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Gesundheitsministerium: „Komatrinken“ als Volkssport

Das „Komatrinken“ unter Jugendlichen wird in Österreich langsam zu einem Volkssport. Jeder vierte männliche Jugendliche ist ein „Kampftrinker“ - Die Mädchen holen auf

Bereits 27 Prozent der männlichen Jugendlichen und zehn Prozent der weiblichen Jugendlichen bejahten in einer Umfrage des Gesundheitsministeriums den Satz „Trinkst du manchmal innerhalb kürzester Zeit absichtlich so viel, dass du fast umfällst?“ Und die Tendenz ist laut Fachleuten steigend.

„Es wird jünger und extremer. Das ist ein Trend und man muss als Jugendlicher offenbar dabei sein“, sagte Dr. Michael Zupancic von der Wiener Rettung. In den heimischen Spitälern richtet man sich bereits nach dem Partykalender. Ein-Euro-Partys in bekannten Lokalen bedeuten mitunter Großeinsatz in der Notaufnahme. „Ein bis acht Jugendliche bekommen wir pro Wochenende herein“, erklärte Univ.-Prof. Dr. Zsolt Szepfalusi von der Kinderabteilung des Wiener AKH. Werte über drei Promille wären dabei längst keine Seltenheit mehr. „Zu uns kommen ja nur mehr die Bewusstlosen. Sehr oft gleich aus dem selben Lokal. Wer noch stehen kann, kommt eben nicht ins Krankenhaus.“ Vor einiger Zeit wurde deshalb eine eigene Station für die Nachtüberwachung eröffnet, damit die „Komatrinker“ nicht in der normalen Abteilung der Universitäts-Kinderklinik sind.

Einen Unterschied zwischen städtischer und ländlicher Bevölkerung sehen Experten nicht. Als Ursachen für den kollektiven Rausch gelten das frühere Erwachsensein, die Angleichung der Geschlechterrollen und die steigende soziale Vereinsamung. Außerdem seien die Eltern meist erstes „Vorbild“ in Bezug auf Alkohol. Schließlich haben laut Studien schon 40 Prozent der Zehnjährigen zumindest einmal in ihrem Leben Alkohol probiert. Was mit dem harmlosen Sekt zu Silvester beginnt, führt über das Kampftrinken unter jungen Leuten schließlich zum Alkoholismus.

„Vorglühen“ heißt für junge Leute heutzutage das Zauberwort. Daheim oder auf der Straße wird dabei bereits für den Abend „vorgetrunken“. Alko-Pops oder Wodka werden schon vor dem Lokalbesuch konsumiert, in der Disco schließlich reicht dann das eine oder andere Glas Bier, um dem Körper den Rest zu geben. Da der Rauschzustand bei Kindern und Jugendlichen meist nur ein schmaler Grat ist, wird die Grenze zum Vollrausch rasch überschritten.

Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky hat angekündigt, gegen das Trinken von Alkohol bis zur Besinnungslosigkeit bei Jugendlichen vorzugehen. Sie will die Alkohol-Abgabe an Jugendliche in Lokalen und im Handel stärker überprüfen. Bei Verstößen gegen das Jugendschutzgesetz wolle sie sehr hart durchgreifen, erklärte sie am Wochenende. Nichtalkoholische Getränke in Lokalen müssten deutlich billiger werden als alkoholische.

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