Markus Schinwald: Ein plastischer Chirurg für die Biennale

Markus Schinwald, gebürtiger Salzburger und Österreichs Vertreter für die 54. Biennale in Venedig, betätigt sich in seinem vielseitigen künstlerischen Werk gerne als plastischer Chirurg.

Seine Eingriffe im OP sind meist klein, die Nähte sauber, die Veränderung nur für Eingeweihte zu erkennen. Alten Meistern verpasst er kleine Prothesen, Ausstellungsräumen zieht er schlanke Balken ein, die Protagonisten seiner Filme plagen beunruhigend unauffällige Ticks. Mit seinem Interesse für körperliche Bruchstellen und Wundmale hat der in Wien und Los Angeles lebende Künstler sich in den vergangenen Jahren beachtliches internationales Renommee erworben.

Schinwald wurde 1973 in Salzburg geboren. Er studierte in Linz an der Hochschule für künstlerische und industrielle Gestaltung in der Meisterklasse von Herbert Lachmayr. An der Humboldt Universität Berlin studierte er außerdem Kulturwissenschaften. Im Jahr 2000 erhielt er eines der begehrten Schindler-Stipendien für einen Auslandsaufenthalt in Los Angeles. Aufsehen erregte er bereits Ende der 90er mit seinen Kleidungsstücken, denen er durch minimale Eingriffe ihre Funktion nimmt: So zwingt sein “Jubelhemd” den Träger durch umgekehrt eingenähte Ärmel, die Arme stets nach oben zu richten.

Der Körper als Oberfläche, die zu gestalten und deren Funktion zu bestimmen ist, steht in seinem Schaffen stets im Mittelpunkt: Internationale Bekanntheit brachten Schinwald etwa seine Überarbeitungen alter Porträts, die er auf Flohmärkten erwirbt und “falsch restauriert”, sodass plötzlich kleine Makel, Prothesen oder Pflaster ins Bild gehören – als wären sie immer schon dagewesen. Auch seine Skulpturen sind wehrlos der Körperlichkeit und deren subtilen Imperfektionen ausgesetzt. Die Tischbeine etwa, die er durchaus im Wortsinn organisch versteht, oder die Marionetten, die nicht nur Ausstellungen, sondern auch seine Filme bevölkern.

Auch den Hoffmann-Pavillon in Venedigs Giardini will Schinwald in Bezug zum Körper setzen und es ist zu erwarten, dass er die Architektur ebensolchen Operationen unterziehen wird, wie sonst die Anatomie. Ähnliches hat er bereits bei mehreren Einzelausstellungen gezeigt, die ihn in den vergangenen Jahren etwa in seiner Wiener Galerie bei Georg Kargl, im Frankfurter Kunstverein (2004), im Augarten Contemporary des Belvedere (2007), im Migros Museum Zürich (2008), in der Budapester Kunsthalle Mucsarnok und im Kunsthaus Bregenz (beides 2009) präsentiert haben.

Schinwald hat den Hilde-Goldschmid-Preis des Landes Tirol sowie den T-Mobile Award (beides 2005) erhalten, 2007 den Wilfried-Skreiner-Preis und 2008 den großen Kunstpreis des Landes Salzburg. Der Meilenstein der Biennale-Beteiligung fällt in ein weiteres hoch aktives Jahr für den Künstler: Noch heuer zeigt das Lentos Museum in Linz eine Schinwald-Personale, prominent präsentiert wird er im Sommer auch in der Surrealismus-Schau der Wiener Kunsthalle. Ausländische Einzelausstellungen sind ihm heuer im spanischen Murcia und im Kunstverein Hannover gewidmet.

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