Herzprobleme: Elsner nicht beim BAWAG-Prozess

Am vierten Tag im zweiten BAWAG-Strafprozess haben zu Beginn alle Beteiligten und Beobachter vergeblich auf die "Prozess-Premiere" des angeklagten früheren BAWAG-Generaldirektors Helmut Elsner gewartet. Dieser hätte am Mittwoch zum ersten Mal am Prozess teilnehmen sollen, doch seine Anwälte entschuldigten ihn gleich zu Verhandlungsbeginn: Er sei wegen Herzrhythmusstörungen nicht verhandlungsfähig.
Elsner noch im Spital


Elsner liegt seit einer Woche im Spital. Richter Christian Böhm reagierte verärgert, das Gericht hätte darüber früher informiert werden sollen. Elsner wurde für Donnerstag erneut geladen. Ob er dann kommen wird war am Mittwochnachmittag noch unklar. Seine Ehefrau Ruth ging gegenüber der APA davon aus, dass er wegen der vom Kardiologen Kurt Huber attestierten Herzrhythmusstörungen weiter im Wilhelminenspital bleiben müsse.

Fortgesetzt wurden am Mittwoch die Befragungen der Beschuldigten mit den Ex-BAWAG-Vorständen Christian Büttner und Hubert Kreuch. Büttner schilderte, wie er als einziger von fünf Vorstandsmitgliedern im Oktober 1998 gegen die Vergabe weiterer Gelder an den Spekulanten Wolfgang Flöttl eingetreten sei. Er sei damals “vor einer Mauer gestanden”, alle anderen und auch Aufsichtsratspräsident Günter Weninger hätten das von Elsner vorgeschlagene Paket befürwortet. Trotz eines Totalverlusts von 639 Mio. US-Dollar BAWAG-Geldern erhielt Flöttl weitere 80 Mio. Dollar Betriebsmittelkredit (“Ophelia”) und 250 Mio. Dollar für ein Optionsgeschäft. Flöttl seinerseits übertrug der BAWAG Vermögenswerte.

Büttner war gegen dieses Vorgehen, weil damit einem erfolglosen Händler weiteres Geld gegeben wurde. Das von Elsner angeordnete Stillschweigen über die Verluste wahrte er allerdings sowohl gegenüber dem Minderheitseigentümer, die BayernLB, die ihn im Mai 1996 in den Vorstand entsandt hatte, als auch gegenüber dem übrigen Aufsichtsrat.

Elsner sei sehr autoritär gewesen, schilderte Büttner: Er habe ihm im Oktober 1998 in einem Vier-Augen-Gespräch mit einer Klage gedroht, sollte er die Lösung nicht mittragen und dadurch die Bank gefährden.

Der frühere BAWAG-Vorstand Hubert Kreuch schilderte seinerseits, warum er damals beim Bekanntwerden der hohen Flöttl-Verluste Elsners Vorschlag zugestimmt habe und warum Flöttl kurz nach dem Totalverlust weitere BAWAG-Millionen erhielt. Er habe Elsner vertraut, denn dieser habe versichert, dass der Bank kein Schaden entstehen werde, da man sich an Flöttls Vermögen schadlos halten werde.

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