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Mafia-Methoden in Hernals?

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Die Schießerei in Wiener Cafe Cappuccino könnte „bestellt" gewesen sein. Das ergaben erste Ermittlungen nach dem blutigen Streit mit zwei Verletzten. Möglich wäre, dass eine Bande Schulden eintreiben sollte.

Wie ein Puzzle mit fehlenden Teilchen beschäftigt der wilde Schusswechsel im Wiener Cafe Cappuccino die Polizei. Die Kriminalisten gehen dem Verdacht nach, dass jene vier oder fünf Männer, aus deren Reihen das Feuer eröffnet worden sein dürfte, erst wenige Tage zuvor nach Wien „geholt” worden waren, um in einem Streit um Geldforderungen „mitzumischen”. Zwei von ihnen liegen schwer verletzt im Spital, die anderen sind flüchtig.

Noch war unklar, wer wie oft auf wen geschossen hat, unmittelbar Beteiligte sind untergetaucht. Erste Ermittlungsergebnisse deuten darauf hin, dass es um Schulden aus schief gegangenen Geschäften ging. Ein Ermittler beschrieb das Milieu als „Halbwelt, wo keiner einer geregelten Arbeit nachgeht, aber die meisten Leute Lokale besitzen oder an Lokalen beteiligt sind”. U.a. könnten Geldforderungen aus geplatzten Auftritten von Sängern eine Rolle spielen, lauteten erste Annahmen.

Fest steht, dass eine Gruppe von vier bis fünf Männern aus Ex-Jugoslawien in der Nacht auf Dienstag das Cafe Cappuccino in der Ottakringer Straße betrat. Zu diesem Zeitpunkt waren zehn bis 15 Personen im Lokal, darunter zwei seit Jahren in Wien ansässige Männer jugoslawischer Herkunft. Nach ihnen, so eine Theorie, könnten die anderen gesucht haben. Es folgte eine wilde Schießerei aus mehreren Handfeuerwaffen. Die Polizei-Tatortgruppe sammelte hinterher stundenlang Patronenhülsen und Projektile ein.

Aus der vier- bis fünfköpfigen Gruppe gingen zwei Männer zu Boden. Ein etwa 32-Jähriger befand sich am Mittwoch in kritischem Zustand, er hat einen Kopfschuss, einen Treffer in den Oberkörper und einen ins Bein erlitten. Ein 33-Jähriger wurde zwei Mal im Oberkörper getroffen, wobei eine Kugel zuvor durch seinen Unterarm drang. Vor allem seine Einvernahme – einen Termin gab es vorerst nicht – soll die Ermittlungen weiterbringen. Laut Polizei handelt es sich bei beiden wahrscheinlich um Serben aus Bosnien-Herzegowina, die Dokumente könnten aber gefälscht sein, sagte Oberst Gerhard Haimeder von der Kriminaldirektion (KD) 1 der APA.

Einer der beiden Männer, gegen die sich die ganze Aktion gerichtet haben könnte, war am Mittwoch in Haft. Es handelt sich dem Vernehmen nach um einen ebenfalls aus Ex-Jugoslawien stammenden Wiener Lokalbesitzer. Er beteuert, dass er keine Waffe gehabt habe, hat aber eine Beteiligung an der tätlichen Auseinandersetzung laut Haimeder teilweise zugegeben. Die Gruppe seiner Kontrahenten ist abgesehen von den zwei Verletzten flüchtig.

„Wir suchen insgesamt nach fünf weiteren Männern”, sagte Haimeder. „Die Chancen auf Ausforschung stehen gut, sie alle zu erwischen weniger.” Besonders die erst vor Tagen eingereisten Verdächtigen könnten bereits wieder über die Grenze verschwunden sein.

Vor allem suchen die Ermittler aber auch nach einem oder mehreren möglichen Auftraggebern. Die Hintermänner hätten den Trupp losgeschickt, um Geldforderungen Nachdruck zu verleihen, lautete eine Vermutung. „Man kann aber noch nicht sagen, ob die Schießerei Teil eines Auftrags gewesen ist, oder ob ein Auftrag, mit Repressalien Druck auszuüben, eskaliert ist”, sagte ein Ermittler.

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