ImPulsTanz 2014: Abwechslungsreiches Programm in Wien

Buntes Programm beim Impulztanz 2014
Buntes Programm beim Impulztanz 2014 ©APA (Sujet)
Ohne traditionelle Open-Air-Eröffnung im Wiener Museumsquartier startet ImPulsTanz am 17. Juli in seine 31. Ausgabe. Trauer tragen ist aber fehl am Platz, wird beim gewohnt dichten Programm des internationalen Tanzfestivals bis 17. August doch weder an großen Namen noch an einem umfangreichen Workshop-Programm gespart.

Statt in technisch aufwendiges Eröffnungsprogramm wird mit rund 90 Vorstellungen in heimische und internationale Produktionen, mit der Reihe [8:tension] verstärkt in den choreografischen Nachwuchs und mit 236 Workshops in die Fortbildung professioneller Tänzer sowie Anfänger investiert. So lädt Doris Uhlich etwa die Altersgruppe “55+” zum “Ruhestandstanz”, gastiert der “Wien Welt Wettbewerb” erstmals beim Festival und locken etablierte Größen wie Alain Platel, Lloyd Newson, Ivo Dimchev und Meg Stuart Tanzbegeisterte aus aller Welt mit ihren neuen Performances nach Wien.

Der ImPulsTanz -Auftakt

Den Auftakt macht am 17. Juli die jüngste Arbeit des belgischen Starchoreografen Alain Platel mit seiner Compagnie les ballets C de la B im Volkstheater: “tauberbach” (auch 19. Juli) basiert auf Artur Zmijewskis von einem Gehörlosenchor gesungenen Projekt “Tauber Bach” und Marcos Prados Dokumentation über eine schizophrene brasilianische Müllsammlerin. Die Hommage an Helden des Alltags unter widrigen Umständen in Zusammenarbeit mit den Münchner Kammerspielen wurde heuer als eine der “zehn bemerkenswertesten Inszenierungen” im deutschsprachigen Raum zum Berliner Theatertreffen eingeladen.

Sehr persönliche Interviews mit mehr als 50 Männern über Liebe, Sex und Probleme liegen indes der neuesten Produktion der englischen Tanzcompagnie DV8 Physical Theatre rund um Lloyd Newson zugrunde. Nach Themen wie Islam, Gewalt und Behinderung wendet sich Newsom mit “John” (5., 7., 8., 9. August, Akademietheater) gewohnt schonungslos der Männlichkeit im 21. Jahrhundert zu. Einen Einblick in die Compagnie gewähren vier BBC-produzierte Tanzfilme, die im Rahmen eines Filmbrunches im Stadtkino im Künstlerhaus bei freiem Eintritt zu sehen sind (27. Juli).

Traditionelle Tänze in Wien

Während DV8 seit beinahe 30 Jahren Fixsterne der internationalen Tanzszene sind, gehört Dada Masilo zu deren aufstrebenden Stars. Nach ihrem fulminanten Soloauftritt in William Kentridges “Refuse the Hour” im Vorjahr kehrt die Südafrikanerin mit ihren elf Tänzerinnen und Tänzern mit einer ungewöhnlichen Neuinterpretation des Ballettklassikers “Schwanensee” auf die Bühne des Volkstheaters zurück (22., 24. & 25. Juli). In “Swan Lake” verwebt sie klassisches Ballettvokabular mit zeitgenössischem afrikanischen Tanz, Tschaikowski mit Musik von Steve Reich, romantisches Drama mit in ihrer Heimat brisanten Themen wie Apartheid, Homophobie und Aids.

Traditionellen Tänzen verschreiben sich auch Magdalena Chowaniec, die mit afghanischen Asylwerbern “Attan bleibt bei uns” erarbeitet hat (9. & 10. August, mumok Hofstallungen), sowie Amanda Pina und Daniel Zimmermann, die nach intensiver Feldrecherche “War” über den “Hoko”-Kriegstanz auf den Osterinseln auf die Bühne bringen (4. & 6. August, Odeon). Für einen Höhepunkt dürfte die amerikanische Starchoreografin Meg Stuart sorgen, die mit dem großteils improvisierten Stück “Sketches/Notebook” eine Art Happening mit zwölf Personen auf der Bühne veranstaltet (24.-27. Juli, MQ Halle G).

Spitzentanz zu Dub-Sound

Physisch extrem wird es bei Florentina Holzinger, die mit “Agon” ihren eigenen Sturz von der Bühne verarbeitet (9. & 11. August, Kasino), und Ivo Dimchev, der neben einer Wiederaufnahme seiner Vorjahresperformance “Fest” (1. August, Akademietheater) auszieht, um mit dem Solo “ICURE” (4. & 6. August, Kasino) nicht sich, sondern das Publikum zu heilen. Auch Chris Haring ist zweifach im Programm und bringt neben seiner 2011er-Mediensatire “Talking Head” (10. & 12. August, Odeon) das neue Stück “Deep Dish”. Beinahe 20 Jahre liegt die Uraufführung von Jerome Bels konzeptuellen Meisterwerk “Jerome Bel” zurück, das heuer in Originalbesetzung (!) im Schauspielhaus zur Aufführung gelangt. (Doppelvorstellungen am 12. & 13. August).

Spitzentanz zu Dub-Sound kommt von Cecilia Bengolea und Francois Chaignaud, die ihre Performance “Dub Love” (18. & 20. Juli, MQ Halle G) als Club-Event erlebbar machen und quasi direkt in das traditionelle Treiben in der Festivallounge im Vestibül überleiten, die heuer unter dem Thema “Let us all be heroes” steht. Den größten Showcharakter bieten Hans van den Broeck, der mit “The Lee Ellroy Show” die Geschichte des Autors James Ellroy aufrollt (14. August, Kasino), und Daniel Kok mit “Cheerleader of Europe” (24. & 26. Juli, Schauspielhaus).

Vienna International Dance Festival #31

Letztere ist eine von 14 Arbeiten aufstrebender Newcomer, die sich im Rahmen der [8:tension]-Reihe einem internationalen Tanzpublikum präsentieren und am 17. August bei der von Doris Uhlich und Dirk Stermann moderierten Gala zum Festivalabschluss im Kasino auf den renommierten Prix du Jardin d’Europe und den brandneuen Fan Award hoffen. Bereits am 27. Juli kommt im Volkstheater der erstmals im Rahmen von ImPulsTanz ausgetragene, internationale Tanz-Contest “Wien Welt Wettbewerb” zum Abschluss.

Wer es nicht zu allen Aufführungen schafft, dem kann Plakat- und Performancekünstler Julius Deutschbauer auch nicht helfen. “Schon wieder eine Aufführung, die ich nicht gesehen habe”, heißt sein erstmaliger Online-Blog, in dem er sich täglich Performances vorstellt und diese kritisiert.

  • “ImPulsTanz – Vienna International Dance Festival #31
  • 17. Juli bis 17. August

(APA)

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