Junge Spieler müssen hart arbeiten

Kaum ein anderer kennt die Vorarlberger Jungkicker besser als Austria Lustenaus-Nachwuchschef Lassaad Chabbi. Der 42-Jährige scheut sich auch nicht, die Ländle-Talente hart anzupacken.

NEUE: Österreichs U-17 wurde bei der EM Dritter, die U-19-Auswahl hat sich für die EM qualifiziert. Der Nachwuchs gibt ein kräftiges Lebenszeichen von sich. Auch in Vorarlberg?
Lassaad Chabbi: “Ganz sicher. Im Ländle gibt es genügend Talente. Man muss nur die Kaderlisten durchgehen. Spieler wie Eisele, Vural, Minoretti, Bolter oder Karatay gehört die Zukunft. Vorausgesetzt, sie bleiben am Boden und arbeiten hart weiter. Ansonsten ergeht es ihnen wie vielen vor ihnen. Sie verschwinden wieder ins Nichts.”

NEUE: Ist in Vorarlberg der Aufwind im Nachwuchsbereich spürbar?
Lassaad Chabbi: “Ja, in den letzten Jahren wurde viel getan. Es arbeiten kompetente Leute in den Nachwuchszentren. Und davon profitieren die Vereine – u. a. auch Austria Lustenau. Früher war bei der Austria der Busfahrer der einzige Vorarlberger – heute ist das ganz anders.”

NEUE: Warum feiert Österreich im Nachwuchs immer wieder großartige Erfolge, aber “oben” klappt es dann nicht?
Lassaad Chabbi: “Weil viele 18- und 19-Jährige glauben, sie sind schon Stars, wenn sie ein paar gute Spiele gezeigt haben. Dann riechen sie gleich das große Geld und sind nicht mehr bereit, sich anzustrengen. Heute wollen 18-Jährige schon 2000 bis 3000 Euro pro Monat verdienen.”

NEUE: Die Jugend ist eben verwöhnt und scheint nicht mehr bereit, sich mühsam nach oben zu rackern. Jeder träumt vom schnellen Geld und will möglichst wenig dafür tun.
Lassaad Chabbi: “Wenn ein 18-Jähriger denkt, Fußball spielt man nur wegen Geld, soll er sich überlegen, ob er den richtigen Beruf “erlernen” will. Dann soll er seine Eltern fragen, wie hart sie arbeiten müssen, um im Monat vielleicht etwas mehr als 1000 Euro zu verdienen. Vielleicht kapieren sie dann, welche Chance ihnen der Profifußball bietet. Erreicht hat man erst am Ende der Karriere etwas, nicht am Anfang. Junge Fußballer brauchen auch eine “Erziehung”. Sie müssen Respekt haben vor den Älteren und bereit sein, sich auch etwas sagen zu lassen.”

NEUE: Ist der heimische Nachwuchs “fauler” als anderswo?
Lassaad Chabbi: “Das kann man so nicht sagen. Für mich gibt es zwei Arten von Fußball-Typen. Solche, die sich auf jedes Training freuen und solche, die lieber frei haben wollen.”

NEUE: Welcher Trainertyp ist Lassaad Chabbi?
Lassaad Chabbi: “Ein Trainer vertraut seinen Spielern und will von ihnen nicht enttäuscht werden. Man kann einmal schlecht spielen, man muss aber immer laufen. Wenn einer nicht bereit ist, dies zu tun, tausche ich ihn aus – und wenn es schon nach wenigen Minuten ist. Junge Spieler müssen auch flexibel sein und bereit sein, möglichst viele Systeme zu lernen.”

Chabbis “Top-Youngsters”

Tor: Özcan (BNZ) Abwehr: Hämmerle (BNZ), Lepir (BNZ), Eisele (Austria), Pfister (Altach)
Mittelfeld: Minoretti (FC Lustenau), Bolter (Bregenz), Netzer (BNZ), Vural (Austria)
Angriff: Karatay (Austria), Bozkurt (BNZ)
Ersatz: Temmel (Tor/Austria), Werth (RW Rankweil), Fehn (Altach), Wittwer (Austria), Ellensohn (Rankweil), Visintainer (Hard), Ibrahimi (Austria), Dominik Hagspiel (Austria)

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