Kaum Partystimmung in den Festzelten nach der Wahl

In den Festzelten wurde nach der Nationalratswahl eher verhalten gefeiert.
In den Festzelten wurde nach der Nationalratswahl eher verhalten gefeiert. ©APA
Nach den für SPÖ und ÖVP dorch sehr enttäuschenden Ergebnissen nach der Nationalratswahl 2013 wollte in den Festzelten danach die Partystimmung nicht so recht aufkommen. Auch beim Team Stronach und den Grünen wurde eher verhalten gefeiert.
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Im SPÖ-Festzelt vor der Parteizentrale in der Wiener Löwelstraße war am Wahlabend eine Mischung aus Ernüchterung über den historischen Tiefststand bei einer Nationalratswahl und einem erleichterten “Hauptsache Erster” zu spüren. Als SPÖ-Vorsitzender Werner Faymann nach dem “Zeit im Bild”-Live Einstieg aus dem Parlament zu seinen Anhängern zurückkehrte, brandete Jubel auf.

Nationalratswahl: Ernüchterung bei der SPÖ

Der Bundeskanzler verzichtete dabei auf eine längere Ansprache, sondern holte nur ein weiteres Mal zu einer kurzen Danksagung aus und zeigte sich mit seinen SPÖ-Ministern, seinem Mitarbeiterstab und Gattin Martina den Sympathisanten im randvollen Festzelt. Nach wenigen Minuten bahnte er sich dann wieder den Weg durch die Menge zum Ausgang, posierte mit Anhängern für Handy-Fotos, schüttelte unzählige Hände und herzte Kinder. Der Kanzler wolle voraussichtlich “im kleinen Kreis feiern”, sagte sein Sprecher der APA.

Bei der ersten Hochrechnung um 17 Uhr war die Stimmung in der SPÖ-Parteizentrale am Tiefpunkt gewesen. Im Medienzentrum konnte man beinahe eine Stecknadel fallen hören, als der SPÖ-Balken in die Höhe ging. Auch im Festzelt gab es nicht mehr als freundlichen Applaus. Erst als bei der zweiten Hochrechnung um 18 Uhr zumindest die 27 Prozent-Marke übersprungen wurde, war vereinzelt Jubel zu vernehmen.

Keine Partystimmung beim Team Stronach

Keine schlechte Stimmung, aber auch keine wirklich ausgelassene herrschte Sonntagabend bei der Wahlparty des Team Stronach in einem Wiener Hotel. Rund 100 Anhänger hatten sich in dem bei weitem nicht vollem Kellerlokal eingefunden. Immerhin schaute Parteichef Frank Stronach kurz vor 22.00 Uhr noch vorbei. Dass keine Partystimmung aufkam, lag zum Teil sicher auch daran, dass es keinerlei Musik gab. Ein Stimmungsaufheller war zumindest zwischenzeitlich die Ankunft des Parteichefs, der mit “Frank”- und “Bravo”-Rufen, Applaus und rot-weiß-roten Fähnchen empfangen wurde.

Der 81-jährige Stronach stellte sich sodann auf die vorhandenen Polstermöbel, um sich bei seinen Mitstreitern für die geleistete Arbeit zu bedanken. “Hätten wir gern mehr gehabt, aber wichtig ist, dass wir im Parlament sind.” Das Team Stronach werde seinen Prinzipien treu bleiben, versprach der Parteigründer. Nach seiner Rede war für Stronach Händeschütteln angesagt, und eine dreiviertel Stunde später war er dann auch schon wieder weg.

“Scheißt’s doch auf die Wahl”

Von wenig Euphorie getragen, aber dafür umso lauter haben die Grünen am Sonntagabend ihre Wahlparty im Wiener Museumsquartier begangen. Während sich im Vorraum die Mandatare und Unterstützer drängten und den geringen Zugewinn analysierten, bemühte sich die Band “77 Sunset Strip” in der halbvollen Halle E um Stimmung. So richtig wollte die aber nicht aufkommen, auch wenn sich die Musiker redlich bemühten und von Beginn an Partyhits von Robbie Williams bis Marvin Gaye intonierten. “Ihr seid’s so überhaupt nicht auf Party drauf”, beklagte sich Leadsänger Andie Gabauer von der Bühne aus. Sein Tipp: “Scheißt’s doch auf die Wahl!”

Gegen 22.30 Uhr kam dann Spitzenkandidatin Eva Glawischnig aus dem Parlament zurück, plauderte mit den Gästen und schloss schließlich Ehemann Volker Piesczek in die Arme. Auch sonst wurde viel umarmt und Schulter geklopft unter den Grünen. Am Zug war da schon ein DJ, die Band hatte längst eingepackt.

ÖVP wollte nach Nationalratswahl “trotzdem feiern”

Die ÖVP und ihr Parteichef Michael Spindelegger wollten am Sonntagabend “trotzdem feiern”, zwar nicht das Wahlergebnis, aber die “Bewegung”, die in den vergangenen Wochen in Gang gesetzt worden sei, das erklärte der Kanzlerkandidat auf der Bühne im Partyzelt vor der Parteizentrale in der Lichtenfelsgasse. Dabei bekräftigte er auch, dass er sich “nicht gleich morgen” auf eine Neuauflage der Großen Koalition festlegen wolle – daraufhin brandete tosender Applaus auf. Unter den Gratulanten war dann am späteren Abend auch der niederösterreichische Parteichef Erwin Pröll. Spindelegger kam nach seinem Auftritt im Parlament im Festzelt an und betrat zur gleichen Melodie, die für ihn im Wahlkampf gespielt wurde, mit seiner Frau Margit und Sohn Patrick sowie “gelben” Unterstützern die Bühne. Zunächst bedankte sich der Parteiobmann bei den Unterstützern und sprach von einem “Gipfelpunkt” der vergangenen zwei Monate: “Ich wär’ am liebsten hier gestanden und hätte gesagt, wir sind die Nummer eins. Das ist sich knapp nicht ausgegangen.”

In seiner Ansprache hielt er fest, dass die nächste Regierung “so nicht weitergehen kann”. Die ÖVP stehe für “konstruktive Gespräche” zur Verfügung. Man werde sich aber “nicht morgen festlegen, auf eine Neuauflage. Das möchte ich nicht.” Aus dem heutigen Tag leite er jedenfalls ab: “Nur ja nicht den Kopf hängen lassen.” Die Partei habe “gekämpft wie ein Löwe”, er selbst voran. Man habe einen “tollen Wahlkampf” geführt.

Strache feierte “blaues Wunder”

Zwar hatte das freiheitliche Festzelt zwischen Parlamentsklub und Rathaus schon früh geöffnet, dennoch blieb die blaue Prominenz bis zum Eintreffen Straches eher rar. In Feierlaune waren etwa der scheidende III. NR-Präsident Martin Graf sowie der Klubobmann der Wiener FPÖ Johann Gudenus. Bis eine dreiviertel Stunde vor dem Eintreffen Straches verfolgten die FPÖ-Fans die Wahlberichterstattung des ORF. Erst dann trat die John Otti Band in Aktion, die zu Straches Einzug auch den selbstkomponierten Wahlkampfsong “Liebe ist der Weg” zum Besten gab.

Ungewöhnlichen Besuch gab es im blauen Festzelt von einer Tiroler Schulklasse, die sich auf Wien-Woche befand. Man wolle so den Jugendlichen Politik vermitteln, lautete die Intention der Lehrer, die sehr wohl auch auf Objektivität bedacht waren. Nach der FPÖ zogen die Schüler ins ÖVP-Zelt ums Eck weiter.

(APA/red)

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