Gesundheitsministerium ignorierte massive Datenlücke bei "Österreich testet"

Die Plattform "Österreich testet" wird hauptsächlich von Apotheken genutzt.
Die Plattform "Österreich testet" wird hauptsächlich von Apotheken genutzt. ©APA
In der Plattform "Österreich testet", die vor allem von Apotheken verwendet wird, soll massive Datenlücken aufgewiesen haben. Laut "epicenter.works" bot die Lücke Zugriff auf Identitätsdaten von hunderttausend Personen. Dem Programmierer, der die Datenlücke gefunden hatte, wurde nach seinem Fund der Vertrag gekündigt.

Bei der Plattform "Österreich testet", der Website des Gesundheitsministeriums zur Organisation von Covid-19 Tests, soll es eine massive Sicherheitslücke gegeben haben. Einer gemeinsamen Recherche von "ORF konkret" und der Datenschutz-NGO "epicenter.works" zufolge hat dadurch eine zugriffsberechtigte Apotheke nicht bloß auf die von ihr durchgeführten Tests Zugriff gehabt, sondern auf die gesamten Daten aller Tests der vergangenen sieben Tage.

Millionen Datensätze von "Österreich testet" abrufbar

Über diese Lücke sei es möglich gewesen, Name, Adresse, Sozialversicherungsnummer, Telefonnummer, E-Mail und Corona-Testergebnis von potenziell Hunderttausenden Personen in ganz Österreich abzurufen. Laut Thomas Lohninger Geschäftsführer von "epicenter.works" handelte es sich dabei um mehrere Millionen Datensätze.

Programmierer wurde ignoriert, Apotheke wurde ausgeschlossen

Entdeckt wurde die Sicherheitslücke von einem von besagter Apotheke beauftragten Webentwickler, der diese sogleich dokumentierte und sich mit der Bitte um dringende Reparatur an das Gesundheitsministerium und den ORF gewandt habe. Den Datenschützern zufolge ist der Programmierer zunächst ignoriert worden, erst als der ORF anfragte, habe es eine Reaktion gegeben. Und zwar sei die Apotheke von "oesterreich-testet.at" ausgeschlossen worden, woraufhin diese das Arbeitsverhältnis mit dem Webentwickler beendete.

Das Gesundheitsministerium habe zunächst abgestritten, dass es sich um eine Sicherheitslücke handelte und sprach von einer "widerrechtlichen Verwendung interner Dokumentationssysteme" einer einzelnen Apotheke, so "epicenter.works". Gleichlautend argumentierte das Ministerium am Donnerstag in einer Stellungnahme gegenüber der APA. Die Apotheken seien im Rahmen der Testungen "alleinige Datenschutzverantwortliche", eine Zuständigkeit des Gesundheitsministeriums sei nicht gegeben. Zudem merkte das Ministerium an, dass Apotheken wie niedergelassene Ärzte "einer gesetzlichen Sorgfaltspflicht sowie einem Berufsgeheimnis unterliegen".

Kritik an Vorgangsweise des Gesundheitsministeriums

Lohninger kritisierte die Vorgehensweise scharf. Statt dem Entdecker der Sicherheitslücke dankbar zu sein, habe das Gesundheitsministerium dafür gesorgt, dass er seinen Job verliert. Dabei habe sich der Webentwickler "absolut richtig" verhalten. Er habe die Sicherheitslücke dokumentiert und den Verantwortlichen Bescheid gegeben, obwohl das Wissen um diese viel Geld hätte wert sein können. Neben dem Ausnutzen der Lücke für Identitätsdiebstahl, Datenhandel oder Erpressung hätte auch das Wissen um die Sicherheitslücke selbst verkauft werden können.

Buchungssystem kostet 187.000 Euro pro Monat

Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) sollte sich bei dem Programmierer entschuldigen und "schleunigst" die IT-Kompetenz in seinem Haus steigern, verlangte Lohninger. Die Website wird von World Direct, einer 100-prozentigen Tochter von A1, betrieben. Die Erstellung dieses Buchungssystems für Covid-19 Tests kostete eine halbe Million Euro und ihren Betrieb lässt sich das Gesundheitsministerium stolze 187.000 Euro pro Monat kosten, wie aus einer parlamentarischen Anfragebeantwortung von Ex-Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) an die NEOS vor rund einem Jahr hervorgeht. Angesichts dieses lukrativen Staatsauftrags, erscheint es nicht nachvollziehbar, wieso das System von A1 keiner Sicherheitsüberprüfung (Penetrationstest) unterzogen wurde, so Lohninger.

(APA/red)

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