Geliebte ermordet: Finale im Mordprozess in Wiener Neustadt

Schauplatz des Streits war ein Wiener Neustädter Eissalon.
Schauplatz des Streits war ein Wiener Neustädter Eissalon. ©APA
"Wenn ich damals irgendetwas gedacht hätte, dann hätte ich das nicht getan." Das sagte jener 51-Jährige, der am Donnerstag wegen Mordes an seiner um vier Jahre jüngeren Geliebten im Landesgericht Wiener Neustadt vor Gericht stand.
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Brutale Messer-Attacke

Er hatte die Frau laut Anklage im Streit im August 2011 geschlagen, gewürgt, der Bewusstlosen einen Plastiksack über den Kopf gestülpt und ihr dann auch noch ein Messer in die Brust gerammt. Nach den Vorträgen von DNA- und Gerichtsgutachtern wurde das Urteil für den späteren Nachmittag erwartet.

Der Angeklagte legte zwar – so wie bereits am ersten Verhandlungstag im Juli – ein Tatsachengeständnis ab, wollte aber nicht in Tötungsabsicht gehandelt haben: “Das war nie mein Plan, nie mein Vorsatz”. Sie war das Wichtigste in meinem Leben”, sagte er über die 47-Jährige.

Er hatte die Frau im Zuge einer Betriebsprüfung des Eissalons kennengelernt, den diese gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten in Wiener Neustadt führte. Am Tag der Tat war man zunächst zu dritt beisammen gesessen. Dann blieben der Angeklagte und sein späteres Opfer mit einer Flasche Prosecco alleine sitzen. Irgendwann begann ein Streit, wie schon sooft in der Beziehung der beiden. Es war eine “Switch-on-switch-off”-Beziehung, wie es Richterin Ingeborg Kristen nannte.Eine Erklärung, warum er die Frau gleich mehrmals attackierte, konnte der 51-Jährige trotz mehrmaligen Nachfragens der Richterin nicht abgeben. “Sie haben der Frau auf den Kopf geschlagen. Sie haben sie gewürgt. Als sie bewusstlos am Boden lag, haben Sie einen Plastiksack über den blutüberströmten Kopf der Frau gestülpt, am Hals verknotet, und dann auch noch ein Messer in ihre Brust gestoßen, so dass es verbogen war”, hielt ihm die Richterin vor.

Opfer starb drei Wochen nach Mordversuch

Die DNA-Spezialistin Christa Nussbaumer hatte das Tatmesser, den Plastiksack und einen Wischmopp, mit dem der Angeklagte die Blutspuren wegwischen hatte wollen, untersucht. Nur auf dem Messergriff fand sie neben den Spuren des Opfers auch solche des Angeklagten. Auf dem Müllsack und dem Moppgriff jedoch konnte die Gutachterin kein ausreichendes DNA-Material ausmachen, das man eindeutig einer bestimmten Person zuordnen hätte können. “Vielleicht deshalb, weil der Täter Handschuhe trug?”, fragte die Richterin. “Möglich”, antwortete die DNA-Expertin.

Gerichtsmediziner Wolfgang Denk hatte bei der Untersuchung der Leiche der Frau, die knapp drei Wochen nach der Tat im Krankenhaus gestorben war, Kehlkopfbrüche und Stauungsblutungen im Kopfbereich festgestellt. Das führte der Mediziner auf ein Würgen zurück, “das mehrere Minuten gedauert haben muss.”

Verteidiger Michael Dohr plädierte auf Totschlag. Der Angeklagte habe im Affekt gehandelt, nachdem ihm die Frau verbal Etliches an den Kopf geworfen habe.

(APA)

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