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"Johnny Breitwieser": Erfolgreiche Aufführung im Schauspielhaus

"Johnny Breitwieser": Erfolg für Verbrecher-Ballade im Schauspielhaus
"Johnny Breitwieser": Erfolg für Verbrecher-Ballade im Schauspielhaus ©Robert Polster / Schauspielhaus / Martin Vischer, Nicola Kirsch
Das Vorhaben, aus einer realen Lebensgeschichte aus den Anfangsjahren des 20. Jahrhunderts "eine Verbrecher-Ballade aus Wien" zu machen, die im 21. Jahrhundert weder befremdlich noch nostalgisch wirkt, wurde gestern bei der Uraufführung im Wiener Schauspielhaus bejubelt.

Johnny Breitwieser ist zwar kein Mackie Messer, bewies aber dennoch Eignung zur Bühnenfigur. Schauspielhaus-Intendant Andreas Beck wollte in seiner Abschieds-Saison verschiedene Spielarten des Musiktheaters erproben und hat für die Umsetzung der Geschichte des von den armen Leuten verehrten “Meidlinger Einbrecherkönigs” Johann Breitwieser (1891-1919) den oberösterreichischen Autor Thomas Arzt (“Grillenparz”, “Alpenvorland” u.a.) und den US-Komponisten und Songschreiber Jherek Bischoff zusammengebracht. Herausgekommen ist keine Dreigroschen-Oper, aber eine Fünfhunderttausendkronen-Moritat (578.695 Kronen bringt der größte Coup des Verbrechers ein), die deutliche Anklänge an Brecht/Weill aufweist, den Figuren jedoch menschlich viel näher rückt, ohne sentimental zu werden.

Bemerkenswerte Aufführung

Der musikalische Teil des fast dreistündigen Abends ist bemerkenswert. Bischoff, der schon mit Amanda Palmer und David Byrne zusammengearbeitet hat, setzt auf eine Komposition, die sich genügend in die Gehörgänge schmeichelt, um zu erfreuen, aber auch genug Widerborstigkeit zeigt, um nicht einzulullen. Das famos agierende Streichquartett Ensemble LUX und Schlagzeuger Mathias Koch werden bei der Klangerzeugung vom Ensemble unterstützt, das einem von Ivan Bazak gebauten, die Bühne dominierenden, mittels gespannter Metall- und Gummifäden vielseitig einsetzbaren Metallrahmen schlagend und zupfend immer wieder prägnante Töne entlockt.

Überhaupt, das Ensemble: Gespielt wird sowieso ausgezeichnet, aber auch Korrepetitor Bernhard von Hamm hat ganze Arbeit geleistet. Alle Stützen des Hauses bewältigen nicht nur die zwischen Verknappung und dialektaler Künstlichkeit schwankende Sprache des Textes, sondern auch die musikalischen Anforderungen der Songs – mit Mut zur Gebrochenheit und selbstbewusster Verweigerung jedes Virtuositäts-Anspruchs.

Sehnsucht und Wahrhaftigkeit

Es geht um Sehnsucht und Wahrhaftigkeit, um private Hoffnung und soziale Wirklichkeit, um Revolution und Emanzipation – und um das nackte Überleben der Unterprivilegierten. Regisseur Alexander Charim vermeidet in der raschen Abfolge von kurzen Szenen und kommentierenden Balladen Lokalkolorit und Sozialkitsch, sondern setzt vor dem behaupteten Hintergrund des proletarischen Elends vor und im Ersten Weltkrieg ganz auf das Zusammentreffen und die Reibung einzelner Figuren.

Martin Vischer ist mehr ein Getriebener, der nichts mehr zu verlieren hat, als ein Gentleman-Gauner oder wienerischer Robin Hood. Mit dem ihm umgebenden Ruf und Ruhm kann er wenig anfangen. Als am Ende seine Sehnsucht nach kleinbürgerlicher Existenz durchschlägt, wird er von Realität und Vorleben brutal eingeholt. Thiemo Strutzenberger brilliert als sein Bruder, eine mehrfach gebrochene Figur zwischen verhindertem Revolutionär, traurigem Engelmacher und verruchter Party-Schönheit.

“Johnny Breitwieser” in Wien

Gideon Maoz als zum Verräter werdender Schützling und Florian von Manteuffel als immer am Rande der Lächerlichkeit balancierender Vertreter der Staatsmacht, Franziska Hackl als gefallenes Fräulein mit Horvath-Flair, Nicola Kirsch als desillusionierte Gefährtin und Katja Jung als Lady mit einer Schwäche für die kriminelle Versuchung komplettieren eine geschlossene Ensembleleistung, die am Ende zu Recht ausgiebig gefeiert wurde.

“Johnny Breitwieser. Eine Verbrecher-Ballade aus Wien” von Thomas Arzt und Jherek Bischoff (Komposition), Regie: Alexander Charim, Bühne und Kostüme: Ivan Bazak, Bühnenmusiker: Ensemble Lux und Mathias Koch, Mit Franziska Hackl, Katja Jung, Nicola Kirsch, Florian von Manteuffel, Gideon Maoz, Thiemo Strutzenberger und Martin Vischer, Nächste Vorstellungen: 2., 3., 12., 13., 31.12., Karten: 01 / 317 01 01 18.

(APA)

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