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Klien und Heer gehen gemeinsame Wege

Der Vorarlberger Formel 1-Fahrer Christian Klien strebt eine Aufnahme in den Kader der Bundesheer-Leistungssportler an.

Für die Bundesheer-Soldaten im Heeres-Leistungssportzentrum in Dornbirn ist es längst ein gewohntes Bild: Mehrmals pro Woche ist BMW Sauber-Testfahrer Christian Klien hier Trainingsgast. Der 25jährige Hohenemser spult sein Programm unter der Anleitung von Oberstabswachtmeister Daniel Devigili ab: Ergometer-Training, anspruchsvolle Koordinationsübungen zur Schulung der Reaktionsfähigkeit oder intensives Nackenmuskeltraining. Alles, was ein Formel 1-Fahrer eben benötigt, um bei über 300 km/h in der entscheidenden Hundertstelsekunde die richtige Leistung abzurufen.

Die Atmosphäre ist entspannt und freundschaftlich. Man kennt einander seit langem. Im Kraftraum läuft der Schmäh zwischen dem Formel 1-Piloten und den ebenfalls schwitzenden ÖSV-Kaderläufern, Judokas und Olympiateilnehmern im Bobfahren. Alle profitieren von den exzellenten Trainingsmöglichkeiten in Dornbirn. Klien, der heuer auch das legendäre 24-Stunden-Rennen von Le Mans für Peugeot bestreitet, zeigt sich begeistert: „Daniel Devigili kümmert sich seit fünf Jahren um mein Fitnessprogramm. Ein Topmann, der selbst Karate-Weltmeister war. Und hier im Landessportzentrum Vorarlberg sind wir rundum betreut. Egal ob Sommer oder Winter, du hast hier einfach alle Möglichkeiten, die du als Spitzensportler benötigst.“

Funktionierende Partnerschaft

Der Militärkommandant des Landes Vorarlberg, Brigadier Gottfried Schröckenfuchs betont die jahrelange Partnerschaft zwischen dem Motorsportler und dem Bundesheer: „Es zeigt den Stellenwert des Bundesheeres, wenn die besten Spitzensportler unseres Landes hier trainieren. Und gerade mit Christian Klien gibt es seit Jahren bestes Einvernehmen. Das mag für einige nun überraschend klingen, aber beide Seiten profitieren voneinander und haben in all den Jahren immer mit offenen Karten gespielt. Das betrifft auch die Frage des Präsenzdienstes.“ Derzeit wird von allen Seiten an einer Lösung gearbeitet. So betont der höchste Offizier des Bundeslandes auch, dass für den Formel 1-Fahrer die gleichen Kriterien gelten wie für andere Wehrpflichtige: Keine Sonderbehandlung, keine Mauscheleien und keine Tricks. Christian Klien hat den Einberufungsbefehl zugestellt bekommen und aufgrund seiner sportlichen Verpflichtungen um Aufschub gebeten. Dieser wurde natürlich gewährt, weil er dieselben Rechte hat wie ein Landwirt, Jurist oder Unternehmer, der in seinem Beruf unabkömmlich ist.

Daniel Devigili, Leiter des HLSZ sieht die Dinge als ehemaliger Profisportler ähnlich: „Wir haben immer wieder hochtalentierte Leute aus allen Sportarten in Christians Alter, für die eine sechsmonatige Unterbrechung ihrer Wettkampftätigkeit nahezu karrierebedrohend sein kann. Daher gibt es beim Bundesheer ja auch das Modell des Bundesheerleistungssportlers. Und genau diesen Status strebt Christian jetzt an.“

Hoffnung im Paragraphendschungel

Wer vom Heer als Bundesheerleistungssportler akzeptiert wird, kann seinen Präsenzdienst unter besonderer Berücksichtigung seines Wettkampfprogramms ableisten. Jedes Jahr werden rund 120 Athleten dazu ausgewählt – Bundesliga-Fußballer, Skitalente, Judokas, Schwimmer, Gymnasten und so weiter. Nur dem Motorsport ist dieser Status bisher verwehrt geblieben.

Denn die Aufnahmekriterien werden durch die Bundessportorganisation festgelegt. Die BSO bestimmt, welche Sportarten überhaupt in Frage kommen. Und das Spektrum ist wie erwähnt weit reichend. Oberstabswachtmeister Devigili: „Wir hatten in den Heeres-Leistungssportzentren auch schon Schach- und Billard-Profis, die auf Weltklasseniveau waren und sehr von uns profitieren konnten.“ Was der Militärkommandant trocken kommentiert: „Wenn einer der weltbesten Billardspieler als Leistungssportler gilt, sollte doch ein Athlet der weltweit höchsten Motorsportkategorie denselben Status haben. Ich ersuche daher die Verantwortlichen hier umzudenken. Natürlich muss die Anerkennung des Status an Leistungskriterien gebunden sein. In nicht-olympischen Sportarten muss man üblicherweise unter den Top 3 bei einer EM oder WM sein, um beim Bundesheer als Leistungssportler aufgenommen zu werden. Und die Formel 1 ist meines Erachtens da über jeden Zweifel erhaben.“ Klien: „Die Nichtberücksichtigung der Motorsportler dürfte historische Gründe haben. Aber der Rennsport hat sich dramatisch weiterentwickelt. In der Formel 1 brauchst du heutzutage eine Konstitution wie ein Zehnkämpfer. Beim Rennen beispielsweise sinkt der Puls kaum unter 160, und das fast 2 Stunden lang.“

Die Bundessportorganisation verweist auf den Fördergedanken der bestehenden Regelung. Generalsekretär Dr. Walter Pillwein: „Es hat schon vor Jahren einen Antrag von Christian Klien in diese Richtung gegeben. Leider ist der Motorsport aber nicht unter unseren 59 Fachverbänden vertreten. Offensichtlich ist das Interesse der Obersten Nationalen Sportkommission auch begrenzt. Persönlich finde ich das schade, da es viele attraktive Motorsportkategorien gibt. Mit der gängigen Regelung ist gemäß dem Gleichheitsgrundsatz natürlich auch immer ein finanzieller Fördergedanke verbunden, speziell um die olympischen Sportarten zu stärken. Auch wenn Christian Klien natürlich keinerlei finanzielle Unterstützung beanspruchen will, ist ein Förderprogramm für einen Formel 1-Piloten schwer argumentierbar. Daher kann es für ihn leider keinen der streng limitierten Plätze geben. Ganz ausschließen will ich eine Sonderlösung in diesem Einzelfall nicht, dazu müsste allerdings das Bundesheer selbst aktiv werden und gesteigertes Interesse zeigen.“

Gemeinsam statt gegeneinander

Christian Klien dazu: „Um es auf den Punkt zu bringen: Ich möchte meinen Präsenzdienst ableisten. Und ich freue mich, dass offensichtlich etwas Bewegung in die Sache kommt. Denn eine Stationierung als Heeresleistungssportler ist derzeit die einzige Möglichkeit, meine Rennkarriere vernünftig fortzusetzen.“

Brigadier Schröckenfuchs betont außerdem die Vorbildwirkung, die ein Formel 1-Fahrer im Heeresdienst hätte: „Für uns wäre es schon ein Imagegewinn. Und mir imponiert, dass Christian seit längerer Zeit darauf drängt, seinen Wehrdienst bereits jetzt ableisten zu können und nicht irgendwann in vielen Jahren, wenn seine Karriere vielleicht vorbei ist. Die Lösung liegt auf der Hand und alle Seiten arbeiten zusammen. Christian würde seine Basisausbildung in der rennfreien Zeit ableisten und dann wie jeder Sportler für Rennen und Tests freigestellt. Am liebsten wäre es mir natürlich, wenn er bei uns trainiert und dann mit dem Heeres-Logo am Helm im Cockpit sitzt. So oder so werden wir aber ein Lösung finden, die für beide Seiten gut ist. Ich bevorzuge wie immer den Vorarlberger Weg, wo man sich an einen Tisch setzt und die Dinge einfach anspricht.“ Das internationale Medienecho wäre dem Österreichischen Bundesheer gewiss. Denn Formel 1-Fahrer trifft man höchst selten bei der Armee, weil in nur wenigen Ländern eine allgemeine Wehrpflicht herrscht wie in Finnland, Deutschland oder Österreich. Kimi Räikkönen war einer der wenigen. Er durfte seinen finnischen Armeedienst in einer Sport-Einrichtung abdienen, die dem österreichischen Modell sehr ähnlich ist. Die Schlagzeilen rund um den Erdball gehörten ihm und seinen Ausbildnern. Videos von Korporal Räikkönen zählen zu den Dauerbrennern auf der Internet-Plattform YouTube. Heute ist der Ferrari-Pilot Weltmeister. Das beste Beispiel, wie so eine Partnerschaft bis ganz an die Spitze funktionieren

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