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Jeder dritte Lokalgast ist Raucher - Nichtraucherverein strikt gegen Aus für Rauchverbot

Jeder dritte Lokalgast ist Raucher.
Jeder dritte Lokalgast ist Raucher. ©Pixabay.com (Sujet)
Eine Erhebung des Consulting-Unternehmens Kreutzer Fischer & Partner zeigt den einfachen Grund dafür, dass die Gastronomie einem Rauchverbot skeptisch gegenübersteht: 38 Prozent der Gäste und damit ein höherer Anteil als in der Gesamtbevölkerung sind Raucher. Die Schutzgemeinschaft für Nichtraucher bezeichnet indes jede Aufweichung des Nichtrauchergesetzes als "Stich ins Wespennest mit fatalen Folgen".

Der Marktanalyst hat – bereits im Mai – in einer repräsentativen Umfrage den Raucherstatus und die Häufigkeit von Lokalbesuchen erhoben. “Hinsichtlich der Raucherquoten brachte die Erhebung die erwarteten Ergebnisse. Bezogen auf die gesamte Bevölkerung liegt der Anteil der aktiven Raucher bei 29 Prozent. Bei den Männern bezeichneten sich 32 Prozent als Raucher, bei den Frauen waren es 26 Prozent. Der Anteil der Raucher nimmt mit dem Alter rasch ab. Während zwischen 15 und 29 Jahren 38 Prozent zumindest gelegentlich zum Glimmstängel greifen, sind es in der Altersgruppe 60plus nur noch 13 Prozent”, berichtete das Unternehmen am Montag in einer Aussendung.

Anteil der Raucher in der Gastronomie: Wenig Aussagekraft

Allerdings habe diese Verteilung für die Gastronomie wenig Aussagekraft. Denn zum einen seien Raucher tendenziell stärker “Lokalgeher”, zum anderen nehme die Häufigkeit von Lokalbesuchen mit dem Alter rasch ab. Hochgerechnet auf die österreichische Bevölkerung ergeben sich laut Kreutzer Fischer & Partner jährlich rund 604 Millionen Lokalbesuche. Davon entfallen 39 Prozent auf die Altersgruppe 15 bis 29 Jahre. Das entspricht knapp dem Doppelten ihres Bevölkerungsanteils. Anders ausgedrückt: Die unter 30-jährigen kommen auf 150 Lokalbesuche pro Jahr, das sind nahezu doppelt so viele wie der Durchschnitt der Bevölkerung. Weitere knapp 31 Prozent aller Lokalbesuche (durchschnittlich 109 pro Person) entfallen auf die Alterskohorte 30 bis 44 Jahre. Insgesamt sind daher Personen unter 45 Jahren für rund 70 Prozent aller Lokalbesuche verantwortlich. Und bis zu diesem Alter liegt die Raucherquote bei durchschnittlich knapp 37 Prozent. Zudem frequentieren Raucher – ganz unabhängig von ihrem Alter – Gastronomiebetriebe durchgehend häufiger als Nicht-Raucher.

Am geringsten ist der Unterschied mit rund zehn Prozent in der jüngsten Altersgruppe, vergrößert sich mit zunehmendem Alter jedoch erheblich. Bei Personen im Alter ab 60 haben Raucher die doppelte Besuchsfrequenz der Nichtraucher. Trotzdem ist die Anzahl der Lokalbesuche in dieser Alterskohorte überschaubar. Mit einem Anteil von lediglich sieben Prozent (durchschnittlich 21 Lokalbesuche pro Jahr) sind Personen knapp vor dem oder im Pensionsalter nur noch für wenige Gastronomen eine entscheidende Zielgruppe, auch wenn ihr Anteil an der Bevölkerung bei 30 Prozent liegt.

Lockerung des Nichtrauchergesetzes “Stich ins Wespennest”

Die Schutzgemeinschaft für Nichtraucher hat sich strikt gegen jede Aufweichung des Nichtrauchergesetzes durch eine etwaige neue Bundesregierung ausgesprochen. Eine Lockerung in der Gastronomie wäre “ein Stich ins Wespennest mit fatalen Folgen”, sagte Obmann Robert Rockenbauer am Montag bei einer Pressekonferenz. An ÖVP-Chef Sebastian Kurz appellierte er: “Herr Kurz, bleiben Sie standhaft!”

Besonders in der Kritik des Vereins stand die FPÖ aufgrund deren “reaktionärer Einstellung gegenüber dem Nichtraucherschutz” . Der Vorstoß zu einer Aufweichung des beschlossenen Nichtrauchergesetzes sei eine “menschenverachtende Einstellung und eine Schande”, wie Rockenbauer betonte. Nutzen daraus würde lediglich die “Tabak-Nikotin-Drogen-Industrie” ziehen. Der Obmann fragte sich, ob dafür “Zuwendungen” fließen würden. “So einer Partei darf man keines Falls das Gesundheitsministerium überlassen”, wetterte Rockenbauer. Seine Hoffnung liege nun in der Person von Kurz: “Das absolute Rauchverbot in der Gastronomie ab Mai 2018 ist ein Meilenstein für eine rauchfreie Zukunft! Halten Sie daran fest!”.

Schutzgemeinschaft der Nichtraucher fordert “freie Luft für freie Bürger!”

Wenig Verständnis zeigte Rockenbauer auch für das “Gejammere der Wirten” über Umsatzeinbußen. In Bayern habe sich etwa laut Zahlen des deutschen Statistikamtes gezeigt, dass die Umsätze nach Einführung des Rauchverbotes gestiegen sind. Zudem liege die Aufgabe, “vermeidbare Gesundheitsschäden vom Volk abzuwenden”, beim Staat und nicht bei den Wirten. “Das muss von oben verordnet werden”, unterstrich der Obmann. Außerdem könne die Rechtssicherheit gar nicht mehr infrage gestellt werden, “das Gesetz ist nicht mehr anfechtbar”.

Rockenbauer sah auch Nachteile für jene Gastronomiebetriebe, die ihr Lokal bereits entsprechend umgebaut haben. Eine Rücknahme oder Änderung des Gesetzes würde dementsprechende Schadensersatzforderungen nach sich ziehen.

Erneut betonte die Schutzgemeinschaft, die wissenschaftlich eindeutig gesicherten Erkenntnisse über die gesundheitsschädlichen Auswirkungen des Tabakkonsums – auch in der Form des Passivrauchens. Rockenbauer: “Persönliche Freiheit hat dort ihre Grenzen, wo das Recht auf körperliche Unversehrtheit beginnt. Frei sein heißt, frei atmen können. Wir fordern daher freie Luft für freie Bürger!”

(APA/Red)

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