Haiti gedenkt der Erdbebenopfer vor fünf Jahren

Bis zu 316.000 Menschen starben bei dem Erdbeben
Bis zu 316.000 Menschen starben bei dem Erdbeben
Haitis Bevölkerung gedenkt seit Sonntag der Opfer des verheerenden Erdbebens vor fünf Jahren. Die Regierung rief für Montag zum nationalen Gedenken auf, doch schon am Vortag trauerten Tausende Menschen in Kirchen, Tempeln und zu Hause um die bis zu 316.000 Menschen, die dem Beben am 12. Jänner 2010 zum Opfer gefallen waren. UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte weitere Hilfen für das Land.


“Wir müssen uns an unsere Toten erinnern und über die Lektionen aus der Tragödie nachdenken”, sagte ein Priester am Sonntag während des Gottesdiensts in einer übervollen Kirche der Hauptstadt Port-au-Prince. Viele Einwohner kündigten an, am Montag lieber zu Hause zu bleiben und still für sich zu trauern. Im ganzen Land sollten die Flaggen auf halbmast wehen.

Bei dem Beben der Stärke 7 waren bis zu 316.000 Menschen ums Leben gekommen, 300.000 weitere wurden verletzt. 1,2 Millionen Haitianer wurden obdachlos, von ihnen leben nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) immer noch mehr als 79.000 in den 105 Auffanglagern der Halbinsel.

Ein großer Teil der nach dem Beben in Aussicht gestellten Hilfszahlungen in Höhe von rund neun Milliarden Dollar (7,62 Mrd. Euro) ist laut Regierung bei den Opfern nie angekommen. Bis heute gibt es demnach kaum größere Projekte für eine nachhaltige Infrastruktur.

UNO-Generalsekretär Ban forderte die internationale Gemeinschaft auf, in ihrer Unterstützung für Haiti nicht nachzulassen. Seit der Katastrophe seien viele Fortschritte erzielt worden, sagte Ban und lobte gleichzeitig die Ausdauer der Haitianer beim Wiederaufbau ihres Lands. Gleichwohl müsse die Hilfe weitergehen.

Erschwert wurde der Wiederaufbau auch durch die jahrelange politische Lähmung des armen Karibikstaats. Mit drei Jahren Verspätung sollte eigentlich Ende Oktober ein neues Parlament gewählt werden. Die Abstimmung wurde aber am Wahltag abgesagt, erst in letzter Minute einigte sich Präsident Michel Martelly am Sonntagabend mit der Opposition auf Neuwahlen bis Ende des Jahres – neben zwei Dritteln der Abgeordneten und Senatoren soll auch der Präsident neu gewählt werden.

Montag früh wäre das Mandat des Parlaments endgültig ausgelaufen. Demonstranten, die seit Wochen Martellys Rücktritt fordern, hatten dem Präsidenten vorgeworfen, danach per Dekret regieren zu wollen. Die nun getroffene Vereinbarung sieht neben Neuwahlen die Bildung einer Einheitsregierung vor, die die “Bedingungen” für freie und faire Wahlen schaffen soll. Außerdem soll ein neuer Wahlrat geschaffen werden, in dem Vertreter von Kirchen, Gewerkschaften und von anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen sitzen sollen, aber keine Vertreter der Regierung und politischer Parteien. Die EU begrüßte die Einigung.

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