Johnny's Housewives - "Don Giovanni" im Salzburger Landestheater

Regisseur Jacobo Spirei inszenierte Mozarts „Don Giovanni“ neu im Salzburger Landestheater – und zwar im Fernsehserien-Milieu à la „Desperate Housewives“.

Eine Straße in der amerikanischen Vorstadt. Der Sternenbanner hängt auf dem Masten, und Holzzäune begrenzen die Bürgerhaus-Veranda. Die Menschen in schlapprigen Jeans und Flanellhemden sind bewaffnet, feiern Halloween und beobachten die Nachbarn durch die Schiebefenster. Was sich wie ein Screen-Script einer “Desperate Housewives“-Folge liest, ist in Wahrheit aber der neue “Don Giovanni” im Salzburger Landestheater. Regisseur JacoboSpirei hat den Opernklassiker im Design einer US-amerikanischen Fernsehserie inszeniert und damit gestern, Freitag, Abend einen respektablen Publikumserfolg eingefahren.

Der oberste Verführer der Kulturgeschichte geht als basketballspielender Lümmel mit hängenden Jeans und Turnschuhen auf Frauenjagd. Durch diese Kostümwahl erweckt “Johnny” Don Giovanni den Eindruck, Autos zu knacken und Dope zu verkaufen anstatt reich, mächtig und stilvoll unter Röcke zu greifen. Die Kostüme können also durchaus als Schwachpunkt des neuen “Don Giovanni” in Salzburg bezeichnet werden.

Trotzdem funktioniert die Oper im Fernsehserien-Milieu. Regisseur Spirei und Ausstatterin Bettina Richter zeigten damit sogar verblüffende Parallelen auf. Einerseits wirkt die Umgebung von Rasen, Vorgarten, Bürgerwehr mit Schrotflinten, Popcorn und Chips vor dem Fernseher, Halloween und Zombies mit kurzem Draht ins Jenseits längst vertrauter als das barocke Schnörkel-Schloss, Mantel und Degen sowie viele andere, abstrakte Regie-Konzepte. Allein schon dadurch ist die Oper greifbar geworden und ein Stück näher gerückt. Zum anderen sind die Absurditäten der Handlung, die Verwechslungen und Maskeraden, die blitzartig auftretenden Gefühlsverirrungen und radikalen Neurosen der handelnden Personen Geschwister im Geiste. Der einzig bedeutende Unterschied ist die Partitur von Mozart.

Das Mozarteum Orchester unter der Leitung von Leo Hussain hat dieses Standardwerk der Opernliteratur in guten Tempi und fast durchwegs präzisen Einsätzen und Übergängen wiedergegeben. Die Intonation der Musiker war gut, die Rhythmen deutlich und vor allem schwungvoll-engagiert. Der Sinnlichkeit des Orchesterklanges war höchstens durch die knochentrockene Akustik des Landestheaters eine Grenze gesetzt. Um die Sänger kümmerte sich Hussain allerdings nicht immer, vieles war reichlich laut, und auch die Feinabstimmung mit der Bühne stolperte manchmal gehörig.

Die Solisten agierten dem Salzburger Landestheater entsprechend professionell und haben einen wesentlichen Anteil am Erfolg. Nach anfänglicher Nervosität war bei den meisten Sängern so etwas wie Spiel- und Musizierlust spürbar, besonders bei Simon Schnorr in der Titelrolle. “Johnny” Schnorr ist stimmlich zwar kein großer Bariton. Aber mit seiner klaren, sauberen und sympathisch schnörkellosen Stimme, dem Gefühl für Rhythmus und nicht zuletzt mit seinem jungen, frechen und emotional intensiven Spiel formte er die Figur eindrucksvoll und souverän. Ähnliches gilt für “Leporello” Marcell Bakonyi und Hubert Wild als Masetto – alle drei ansprechende Bariton-Stimmen und gute Schauspieler. Johannes Wiedecke gab einen unspektakulär-guten Komtur, nur “Don Ottavio” John Zuckermann fiel deutlich ab. Sein Tenor wirkte nicht nur ein wenig dünn, sondern auch angestrengt.

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