Häupl zweifelt an Wiener Nordost-Umfahrung

&copy APA
&copy APA
Nach einer Woche der Lobau-Besetzung durch Umweltschützer sind am Dienstag die Zweifel an der geplanten Wiener Nordost-Umfahrung (S1) lauter geworden.

Bürgermeister Michael Häupl (S) stellte die Finanzierung durch die Autobahngesellschaft Asfinag in Frage. Eine gewaltsame Beendigung der Au-Besetzung schloss er aus. Bei der Asfinag und im Infrastrukturministerium beharrte man auf dem Umfahrungsprojekt.

„Ich weiß nicht, wie die Asfinag dieses Projekt finanzieren würde. Und warum soll ich in einen politischen Konflikt gehen für ein Projekt, das zwar mit dem Herrn Infrastrukturminister (Hubert Gorbach, Anm.) paktiert wurde, von dem ich aber nicht weiß, wann in der Tat die finanzielle Bedeckung dafür da ist?“, zeigte sich Häupl verstimmt.

Verärgert gab er sich auch über die Lobau-Besetzer, die mit ihrem Camp am Rande der Au in Groß Enzersdorf die Probebohrungen für den Tunnel unter dem Nationalpark verhindern wollen. 30 Personen würden sich damit gegen den Willen von Millionen von Menschen stellen, so Häupl. „Baustellen unter Bedeckung der Polizei“ schloss er aus. „Ich bin kein Wahlhelfer der Grünen“, betonte der Bürgermeister.

„Wir haben keine Meinung zu vertreten, sondern einen Auftrag zu erfüllen. Der lautet: Planen und Bauen der S1“, meinte dagegen eine Sprecherin der Asfinag. Man befolge jene Vorgaben, auf die sich Häupl, Gorbach und die Asfinag im März 2005 geeinigt hätten. Entgegen den Aussagen von Umweltschützern würden die Projektkosten von rund 1,6 Mrd. Euro nicht steigen, wurde betont.

Auch ein Sprecher Gorbachs versicherte, dass Zweifel an einer Realisierung des Projektes nicht gerechtfertigt seien: „Dass die Asfinag Schulden hat, weiß jeder, der die Asfinag kennt. Das hat aber nichts mit der Wiener Nordost-Umfahrung zu tun.“ Das Projekt sei paktiert. „Und Pakte werden eingehalten. Dass das Projekt nicht zu finanzieren ist, ist eine Mär“, hieß es.

Unterdessen ist man in der Asfinag davon abgegangen, den Zeitraum für den Start der umstrittenen Probebohrungen einzugrenzen. Man werde die Arbeiten irgendwann „im Zeitraum November bis März“ durchführen, hieß es. Von der Au-Besetzung gab man sich in der Asfinag unbeeindruckt. „Auch wenn sie sitzen bleiben, werden wir irgendwann mit unseren Bohrungen anfangen“, so die Sprecherin.

„Freude über den ersten Erfolg der Lobaubesetzung“ herrschte bei den Grünen. „Offenbar kehrt bei der SPÖ Wien jetzt langsam Vernunft ein“, so Umweltsprecher Rüdiger Maresch. In der Wiener ÖVP zeigte man sich über Häupls Zweifel verwundert, laufe doch gleichzeitig eine Werbekampagne für den Tunnel. Die FPÖ wiederum vermutete ein „Rückzugsgefecht“ der SPÖ, weil man der inhaltlichen Konfrontation mit den Grünen ausweichen wolle.

  • VIENNA.AT
  • Wien
  • Häupl zweifelt an Wiener Nordost-Umfahrung
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen