Bildungsminister Faßmann präsentierte Pläne zu Deutschklassen

Heinz Faßmann präsentiert die Pläne zu den Deutschförderklassen.
Heinz Faßmann präsentiert die Pläne zu den Deutschförderklassen. ©APA
Bildungsminister Heinz Faßmann präsentierte am Montag die Pläne für die Deutschförderklassen, die Kinder mit Sprachdefiziten künftig besuchen. Jedes Kind mit Sprachproblemen muss ab Herbst in eine solche Klasse gehen, egal ob es zugewandert ist oder nicht.

Am Montag präsentierte Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) die Pläne zu den Deutschförderklassen. Kinder mit mangelnden Sprachkenntnissen sollen ab Herbst eine solche Klasse besuchen, dort wird es einen eigenen Lehrplan mit bis zu 20 Wochenstunden Sprachtraining geben.

Sogenannte “Ghettoklassen”, wie bereits vielfach kritisiert wurde, würden dadurch aber nicht entstehen, hieß es vom Bildungsministerium.

Pläne zu Deutschförderklassen wurden präsentiert

Schüler, die nicht ausreichend Deutsch sprechen, müssen ab kommendem Schuljahr verpflichtend 15 (Volksschule) bzw. 20 (Neue Mittelschule/AHS-Unterstufe) Wochenstunden eine Deutschförderklasse besuchen. Das sieht das von Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) vorgestellte Konzept vor. Nach jedem Semester ist bei Nachweis entsprechender Kenntnisse der Wechsel in eine Regelklasse möglich.

Kinder mit Deutschmängel werden Test unterzogen

Konkret werden alle Kinder, bei denen der Schulleiter bei der Schuleinschreibung Deutschmängel feststellt, einem einheitlichen standardisierten Test unterzogen. Ergibt dieser, dass dem Unterricht nicht ausreichend gefolgt werden kann, wird er als sogenannter außerordentlicher Schüler eingestuft und kommt (bei mindestens sechs Kindern am Standort) in eine eigene Deutschförderklasse. In den 15 bis 20 Wochenstunden wird dann nach eigenem Lehrplan Deutsch unterrichtet, für Gegenstände wie Zeichnen, Musik oder Turnen werden sie altersgemäß anderen Klassen zugeteilt. So sollen sie die erworbenen Kenntnisse in der Kommunikation mit Gleichaltrigen anwenden.

Nach jedem Semester soll dann nach einem österreichweit einheitlichen Test überprüft werden, ob die Kinder dem Regelunterricht mittlerweile ausreichend folgen können. Ist dies der Fall, können sie unmittelbar in die Regelklassen wechseln – in welche Schulstufe, kann notfalls per Feststellungsprüfung erhoben werden. Ansonsten besuchen sie weiter die Deutschförderklasse, allerdings maximal vier Semester lang. Nach dem Wechsel in die Regelklasse erhalten sie außerdem noch sechs Stunden pro Woche parallel zum Unterricht Förderung in einem Deutschförderkurs. Flankierend werden Deutschkenntnisse explizit als Schulreifekriterium verankert.

Deutschklassen: Faßmann verwies auf internationale Vorbilder

Faßmann verwies bei einer Pressekonferenz auf internationale Vorbilder sowie die derzeitigen Sprachstartgruppen an den österreichischen Schulen, die für das aktuelle Modell Pate gestanden haben. “Man muss das Rad nicht neu erfinden, aber wir wollen, dass es einen besseren Rundlauf aufweist.” Die Deutschförderklassen bringen daher einerseits eine Verpflichtung zur Einrichtung und andererseits eine Ausweitung der Stundenanzahl (derzeit maximal elf Wochenstunden). Ausgenommen sind nur Schulstandorte mit weniger als sechs außerordentlichen Schülern. An diesen erfolgt die Deutschförderung integrativ im Regelunterricht – bei dieser geringen Anzahl könnten die Schüler im System mitgetragen werden, so Faßmann: “Integration hat immer etwas mit Quantität zu tun.”

“Wer sagt, das sind Ghettoisierungsmaßnahmen, hat das Prinzip nicht verstanden – oder er oder sie will es nicht verstehen”, betonte Faßmann. Ziel der Deutschförderklassen sei der möglichst rasche Übertritt in die Regelklasse. Die neuen Regelungen sollen bis zum Sommer legistisch verankert und ab 2018/19 stufenweise umgesetzt werden.

Keine konkreten Angaben zu Kosten

Über die Kosten wollte Faßmann keine konkreten Angaben machen: Die Umsetzung sei aber sowohl von den Räumlichkeiten her als auch finanziell “machbar”. “Es wird etwas kosten – aber die Kosten werden sich amortisieren.” Man setze auf der derzeitigen Förderung über den mit 80 Mio. Euro dotierten sogenannten “Integrationstopf” auf – aufgrund der Ausweitung der Stundenanzahl und der Verpflichtung zur Einführung der Klassen werde es aber teurer. Derzeit geht man von einem zusätzlichen Bedarf von 300 Lehrern aus – diese könnten etwa aus Uni-Ausbildungen für Deutsch als Zweitsprache kommen.

Insgesamt schätzt man im Bildungsministerium, dass rund ein Viertel der Schulanfänger als außerordentlich eingestuft werden müssen. Zusammen mit den “Quereinsteigern” in höheren Klassen käme man so auf rund 30.000 “Außerordentliche” pro Jahr.

Modellablauf fŸr Deutschfšrderklassen
Modellablauf fŸr Deutschfšrderklassen ©Modellablauf fŸr Deutschfšrderklassen

FPÖ sieht Meilenstein, SPÖ Abgehen von Ghettoklassen

Die angekündigte Einführung von Deutschförderklassen ist für den Koalitionspartner FPÖ ein “Meilenstein für eine positive und schnellere Integration von ausländischen Kindern”. Damit werde eine langjährige Forderung umgesetzt, so FPÖ-Klubobmann Johann Gudenus in einer Aussendung.

Die SPÖ wertet das Konzept als Absage an “Ghettoklassen”. SPÖ-Bildungssprecherin Sonja Hammerschmid begrüßte am Montag, dass Faßmann “die bestehende Sprachförderung in Verbindung mit dem Regelunterricht ausbauen und fortführen will”. Ihr Nachfolger als zuständiger Minister habe den von Kanzler und Vizekanzler “propagierten ‘Ghettoklassen'” eine Absage erteilt. “Völlig offen ist allerdings, wie die benötigten zusätzlichen LehrerInnen und mehr Klassenräume finanziert und zur Verfügung gestellt werden”, so Hammerschmid, die u.a. anderem für die Sprachförderung im vergangenen Herbst 5.000 zusätzliche Lehrer gefordert hatte, damit jedoch beim Finanzministerium abgeblitzt war. Faßmann müsse nun für sein Vorhaben “vorher die Finanzierung sicherstellen, ansonsten drohen Einsparungen in anderen Bildungsbereichen”.

Gudenus über angekündigte Maßnahme erfreut

Gudenus zeigte sich “erfreut” angesichts der angekündigten Maßnahme: “Deutschkenntnisse als Kriterium für die Schulreife werden endlich Realität.” Gerade “im rot-grünen Wien” seien Kinder mit deutscher Muttersprache “in öffentlichen Wiener Volksschulklassen mittlerweile die Minderheit”. Es bildeten sich “‘Clans’, die auch in der Schule nur ihre Heimatsprache sprechen. Dadurch werden die österreichischen Kinder im Lernfortkommen gehindert”, so Gudenus.

Gerade in Ballungsräumen wirft das heute präsentierte Konzept für die SPÖ Fragen auf: “Werden diese Sprachförderklassen jetzt mit bis 25 SchülerInnen aufgefüllt? Warum dürfen nicht mehr PädagogInnen die Sprachkenntnisse beurteilen? Und: Wie will man die Räume für hunderte neue Vorschulklassen schaffen?”, fragen der Wiener Bildungsstadtrat Jürgen Czernohorszky und Stadtschulratspräsident Heinrich Himmer (beide SPÖ). Es sei zu befürchten, dass sich in großen Deutschförderklassen “intensive Sprachförderung pädagogisch sehr schwierig gestaltet”. Auch die räumliche Unterbringung einer großen Anzahl neuer Klassen sei vor allem im städtischen Raum schwer umzusetzen, heißt es in einer Aussendung, in der Czernohorszky und Himmer auch zusätzliche Ressourcen “in großem Umfang” fordern.

NEOS “vorsichtig positiv”, Liste Pilz und Grüne nicht

“Vorsichtig positiv” beurteilt der Bildungssprecher der NEOS, Matthias Strolz, die am Montag präsentierten Pläne zur Umsetzung der Deutschförderklassen. Anders die Liste Pilz, deren Bildungs- und Integrationssprecherinnen befürchten, das diese “Ausgrenzung fördern und Integration verhindern”. “Trennung statt Integration” ist auch den Grünen ein Dorn im Auge.

Dass das vom Bildungsminister vorgestellte Konzept eigene Förderklassen vorsieht und der Kontakt zur Regelklasse dabei erhalten bleibe, habe etwas für sich, so Strolz. Nicht klar sei allerdings, “welcher Leitgedanke den Bildungsminister und die Regierung antreibt. Geht es um einen Ausschluss dieser Schülerinnen und Schüler, dann sind wir entschlossen dagegen. Geht es aber um effektive Hilfestellung für rasche Integration, dann ist diese Maßnahme temporär und mit gezielter Einbindung in die Regelklasse vorstellbar”, sagte der NEOS-Klubobmann.

Für die Integrationssprecherin der Liste Pilz, Alma Zadic, führen “eigene Klassen für Kinder, die nicht ausreichend Deutsch sprechen” zu “sozialer Ausgrenzung”. Damit fördere man “das Entstehen von Parallelgesellschaften schon im Kindesalter”. Bildungssprecherin Stephanie Cox fürchtet angesichts der neuen Pläne ein Zurückdrängen der “Vielfalt, die unsere Gesellschaft prägt”, und fordert “eine deutliche Erhöhung des Bildungsbudgets”.

Eine “Kehrtwende” des Ministers sehen die Grünen in dem Konzept: “Auch der neue Bildungsminister Heinz Faßmann präsentiert seine Wahrheit als Tochter der Zeit, wenn er jetzt Ghettoklassen für Kinder in Volksschulen als Mittel der Wahl verkündet”, so der Grüne Bundessprecher Werner Kogler. Faßmann habe als Vorsitzender des Expertenrats für Integration eigene Deutschklassen noch abgelehnt.

Bundesschulsprecher Harald Zierfuß beurteilt die Pläne hingegen “aus Schülersicht sehr positiv. Es macht Sinn, dass der Fokus zuerst auf der Sprache, dem Grundstein für gelungene Schulbildung, liegt, um dann voll durchstarten zu können”, so Zierfuß. Dass die Regierung nun den Schwerpunkt auf das Deutschlernen lege, bewertet der Präsident des Roten Kreuzes, Gerald Schöpfer, als positiv. Man dürfe aber auch nicht auf die Förderung der Erstsprache vergessen, einen Passus dazu vermisse er im Regierungsprogramm.

Im Vorjahr rund 40.000 außerordentliche Schüler

Im Schuljahr 2016/17 sprachen rund 40.000 Schüler in Österreich nicht ausreichend Deutsch, um dem Unterricht ausreichend folgen zu können. Diese Gruppe ist der Hauptadressat der neuen Deutschförderklassen. Die Kinder gelten wegen ihrer mangelnden Deutschkenntnisse als außerordentliche Schüler.

Die meisten außerordentlichen Schüler waren 2016/17 an Volksschulen (30.500) und Neuen Mittelschulen (7.500) zu finden, weniger an den AHS (1.500), hieß es zuletzt im September in einer parlamentarischen Anfragebeantwortung. Nach Bundesländern betrachtet besuchen rund 40 Prozent aller außerordentlichen Schüler in Wien in die Schule (16.500), gefolgt von Oberösterreich (7.000), Niederösterreich (5.000), der Steiermark (3.000), Salzburg (2.600), Vorarlberg (2.300), Tirol und Kärnten (je 1.800) sowie dem Burgenland (400). Am höchsten ist der Anteil der “Außerordentlichen” an den Wiener Volksschulen mit knapp 20 Prozent (12.300 von ca. 68.000 Schülern).

(APA/Red)

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