Höher, breiter, weiter: Das neue Wiener Ronacher ist fertig

Pünktlich zur Premiere des Mel Brooks-Musicals "The Producers" hat das Ronacher-Theater seine Umbauarbeiten abgeschlossen. Das Gebäude wurde um moderne Elemente erweitert und lässt mehr Licht ins Innere. Bilder:

Mehr Licht: Die angeblich letzten Worte Goethes könnten auch als Motto über dem Umbau des Wiener Etablissements Ronacher stehen, der nun abgeschlossen ist. Zumindest trifft dies auf die oberen beiden Geschoße zu, die auf den Bau, der in der Grundsubstanz aus dem Jahr 1872 stammt, aufgesetzt wurden. Eröffnet wird das Haus, das nun durch den klaren Kontrast aus Historismuselementen und Sichtbeton charakterisiert wird, am 30. Juni mit “The Producers”.

Der architektonische Höhepunkt der “Funktionssanierung” findet sich im obersten Stockwerk und steht nur Mitarbeitern des Hauses offen: Die neue Kantine ist nach zwei Seiten hin vollverglast. Inklusive eines über dem Rondell des Haupteingangs schwebenden Glasspitzes, kann hier die Probenpause über den Dächern Wiens genossen werden.

Nebenan findet sich erstmals im Ronacher eine Probebühne, für die ursprünglich ein aufklappbares Dach vorgesehen war, um gewissermaßen Freilichttheater im Haus zu ermöglichen. Nun ist das Erscheinungsbild des Raumes wesentlich profaner, zumal die Idee dem Rotstift zum Opfer fiel. Dennoch sollen hier ab 2009 kleinere Aufführungen mit weniger als 100 Zuschauern stattfinden.

Während auf das alte Ronacher oben zwei Geschoße aufgesetzt wurden, “grub” sich der Bau auch tiefer in die Erde. Mittlerweile ruht er auf drei Untergeschoßen, wo sich unter anderem im tiefsten, 13 Meter unter Straßenniveau, ein Probenraum für die Musiker findet.

Allerdings ist auch im Bühnen- und Zuschauerbereich einiges verändert worden. Die Bühne wurde um zwei Meter abgesenkt, um die Sicht zu verbessern. Das gleiche Ziel verfolgte man mit der leichten Steigung im Parkett. Dabei kann der Boden hydraulisch um bis zu einen Meter gehoben werden, um mit dann flachem Parkett beispielsweise einen Ronacher-Ball oder Bestuhlung mit Tischen zu ermöglichen.

Der Schnürboden wurde um zwölf Meter erhöht, um Prospekte zur Gänze verschwinden zu lassen, und der Orchestergraben wurde verbreitert. “Der ist eigentlich recht üppig”, so der Technische Direktor Peter Bouchier am Freitag bei einer Führung. Hier hätten sich die Musiker durchgesetzt. Auch die Anlieferung der Kulissen wurde durch die Verlagerung des Bühneneingangs erleichtert.

Inklusive der Finanzierung standen für den Umbau zur zweiten Hauptbühne der Vereinigten Bühnen Wien neben dem Raimundtheater (inklusive Finanzierung über 15 Jahre) 46,8 Mio. Euro zur Verfügung – ein Budget, das man schwitzend, aber dennoch eingehalten habe, so Bouvier. Die notwendigen Mittel kommen dabei aus dem Finanz- und nicht dem Kulturressort der Stadt. Verantwortlich für den Umbau des Hauses zeichnet Gerhard Wallner, der mit der Architektur Consult ZT GmbH unter Federführung von Günther Domenig im Mai 2005 den Wettbewerb gewonnen hatte.

 Bilder vom neuen Ronacher: Ronacher öffnet wieder die Pforten

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