statuen zum Leben erweckt, mit Rauchfangkehrern steppt und propagiert, dass alles passieren kann, wenn man es nur intensiv genug möchte, nicht. Es bleibt unnahbar, nicht nur, weil es sich ganz ohne Fehl wähnt, dafür bereitwillig Tadel austeilt. Aber vielleicht ist ja das Fehlen des Human Touch genau jene Note, die die Besonderheit von Mary Poppins ausmacht – keine Figur zum Knuddeln und Liebhaben, sondern Anleiterin zur Selbsthilfe, die dann verschwindet, wenn man sie nicht mehr braucht. Wie könnte man das bloß nennen? Vielleicht so: supercalifragilisticexpialigetisch.

“Mary Poppins” von Robert B. und Richard M. Sherman (Musik und Liedtexte) und Julian Fellowes (Buch), Regie: Richard Eyre, Regie Wiener Produktion: Anthony Lyn; Orchester der VBW unter Koen Schoots, mit u.a. Annemieke van Dam – Mary Poppins, David Boyd – Bert, Reinwald Kranner – George Banks, Milica Jovanovic – Winifred Banks, Fiona Bella Imnitzer – Jane Banks, David Paul Mannhart – Michael Banks, Tania Golden – Mrs. Brill, Maaike Schuurmans – Miss Andrew, Dirk Lohr – Admiral Boom und Generaldirektor sowie Niklas Abel – Robertson Ay. Ronacher, Seilerstätte 9, 1010 Wien; Am Spielplan zumindest bis Ende der Saison. Karten: 01 / 58885; www.vbw.at und www.musicalvienna.at)

(apa/red)

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