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Drachen steigen lassen: Divinity 2

Weck den Drachen in Dir: Divinity 2 - Ego Draconis.
Weck den Drachen in Dir: Divinity 2 - Ego Draconis. ©Waibel
Manchmal kommt´s ganz anders, als man denkt. Doch zu dieser Erkenntnis gelangen Spieler von Divinity 2 wohl erst nach 30 bis 40 Stunden spannender Unterhaltung. Fest steht für mich: Divinity 2 Ego Draconis ist eines der besten Spiele des Jahres.  

Egal was manche Unken in Ihren Tümpeln quaken: Für mich ist Divinity 2 vom kleinen aber feinen belgischen Entwicklerstudio von Larian einer der Highlights des Jahres 2009 und für meinen Geschmack eines der besten und fesselndsten Offline-Rollenspiele der letzten Jahre. Denn keines hat es seit langem geschafft, mich derart zu packen, zu fesseln, zu berühren. Unter immer mehr Gamern ist der Titel um Drachen, Drachentöter, Drachenritter und ganz unklischeehafte Handlungsverläufe der Geheimtip Nummer eins derzeit.

Am Beginn eines jeden guten Rollenspiels steht die Charaktergestaltung. Nach einem hübschen Renderfilmchen in Spielgrafik landet der Spieler in einem Bildschirm, in dem lediglich Geschlecht, Namen, Aussehen und – was aber leider nur sehr selten zu hören ist, die Stimme des Kämpen oder der Kämpin festgelegt. Danach steht das frischgebackene Drachentöter-Alter Ego in Ausbildung in einem lauschigen kleinen Dörflein in Rivellon und stolpert die ersten tapsigen Schritte in die von Larian so liebevoll inszenierte mittelalterlich anmutende Spielwelt. Wenn sich dieser lauschige Eindruck auch mit der Zeit ändert: Da wurde so einiges aus der betagten Gamebryo-Engine gekitzelt, die auch bei Oblivion zum Einsatz kam. Man könnte über Kleinigkeiten meckern, ruckeln Animationen doch unfertig vor sich hin, und so manche Textur in weiterer Ferne zermatscht recht rasch in bestenfalls zweckmäßige Standards. Doch der Gesamteindruck stimmt, die Welt kommt überzeugend rüber. Dafür sorgen auch die aufgeweckten NPC´s, die allesamt ein paar Zeilen auf den Lippen haben, oder sogar für die weitere Karriere in Rivellon wertvolle Tips und Aufgaben. So spielt sich der erste Abschnitt wie eine Art Tutorial, in dem es einiges zu entdecken gilt und die Klasse mittels einiger Testläufe gewählt werden kann. So wählt man zwischen Krieger, Magier und Scout, zumindest als Grundansatz. Denn mit Stufenaufstiegen gilt es, in einem frei begehbaren Fertigkeitenfenster Skills zu verteilen, noch nie konnte man in einem Rollenspiel seinen Char so frei gestalten wie in Divinity 2. Ein nahkämpfender Magier mit fettem Zweihänder, der sich getarnt an seine Feinde heranschleicht? Ein Damagemonster in Person eines Scouts mit Magieschwerpunkt und Kreaturenbeherrschung? Ich hörte schon von hundertprozentigen Magiern, die sich mittels Tarnung versteckt in eine Gegnergruppe schleichen, um dann plötzlich mörderische Area-Damageeffekte zu zünden und die Gegner gleich hundertschaftenweise ins Jenseits zu schicken.

Wie auch immer man will, kann man sich in diesem Talentbaukasten austoben, wer aber meint, eine eierlegende Wollmilchsau, eine Art virtuellen Tausendsassa kreieren zu können, wird öfter den „Ihr seid gestorben, Spielstand laden?“ Bildschirm zu Gesicht bekommen, als es Hühner und Enten im Trümmertal gibt. Und deren gibt es viele.

Damit wären wir schon bei einem Reizthema von Divinity 2: Dem Balancing. Denn selbst erfahrene Rollenspieler schauen zuweilen dumm aus der Wäsche, wenn sie die ersten Schritte ins Trümmertal wagen und von ein paar lächerlich aussehenden Goblins aus den Puschen gehauen werden, ohne dass sie wissen, wie ihnen geschieht. Doch der schwankende Schwierigkeitsgrad gehört für mich zu einer der Stärken von Divinity 2. Da können übelst aussehende Trolle durchaus einmal ein Kanonenfutter für Magier sein, ein Rudel Skelette mit Bogen und Magie aber auch den stärksten Krieger in Sekunden aus den Latschen hauen, man weiß nie, was einen erwartet, wenn man einen Dungeon betritt oder eine der Flugmissionen als Drache absolviert. Und von beidem gibt es viel in Rivellon.

Durch zahllose teils mit viel schrägem Humor gespickte Nebenmissionen, moralische Grundsatzentscheidungen und so manche spannenden Begegnungen gewürzte, filmreif erzählte Haupthandlung gelangt der Spieler recht rasch an den Punkt, wo er vom Jäger zum Gejagten mutiert, vom Drachentöter zum Drachenritter wird, der sich auf Knopfdruck in eine geschuppte Flugechse verwandeln kann. Da wandelt sich der Spielcharakter in einen Drachen, wenngleich auch rollenspieltypisch, geht es hier eher zu wie einem Action-Flugsim-Game. Aus dem behäbigen Rollenspiel wird recht rasch ein hektisches Hakenschlagen, oder rasante Sturzflüge, um Feinden oder Geschossen zu entkommen.

Divinity 2 hat meiner Meinung nach viele große Stärken. Beim erwähnten Schwierigkeitsgrad – besonders bei einigen Jump-and-Run Einlagen könnte man die Tastatur oft aus Frust an die Wand pfeffern – vermischt sich Frust und Lust auf eine geradezu perfide anfixende Art. Ich bin nicht der Powergamer und auch kein äusserst geduldiger Spieler. Doch oft rennt man x-mal gegen dieselbe Gegnergruppe mit Schema F an, bekommt immer wieder auf die Mütze, bis man schließlich die grauen Zellen einschaltet – und dann wird der stärkste Troll zum schwerfälligen Elefant, den man Runde um Runde um einen dicken Eichenbaum herum hetzt, um ihn langsam aber sicher zu Fall zu bringen. Kaum ein Rollenspiel bietet nicht nur in den hervorragend vertonten Dialogen so viele Möglichkeiten, auch in der Wahl der Mittel der Erfüllung der Aufgaben stehen dem Spieler unglaublich viele Varianten offen, man muss einfach nur kreativ sein und sich von Rollenspiel-Standards verabschieden. Doch das sollte man sich im Verlauf der fesselnden Geschichte ohnehin auch.

Mit dem Gedankenlesen eröffnet Divinity 2 noch ungeahnte Finessen, denn bei entsprechender Skillung kann in den grauen Windungen aller NPC´s in Rivellon, mit denen man intensiver in Dialog treten kann, gegraben werden. Dunkle Geheimnisse voller verruchter Gedanken, versteckter Schätze und Kennwörter, aber auch neue Quests lassen sich in den Gehirnen der NPCs finden. Der Einsatz für das „Hacken“ in die Hirne der Bürger sind oft ein Batzen Erfahrungspunkte, es will also wohlüberlegt sein, ob man in den grauen Zellen eines NPC graben möchte oder nicht.

Die weiteren Features im Überblick: Etwa ab der Spielmitte erobert man einen Turm, der fortan als Behausung des Alter Egos dient, mit Händlern, Alchemist, Bezauberer der Waffen verbessert und einem Nekromanten, der dem Drachenritter aus den Resten erlegter Feinde einen Untoten zusammenzimmert. Diese Kreatur ist sehr mächtig und in Kooperation mit einem zusätzlich beschworenen Geist, Dämon oder Untoten marschiert man in so manche brenzlige Situation recht überlegen mit dieser Privatarmee ein, um den Bösen das Fürchten zu lehren. Wobei die Grenzen zwischen Gut und Böse in Rivellon und in der Geschichte des Drachentöters, der zum Drachenritter mutiert, fließend verschwimmen. So wartet denn auch kein hollywoodreifes Ende auf den Drachenritter, bei dem er wie der Held in den guten alten Widl-West Filmen siegreich in den Sonnenuntergang reitet. Doch das erwartet den Spieler ohnehin erst nach einer spannenden Reise durch Rivellon, im Zuge dessen sich Frust und Lust mehr als einmal vermischen, man stets berührt zurückbleibt, die Geschehnisse auch lange nach dem Gamen nachhallen. Zudem berührt das Lootsystem auf eine packende Weise standesgemäß die Sammelleidenschaft des Menschen, die Möglichkeiten der Verbesserung auch der Ausrüstung ist durch Bezauberungen und Veredelungen schier unbegrenzt. Die Drachenmissionen, deren Zahl gegen Ende hin stark zunimmt, sind spannend und bringen Abwechslung in den Monster-Schnetzel-Alltag.

Fazit:

Divinity 2 lässt mich nicht mehr los. Für mich ist es, aller kleinerer Fehler zum Trotz nicht nur der Überraschungstitel des Jahres und mehr als nur ein Sommerloch-Stopfer. Für die Larian Studios war es das Mammutprojekt schlechthin, es wurde davon gesprochen, dass der Verkaufserfolg maßgeblich auf das Bestehen des Studios in der jetzigen form Auswirkungen hätte. So hörte man auch sehr wenig von diesem Titel – insbesondere wenn man als Gegensatz dazu die Marketingmaschinerie um den Flop des dritten Teils von Gothic 3 ansieht. Für jeden, der es gespielt hat, ist Divinity 2 ein grandioses Spiel. Schon die Tatsache, dass Larian das Spiel laufend mit Patches pflegt, zeigt alternativ dazu, wie viel Herzblut dieses kleine Studio mit Publisher dtp im Rücken in dieses Kleinod der Gamegeschichte investieren. Ich gebe normalerweise keine Wertungen ab, aber in diesem Fall ist Divinity 2 für mich auf jeden Fall ein guter 90er-Titel.

Absolute Kaufempfehlung für Rollenspielfans!

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