Harte Kritik an „barrierefreiem“ Happel-Stadion

Das Ernst-Happel-Stadion wurde am vergangenen Montag von Sportstaatssekretär Reinhold Lopatka (V) zur „barrierefreien“ Arena erklärt. Behinderten-Vertreter orten jetzt schwere Mängel.

100 Plätze für Rollstuhlfahrer, gut zugängliche VIP-Bereiche und spezielle Toilette-Anlagen sollen auch behinderten Fußball-Fans einen ungetrübten Stadion-Besuch ermöglichen. Einige Tage später besuchten Mitglieder des Behinderten-Dachverbandes ÖAR die Örtlichkeit – und waren alles andere als begeistert.

„Der Staatssekretär brüstet sich mit Verbesserungen für behinderte Menschen im Wiener Ernst Happel Stadion. Wahr ist, dass nur kurzfristig – zur EM 2008 – etwas geschieht“, hagelte es am Donnerstag Kritik seitens der Österreichischen Arbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (ÖAR), der als Dachorganisation der Behindertenverbände Österreichs 76 Mitgliedsvereine mit insgesamt mehr als 400.000 Mitgliedern vertritt. Im Rahmen eines Lokalaugenscheins mit einem Kamerateam des ORF wurden nach wie vor schwere Mängel geortet.

Reservierte Rollstuhlparkplätze, auf denen Privatfahrzeuge von Polizisten parkten, wurden laut ÖAR vom Ordnerdienst mit folgenden Worten kommentiert: „Na klar weiß ich, dass das das Auto von einem Polizisten ist, glauben’s, ich steh’ umsonst da?“ Weiters hieß es in der Aussendung: „Sanitäranlagen, die seit den 80er Jahren unverändert sind, mit untauglichen Stützgriffen und zu hoch montierten Ausrüstungsgegenständen, fernab geltender Ö-Normen, wurden offensichtlich bei der Sanierung des Stadions vergessen. Die gleichen Rollstuhlstellplätze auf Spielfeldebene wie vor 20 Jahren, die den angeblich so bevorzugten Rollstuhlfahrern das Geschehen aus einer Dackel-Perspektive zumuten.“

Nach der Besichtigung fasste der Normenspezialist und Experte für barrierefreies Planen der ÖAR, Generalsekretär Eduard Riha, enttäuscht zusammen: „Hier wird für die ausländischen Medien ein potemkinsches Dorf errichtet, um Behindertenfreundlichkeit vorzutäuschen, die über Jahre treuen Fußballfans interessieren offenbar nicht. Dabei wäre es leicht gewesen, menschenwürdigere Zustände herzustellen – einige hundert Meter weiter, im Radstadion, hätte Lopatka sehen können, wie es guten Architekten gelingt, eine Tribüne mit guter Sicht zu errichten. Schon im alten Griechenland wusste man, dass nur die erhöhte Sitzposition Überblick gewährt.“

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