Keine Beutekunst in Salzburger Kunstsammlungen

Sieben Jahre lang haben Experten jene Werke untersucht, die in den Jahren 1939 bis 1955 in Landesbesitz gelangten und heute dem Museum der Moderne und der Residenzgalerie gehören. Es konnten keine Hinweise auf Beutekunst gefunden werden.

Die meisten Kunstwerke sind vom umstrittenen Kunsthändler Friedrich Welz in die Landessammlung eingegliedert worden. Rund die Hälfte dieser Werke sind laut Salzburger Provenienz-Erhebung einwandfrei nachweisbar und korrekt – also nicht arisiert – in Landesbesitz. Bei der anderen Hälfte sind die Forscher nicht weiter gekommen, haben aber keinerlei Hinweise gefunden, dass es sich um Beutekunst oder unter Druck erstandene Werke handeln könnte, wie die beiden stellvertretenden Landeshauptmänner Othmar Raus (SPÖ) und Wilfried Haslauer (ÖVP) am Montag bei einer Pressekonferenz betonten. „Ein Quäntchen Unsicherheit bleibt immer“, erläuterte Raus. „Ultimative Sicherheit gibt es nicht. Aber zu 99 Prozent sind die Kunstwerke zu Recht im Besitz des Landes. Wir haben sämtliche Werke und die dazugehörigen Forschungsergebnisse permanent im Internet veröffentlicht, und niemand hat irgendeinen Anspruch erhoben.“

Eindeutig geklärt ist laut Salzburger Provenienzforschung etwa die Herkunft eines Stilllebens von Herbert Böckl. Keine neuen Quellen konnten hingegen bei Gustav Klimts „Litzlberg am Attersee“ erschlossen werden. Warum die Provenienz nicht bei allen der 175 untersuchten Werke trotz siebenjähriger Forschung historisch eindeutig geklärt werden konnte, liegt laut Studien- und Buchautorin Roswitha Juffinger von der Residenzgalerie nicht zuletzt an Friedrich Welz selbst: „Welz war Händler und zugleich Leiter der Landessammlung. Er hat sich selbst Bilder verkauft und eingetauscht. Dabei hat er so gut wie keine Buchhaltung geführt. Sogar dem Salzburger Gauleiter war das zu vage, so dass die Herkunft vieler Bilder schon 1942 untersucht wurde. Diese Untersuchung der Nationalsozialisten ist für einen Teil der Bilder der heutigen Landessammlung die einzige Herkunfts-Quelle.“

Das Salzburger Provenienzforschungs-Projekt ist indes nicht abgeschlossen. Bis 2009 sollen sämtliche der rund 1.000 Grafiken und Aquarelle – darunter Arbeiten von Kokoschka, Klimt und Schiele – unter die Lupe genommen werden. Außerdem wollen die Salzburger Kunsthistoriker jenem Nachlass, den Welz 1977 dem Land geschenkt hat, besonderes Augenmerk schenken.

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