Frühstück was gscheit´s!

So bekommt der „Alltag“ eine ganz andere Qualität, erkannte Max von Merlot an 12 Plätzen.

Wobei der Begriff “Frühstück” sehr dehnbar ist: Mancherorts kann man bis in die Abendstunden Kipferl und Ei bestellen. Dabei ist oft nicht das Essen das Ziel, sondern Sitzen und Plaudern. Oder die Zeitungslektüre, oder die langsame Vorbereitung auf eine neue heiße Nacht. Brunchen außerhalb der eigenen vier Wände ist beliebt wie eh und je. Ganze Freundeskreise verabreden sich zum Frühstück, unverfängliche Treffs lassen sich am besten auf den Vormittag legen, und die Kinder dürfen selbstredend auch ans Frühstücksbuffet

Zwölf „frisch mundende” Gründe, die Mahlzeit des Tages auswärts zu genießen und dabei mindestens 20 mal „schönen guten Morgen” zu winken:

Bluebox – frühstücken bis es finster wird
Schon mitbekommen? Die Bluebox, Relikt aus den Achtzigerjahren, trägt jetzt den Untertitel “moving deli”. Trotzdem scheint man hier irgendwie so weiterzumachen, als wäre die letzten zwanzig Jahre nichts passiert, auch was das Frühstück betrifft. Okay, in der Bluebox frühstücken bis zum späten Abend, das ist legendär. Man bietet immer noch verschiedene Sets an, verzichtet aber zum Glück auf Ironie, und 4,80 Euro für die kleine Variante sind okay. Aber bei Tageslicht betrachtet war das Lokal in der Richtergasse immer schon ein bisschen gespenstisch.
Fazit: Frühstück für Alt-1980er.

Bluebox, 7., Richtergasse 8, Frühstück Di-Fr 10-15, Sa, So 10-16 Uhr.

Breakfast Club – mit  gesundem „Sunny Side Up”
Ein Lokal, das nur Frühstück auf der Karte hat! Und dann sieht das Beisl auch noch wie eine dieser typisch berlinerischen Brunchhütten aus, die dem Titelhelden von Sven Regeners Roman so auf die Nerven gehen. Von der Größe der Portionen her gehen die Breakfast – Club – Gerichte ja fast als Mittagessen durch. Zum Beispiel die Variation “Capetown meets Vienna” (Baked Beans auf Toast, zwei Spiegeleier, Paradeiser, Gurken, Zwiebel, Avocadoscheiben und ein Glas O-Saft) um moderate 5,50 Euro oder die Version “Sunny Side Up” (Zwei Spiegeleier, gebratene Zucchini, Zwiebelringe, Gebäck mit Butter, Rohschinken, Bergkäse und ein Glas Holundersaft) um 6,50 Euro. Am Wochenende gibt’s außerdem Lachs und selbst gemachten Kuchen.
Fazit: Riesenportionen, moderate Preise.

Breakfast Club, 4., Schleifmühlgasse 12-14, Mo-Fr 8-14, Sa, So 6-15 Uhr, www.thebreakfastclub.at

Café Berg –  mit echten Pariser
Im Café Berg bruncht Wiens Queer Community (nein, nicht ausschließlich!), ein Klassiker, um Eroberungen vorzuführen und gleichzeitig was Feines zu frühstücken. Stutzig machte uns dann nur das “Pariser Frühstück” – mit Häferlkaffee, Croissant, Baguette und einem “echten Pariser”. Serviert wird aber kein Franzose, sondern, ha ha, wie lustig!, ein Kondom. Zum “Wiener Frühstück” gibt’s dafür ein weiches Ei, Kostenpunkt: 5,80 Euro. Toller Schanigarten.
Fazit: Frühstückspalast der Queer Community.

Café Berg, 9., Berggasse 8, Frühstück tägl. 10-16 Uhr.

Café der Provinz – Rauchfrei den ganzen Tag
Im kleinen Josefstädter Beisl mit angeschlossenem Buch- und Möbelverkaufsraum dreht sich alles um französische Eierkuchen (Galettes beziehungsweise Crêpes) ohne Milch und Weizen, dafür mit frisch gemahlenem Buchweizen und Dinkel aus biologischer Landwirtschaft. Die gibt’s in den unterschiedlichsten Varianten, zum Beispiel “Förster” (Speck, Zwiebel, Käse, Ei) um 6,90 Euro, “Popeye” (Spinat, Käse, Ei) um 6,60 Euro oder aux Glaces (mit Eis vom Tuchlauben-Eissalon, Obst, Kokosflocken, Rosinen und Schoko) um 5,30 Euro. Am Wochenende bitten die Provinzler von 10 bis 15 Uhr zum Brunchbuffet (11,50 Euro). Das Lokal ist allerdings kein Ort für Leute, die den Morgenkaffee nicht ohne Tschick runterkriegen: Es herrscht Rauchverbot.
Fazit: gemütliches Slow-Food-Beisl mit riesiger Eierkuchen-Auswahl.

Café der Provinz, 8., Maria-Treu-Gasse 3, Tel. 944 22 72, Mo-Sa 8-23, So 10-15 Uhr.

Café Sperl – der Kaiser hat heut keine Zeit, aber…
Im Kaffeehaus frühstücken ist der Klassiker schlechthin. Mal davon abgesehen, dass die meisten Wiener Kaffeehäuser ein “Wiener Frühstück” mit Semmeln, Butter, Marmelade und Melange ganz ordentlich hinbekommen, gibt es ein paar Kaffeesieder, denen das noch eine Spur spannender gelingt. Zum Frühstück fährt das Sperl zum Beispiel das ganze Programm auf, vom wachsweichen Ei bis zu Ham and Eggs. Theoretisch den ganzen Tag. Dazu gibt’s natürlich sämtliche Zeitungen druckfrisch und im Sommer einen prima Schanigarten. So gehört sich das.
Fazit: klassisch frühstücken im Kaffeehaus.

Café Sperl, 6., Gumpendorfer Straße 11, Mo-Sa 7-23, So 11-20 Uhr.

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Kaffeeküche – gogo in Qualität, herrlich
Hat jemand gesagt, dass Frühstücken immer gemütlich sein muss? Mehr im Vorbeigehen, aber trotzdem gut frühstücken kann man im neuen Coffeeshop Kaffeeküche unten im Jonasreindl. Der Kaffee ist großartig, die gefüllten Brioches sind erstens eine Erfindung des Chefs und zweitens wunderbar. Es gibt auch ein paar Sitzplätze.
Fazit: Frühstück à gogo, aber nicht am Wochenende.

Kaffeeküche, 1., Schottentor-Passage 8, Mo-Fr 7-20 Uhr.

Kunsthallencafé/Halle – Soho mit Bagel trifft Guglhupf
Ja, eh klar, die Lokale Halle (in der Kunsthalle) und das Kunsthallencafé (am Karlsplatz) sind zwei eigenständige Gastronomiebetriebe. Aber der Betreiber ist derselbe, und das trifft auch für Qualität und Service (nicht nur) beim Frühstück zu. Das Hallen-Frühstück ist innerhalb von wenigen Jahren zum Wien-Klassiker geworden. Man gibt sich wahnsinnig Mühe, punktet mit tollen Terrassen und ausgefallenen Ideen. Wie wäre es mit der mexikanischen Variante mit Tortilla, schwarzen Bohnen, gebratenem Speck, Guacamole und Pico de Gallo? Oder der New Yorker Variation “Soho” mit Bagel und Creamcheese, Frühstückswürstchen und Baked Beans? Vertrauter sind da schon Vorschläge wie das “Wiener Festwochen Frühstück” – mit Guglhupf, Ei im Glas und Staud’s-Marmelade. Nicht ganz billig, aber dafür ganz super.
Fazit: superstes Frühstück der Stadt.

Halle, 7., MQ, Frühstück tägl. 10-16 Uhr;
Kunsthallencafé, 4., Treitlstraße 2, Frühstück tägl. 10-16 Uhr.

Haas & Haas – ohne Tee geht’s nicht
Bei Haas & Haas, dem schleiflackigen Teesalon am Stephansplatz mit schönem Innenhofgarten, hat man vor einiger Zeit das Frühstück sozusagen neu erfunden. Zu horrenden Preisen, aber dafür ganz originell, bietet man hier teilweise sehr absurde Variationen (japanisches Frühstück mit Misosuppe, chinesisches mit Knödeln) vom spartanischen Fitnessteller bis zur amerikanischen Deftigkeit. In letzter Zeit herrschte ein bisschen ein Serviceproblem, sehr hungrig sollten Frühstücker also nicht herkommen. Aber die Ladies, die hier Stammgäste sind, lassen sich eh nichts anmerken. Und sie kennen die Mehrzahl von Prosecco beim Bestellen.
Fazit: So frühstücken also Ladies und feine Damen.

Haas & Haas, 1., Stephansplatz 4, Frühstück Mo-Sa 8-11.30

Le Bol – Café au Lait, in der Schale versteht sich
Frühstücken wie Gott in Frankreich kann man im Le Bol, wir empfehlen an dieser Stelle einfach ein Café au Lait (in der Schale!) und ein Croissant zu bestellen. Das geht schnell und ist typischer als die anderen Vorschläge auf der Karte – wer will schon Zwiebelsuppe am Vormittag? Obwohl Pain au Chocolat ja nicht schlecht klingt. Wenn dann im Lokal auch noch ein französischer Radiosender läuft, kommt man sich plötzlich gar nicht mehr wie mitten in Wien vor. Très chic!
Fazit: Petit déjeuner wie in Frankreich.

Le Bol, 1., Neuer Markt 14, Frühstück ganztägig, Mo-Sa 8-22, So 10-22 Uhr.

Madiani – ja, Haferbrei und Joghurt können es auch
Die georgische Version bekommen nur die Mutigsten. Gäste, die das in Milch pochierte Ei mit Frischkäse und Minze bestellen wollen, macht man im Madiani gern darauf aufmerksam, dass das eine eher heftige Angelegenheit sei und man sich das gut überlegen soll. In Nana Ansaris charmantem Marktlokal gibt’s aber auch das klassische Wiener Frühstück mit Semmerln, Butter und Honig (2,50 Euro) oder so wertvolle erste Mahlzeiten wie Dinkelgries, Haferbrei oder Joghurt mit Früchten. Samstags ist der kleine Schanigarten mitten im Marktgeschehen ziemlich voll. Und hat man erst einmal einen Platz ergattert, kann es mitunter ein Weilchen dauern, bis man sein Frühstück auf dem Tisch stehen hat. Sicherheitshalber also schon zu Hause einen Kaffee trinken und was Kleines essen.
Fazit: Das charmanteste Marktbeisl der Stadt bietet leckeres, gesundes Frühstück, die georgische Variante ist nur was für Hartgesottene.

Madiani, 2., Karmelitermarkt, Stand 21-24. Tel. 0664/456 12 17, Mo-Fr 8.30 bis 22, Sa 8.30 bis 15 Uhr.

Meinl am Graben – Guten Morgen „de Luxe”
Warum nicht mal die Luxusversion ausprobieren? Bis 11 Uhr kann man beim Meinl am Graben die wichtigste Mahlzeit des Tages einnehmen, das Standardfrühstück (Kaffee oder Tee, zweimal Gebäck, Butter, Marmelade oder Honig) kommt hier auf acht Euro, das Fitnessfrühstück (Tee, Müsli, Vollkornbrot mit Frischkäse, gemischter Früchteteller, Birnensaft) auf 17 Euro und das Champagnerfrühstück (Standardfrühstück plus ein Glas Champagner und gebratene Gänseleber auf Brioche oder Lachs mit Honig-Dill-Senfsauce und Toast) auf stolze 27 Euro. Daneben gibt’s auch Deftiges wie Sacherwürstel mit Senf, Münchner Weißwurst oder eine Bouillon mit Ei. Bei Schönwetter hat man gute Chancen, ohne Reservierung einen Platz im Gourmettempel zu bekommen, besser ist es aber, vorher anzurufen. Sonntagsbrunch fällt hier aus, da hat der Meinl nämlich zu.
Fazit: Gesund bis deftig, ohne dicke Brieftasche geht aber gar nichts.

Meinl am Graben, 1., Graben 19, Tel. 532 33 34-6000, Mo-Mi 8.30-24, Do, Fr 8-24, Sa 9-24, Frühstück bis 11 Uhr.

Rote Bar im Volkstheater – Kipferlduft nur Sonntags
Seit einiger Zeit gibt’s sonntags in der Roten Bar im Volkstheater auch Frühstück. Oder besser: Brunch zum Pauschalpreis von 18 Euro pro Person. Das Gute ist: Man muss sich nicht unbedingt die Matineeveranstaltungen mit dem Theaterdirektor zu Kipferl und Co geben (die finden im Weißen Salon statt). Schade ist: Bei Schönwetter im Aufenthaltsraum sitzen ist auch fad, und bis 14 Uhr muss man aufgegessen haben. Immerhin gibt’s dezente Musik und Zeitungen. Reservieren empfohlen.
Fazit: Frühstück mit Kunstmäntelchen

Rote Bar im Volkstheater, 7., Neustiftgasse 1 (Eingang Burggasse), Brunch So 9-14 Uhr, Tischreservierung: Tel. 0699/15 01 50 13.

Autor & Bilder: max von merlot


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