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"Hinter der Fassade": Gewalt in der Familie

In Wien thematisiert eine neue Ausstellung der Polizei und des Vereins AÖF die Gewalt innerhalb von Familien. Trotz immer stärkerer Ent-Tabuisierung gibt es hier weiter schwierige Bedingungen für die Exekutive.

Mehr als die Hälfte aller Morde in Österreich werden jährlich in Familien- und Bekanntschaftsverhältnissen verübt.
Die Ausstellung „Hinter der Fassade“, vom Verein Autonome Österreichische Frauenhäuer (AÖF) und der Bundespolizeidirektion initiiert, soll zum Thema Gewalt in der Familie sensibilisieren. Denn auch zehn Jahre nach Inkrafttreten des Gewaltschutzgesetzes „ist es kaum vorstellbar, was sich in den eigenen vier Wänden oft abspielen kann“, sagte der scheidende Polizeipräsident Peter Stiedl bei einer Pressekonferenz am Montag in Wien.

16 Tage gegen Gewalt an Frauen

Die Ausstellung in der Wiener Bundespolizeidirektion findet im Rahmen der internationalen Kampagne “16 Tage gegen Gewalt an Frauen“ von 25. November bis 10. Dezember statt. In Form einer nachgebauten Familienwohnung soll ein „Beitrag zur Sensibilisierung für die unterschiedlichen Formen und Muster von Gewalt“ geleistet werden, sagte AÖF-Geschäftsführerin Maria Rösslhumer. Rund 50 Schulen hätten sich jetzt schon für einen Besuch angemeldet, Experten von Polizei und NGO stehen Interessierten für Fragen zur Verfügung.

Die Polizei bemerke eine „Enttabuisierung“ von Gewalt in der Familie, sagte der amtsführende Landespolizeikommandanten Karl Mahrer. Im Jahr 1998, als Betretungsverbot sowie Wegweisungsverbot für Gewalt in der Familie installiert wurden, seien beide 271 Mal verwendet worden, im Jahr 2006 waren es bereits 3.124 Fälle. Trotzdem stehe die Polizei oft vor dem Problem, dass verängstigte Opfer zum Beispiel ihre Anzeige zurückziehen oder Angaben im Nachhinein abschwächen, fügte Stiedl hinzu.
Es gehe daher auch darum, „nicht erst zu reagieren, sondern zu agieren, um Frauen vermehrt zur Seite zu stehen“, so der Polizeipräsident. „Es gehört viel Mut dazu, sich von seinem Peiniger abzuwenden.“

Aber auch innerhalb der Exekutive sei ein solcher Fall „keine normale Amtshandlung“, ergänzte Mahrer. „Damit dringt man in den Intimbereich einer Familie ein. Da spielen sich ganz andere Mechanismen ab als zum Beispiel bei einer Wirtshausrauferei.“ Die richtige Ausbildung der Polizeibeamten sei daher „die wesentliche Voraussetzung, dass das Gewaltschutzgesetz nicht nur Papier, sondern Wirklichkeit ist“.

Mahrer unterstrich vor allem die gut funktionierende Vernetzung zwischen Polizei, Justiz und NGOs. Für die Zukunft müsse die Arbeit der Polizei laut dem Polizisten auch mehr in Richtung „Gefährdungsprognose“ gehen, um das Gewaltpotenzial in der Familie einschätzen zu können und den Schutz der Opfer noch wirksamer zu machen.

Lob für die Polizei

Lob für die Polizei kam vonseiten des AÖF. Geschäftsführerin Rösselhumer sprach sich für die gute Zusammenarbeit zwischen der Polizei und den Frauen-NGOs aus. Unter anderem seien die Polizeibeamten viel sensibler geworden, sagte sie. Kritik übte Rösselhumer an der Justiz, „die Frauen noch oft noch immer nicht mit dem richtigen Respekt behandeln“.

Betroffene würden oft belächelt, mit Vorwürfen konfrontiert oder von Richtern belehrt, erzählte sie aus der Praxis. Migrantinnen hätten es da „doppelt so schwer, weil ihnen noch weniger geglaubt wird“ und sie oft mit schlechten Dolmetschern ausgestattet wären.

Keine Privatsache!

Besonders vehement wurde bei der Pressekonferenz darauf hingewiesen, dass Gewalt in der Familie keine Privatsache sei. „Es handelt sich um ein gesellschaftliches Problem, dass sich quer durch alle Schichten zieht“, sagte SPÖ-Gemeinderätin Nicole Krotsch. Obwohl Wien sowohl in akuter Betreuung als auch in Beratung über das österreichweit dichteste Gewaltschutznetz verfüge, müsse hier noch viel mehr getan werden. So forderte Krotsch vom Bund unter anderem „eine Ausdehnung der einstweiligen Verfügung von drei auf sechs Monate, ein umfassendes Schutzprogramm für Opfer von Gewalt“ sowie „einen eigenständigen Aufenthaltstitel für Migrantinnen“.

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