Kinderschutzzentrum Salzburg überlastet

Die Zahl der Hilfesuchenden im Kinderschutzzentrum Salzburg übersteigt dessen Kapazitäten und finanzielle Mittel. Es mussten neue Räume eröffnet werden um mehr Fälle zu betreuen zu können.

Das Salzburger Kinderschutzzentrum erhält neue Räumlichkeiten um die gestiegene Anzahl an Hilfesuchenden betreuen zu können.

Die Berichterstattung über die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche hat dazu geführt, dass die Hemmschwelle von Opfern, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, gesunken ist. “Das Thema wurde enttabuisiert”, sagte der Geschäftsführer des Salzburger Kinderschutzzentrums, Peter Trattner, am Dienstag bei einem Pressegespräch anlässlich der Eröffnung neuer Räumlichkeiten des Vereins.

Die Zahl der Hilfesuchenden übersteige mittlerweile die personellen und finanziellen Kapazitäten des Zentrums.

 

 

20 Prozent mehr Anfragen

Seit März sind die Anfragen um rund 20 Prozent gestiegen. Das entspricht einem Plus von rund 200 Fällen. Immer häufiger sind die Mitarbeiter des Kinderschutzzentrums mit schweren Missbrauchsfällen konfrontiert. Sie registrieren einen Zuwachs von 50 Prozent. Das Kompetenzzentrum für Kinderschutz muss aufgrund von Kapazitätsproblemen leichtere Fälle an andere Institutionen weiterverweisen. “Wir bräuchten einen Mitarbeiter mehr”, sagte Trattner. Insgesamt betreut das Kinderschutzzentrum pro Jahr 1.300 Klienten.

Der Verein hilft mit 15 Beschäftigten Kindern und Jugendlichen, die Opfer von Gewalt wurden und bietet psychologische Beratung und Betreuung, Therapie und Prozessbegleitung an. Seit der Gründung im Jahr 1987 wurden 15.000 Kinder und Jugendliche sowie deren Familien betreut.

 

 

Enttabuisierung senkt die Hemmschwelle

Die Enttabuisierung des Themas Missbrauch habe auch dazu geführt, dass sich verstärkt Opfer aus ländlichen Regionen melden, berichtete die Psychologin Sabrina Galler. Deshalb will das Kinderschutzzentrum seine Angebote in den Bezirken ausbauen. Geplant seien Außenstellen, die an drei Nachmittagen pro Woche Beratungen machen, in Zell am See und Bischofshofen. Um dieses neue Angebot zu finanzieren, wäre ein zusätzliches Budget von 50.000 bis 70.000 Euro nötig.

Doch Geld ist knapp. Insgesamt hat das Kinderschutzzentrum Salzburg pro Jahr 550.000 Euro zur Verfügung. Drei Viertel des Budgets werden durch die öffentliche Hand finanziert, ein Viertel über Sponsoren aufgebracht.

 

 

„Quantensprung in der Geschichte des Kinderschutzzentrums“

Der neue Standort in der Leonhard-von-Keutschach-Straße sei ein Quantensprung in der Geschichte des Kinderschutzzentrums, sagte die Vorsitzende des Vereinsvorstands, Verena Schrems. Es gibt mehr Platz, die Räume sind hell, ermöglichen vertrauliche Gespräche und sind barrierefrei. Die Gesamtkosten des Umbaus von 145.000 Euro werden zum Teil über eine Bausteinaktion finanziert werden.

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