Jobchancen für Ukraine-Flüchtlinge hängen an Kinderbetreuung und Wohnungen

Ob aus der Ukraine geflüchtete Menschen Jobs annehmen können, hängt auch von der Verfügbarkeit der Kinderbetreuung ab
Ob aus der Ukraine geflüchtete Menschen Jobs annehmen können, hängt auch von der Verfügbarkeit der Kinderbetreuung ab ©Pixabay (Sujet)
Große Zuversicht herrscht in Österreich darüber, dass die Vertriebenen aus der Ukraine rasch Jobs finden und annehmen werden. Doch dies hängt auch von Faktoren wie Kinderbetreuung und Wohnen ab.
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Abgesehen davon, dass passende Arbeitsplätze gefunden werden müssen, sind dabei die Kinderbetreuung und der Zugang zu Wohnraum die Engpässe, die es zu überwinden gilt, schreibt das sozialliberale Momentum Institut in einer am Montag veröffentlichten Analyse. Ein großes Problem sei der Verlust der Grundversorgung und damit der Anspruch auf Wohnraum.

Wohnungssuche und Kinderbetreuung als Engpass

Wichtig wäre eine Übergangsfrist nach Antritt eines Jobs und die aktive Unterstützung der Bundesländer bei der Wohnungssuche, meint das Momentum Institut. Da in dieser Welle vor allem Frauen mit Kindern nach Österreich gekommen sind, sei die Kinderbetreuung der zweite Engpass. Gerade im ländlichen Raum sei in vielen Ländern die Kinderbetreuung schlecht ausgebaut. Das habe schon bisher bei Flüchtlingen dazu beigetragen, dass sie nach Wien oder in andere Städte abwandern. Dort seien aber die Jobchancen geringer als in den westlichen Bundesländern.

Verteilung der Vertriebenen nach Kriterien des Arbeitsmarktes

Das großteils von Arbeiterkammer und Gewerkschaft finanzierte Institut empfiehlt die Verteilung der Vertriebenen nach Kriterien des Arbeitsmarktes. Allerdings müsse die Zuverdienstgrenze neu geregelt werden, sodass bei Annahme eines Jobs nicht die an die Grundversorgung gebundene Unterkunft verloren geht. Das Vorarlberger Modell könne da ein Vorbild sein. Die Bundesländer müssten nicht nur eine gute Unterstützung bei der Wohnungssuche anbieten, sondern vor allem auf dem Land die Öffnungszeiten der Kinderbetreuungs-Einrichtungen verlängern.

Wien: Zehn Jobsuchende auf eine offene Stelle

Während in Salzburg, Oberösterreich und Tirol nur bis zu zwei Jobsuchende auf jede offene Stelle kommen, seien es in Wien fast zehn, im Burgenland mehr als sechs. "In Regionen mit mehr offenen Stellen ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass Unternehmen und (geflüchtete) Arbeitssuchende zusammenfinden und so der Wohlstand der Regionen steigt", vermerkt das Institut. Zugleich müssten die vorhandenen Qualifikationen rasch anerkannt werden.

Mangel an verfügbaren Arbeitsplätzen in Wien

Wenn es wie in Vorarlberg oder Tirol eine hohe Unterstützung bei der Wohnungssuche gebe, dann bleiben fast 90 Prozent der Geflüchteten nach ihrer Anerkennung im Bundesland, so das Institut. Bei einer geringen Unterstützung wie im Burgenland, Niederösterreich und Kärnten seien es weniger als 40 Prozent. Das habe wiederum eine massive Auswirkung auf die Integration in den Arbeitsmarkt: In den beiden westlichsten Bundesländern hatten 44 Prozent der Geflüchteten nach ihrer Anerkennung einen Job, in Wien nur 15 Prozent. Der Mangel an verfügbaren Arbeitsplätzen in Wien spiele dabei eine bedeutende Rolle.

(APA/Red)

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