Interview: Desirée Treichl-Stürgkh gewährt Einblick hinter die Kulissen

Opernball-Organisatorin Desirée Treichl-Stürgkh im Interview.
Opernball-Organisatorin Desirée Treichl-Stürgkh im Interview. ©VIENNA.AT/ Lukas Krummholz
"Ich gehe mit dem Opernball schlafen und ich wache mit dem Opernball wieder auf", so beschreibt Opernball-Organisatorin Desirée Treichl-Stürgkh die letzten Wochen vor dem Ball der Bälle.
Beim Interview
Interview mit der Ball-Organisatorin

Ersatzschuhe oder -kleid, ein zweites Paar Strümpfe, Make-up, Nadel und Faden, Parfum, Nagellack und -feile, Pflaster und ähnliche Dinge würde man in einem “Notfall-Paket” für den Opernball vermuten. Auf ein solches verzichtet Opernball-Organisatorin Desirée Treichl-Stürgkh aber komplett. In ihrem allerersten Jahr dachte sie, sie müsste sich für alle Eventualitäten rüsten. “Ich war unglaublich aufgeregt”, meint die 49-Jährige im Interview mit VIENNA.AT. Diese Aufregung ist über die Jahre augenscheinlich einer professionellen Gelassenheit gewichen.

Heuer möchte sie sowieso komplett auf eine Handtasche am Ball verzichten. Stattdessen wird sie sich in ihr Kleid eine Tasche einnähen lassen. Mehr als die Karte, die ihr Zutritt zu allen Bereichen der Staatsoper ermöglicht, und ihr Telefon brauche sie nicht mit sich herumtragen.

Viel wichtiger als in der Ballnacht selbst wäre ihrer Meinung nach ein Notfall-Paket für den Tag danach. Für dieses wünsche sie sich ein Wundermittel “gegen den Muskelkater des Grinsens”.

So behält die Opernball-Organisatorin alles im Griff

Den Fehler, Desirée Treichl-Stürgkh auf ihre Funktion als Opernballorganisatorin zu reduzieren, sollte man nicht machen. Sie ist schließlich auch dreifache Mutter und Geschäftsfrau. Nicht zu vergessen: Für die Organisation des Balls der Bälle erhält sie kein Gehalt. Das Büro, das ihr zunächst zugeteilt worden war, war so klein, dass sie es vorzog, am Gang zu sitzen. Seit mittlerweile zwei Jahren hat sie ein Büro, das etwas größer ist. Dominierend in dem hellen, schlicht gehaltenen Raum ist die große Pinnwand: Visitenkarten, Fotos, handschriftliche Notizen und Briefe – alles, was man nicht unbedingt die ganze Zeit über im Kopf haben muss, aber trotzdem auf gar keinen Fall vergessen darf, findet sich dort.

Dass sie keine One-Woman-Show abziehen muss, sondern sich auf ihr Team verlassen kann, kommt im Gespräch ganz deutlich zum Ausdruck. Manche Anfragen – nicht nur von der Presse – “übersteigen mittlerweile jede Dimension”, findet sie und ist nicht nur in solchen Momenten froh, nicht alles alleine machen zu müssen. Ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen kümmern sich neben Buchungen und Kartenverkauf auch um die “Wehwehchen der Debütanten”, wie Treichl-Stürgkh erklärt.

Die Pinnwand im Büro von Desirée Treich-Stürgkh.
Die Pinnwand im Büro von Desirée Treich-Stürgkh. ©VIENNA.AT/ Lukas Krummholz

Und gerade in der heißen Phase vor dem Opernball klingelt auch das Handy ununterbrochen. “Wenn du nach einem Gespräch auflegst, hast du schon wieder fünf verpasste Anrufe und Nachrichten auf der Mailbox.” Die Lösung: Die Mailbox wurde abgedreht, eine zweite Handynummer eingerichtet, damit Treichl-Stürgkh jederzeit für ihre Kinder erreichbar ist.

Desirée Treichl-Stürgkh im Interview

Eine lange Nacht und der Tag danach

Monatelang wird auf die rauschende Ballnacht hingearbeitet. Und auch am Opernball selber kehrt keine Ruhe ein: Händeschütteln, Gäste begrüßen, sich bei Sponsoren bedanken, anstoßen, Interviews geben, bei kleineren und größeren Problemen improvisieren, den Programmablauf im Auge behalten und ehe man sich versieht, ist es bereits wieder Morgen. Schlaf nachholen oder Wellness-Tag wären schön, sind aber nicht möglich.

Im Rathaus werden die Feierlichkeiten mit einem Empfang für die Logengäste am Tag danach fortgesetzt. Die Zeit reicht gerade, um sich frischzumachen und umzuziehen. Nach dem Empfang trifft sie sich mit ihren Kolleginnen im Kaffeehaus, um ein Mayonnaise-Ei zu essen. Fett und deftig, eine Stärkung, bevor schon bald die Arbeit für den kommenden Opernball aufgenommen werden muss. (SVA)

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