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Flüchtlingsdrama - Psychologe: Unvergleichbarer Einsatz

"So etwas passiert einem Polizisten, wenn er Pech hat, einmal im Leben" - Nicht trainierbar.
"So etwas passiert einem Polizisten, wenn er Pech hat, einmal im Leben" - Nicht trainierbar. ©APA
Die Polizisten, die am Donnerstag bei dem Kühl-Lkw auf der A4 mit mehr als 70 toten Flüchtlingen arbeiteten, hatten einen mit nichts anderem zu vergleichenden Einsatz zu absolvieren. Das sagte Claus Polndorfer, Leiter des psychologischen Dienstes im Innenministerium, am Freitag zur APA. Nicht zuletzt deshalb war die psychologische Begleitung der Beamten unerlässlich.

“Es war eine hochdramatische Situation”, konstatierte Polndorfer. Deshalb sei es besonders wichtig gewesen, die im Einsatz befindlichen Beamten psychologisch zu begleiten. Dies sei einerseits durch den sogenannten Peer Support geschehen, bei dem in mehrwöchigen Kursen psychologisch geschulte Polizisten ihren Kollegen zur Verfügung stehen. Auch Polizeipsychologen waren im Einsatz.

Reaktionen oft erst ein paar Tage später

Das geschulte Personal sollte einerseits den im Einsatz stehenden Beamten als Ansprechpartner zur Verfügung stehen, aber auch Kontakt zu deren Führungskräften halten. Dabei sollte auch gesichert werden, dass die Polizisten Pausen bekommen, wenn sie diese benötigten. “Da wurde eine Rückzugslinie geschaffen”, erläuterte der Experte. Das ist ein Ort, an dem der Betreffende etwas essen und trinken kann und, wenn er es wünscht, auch mit psychologisch geschulten Personen sprechen kann.

Besonders wichtig sei es aber auch, dass man nach dem Einsatz Betreuung anbiete, “wenn man nach Hause geht und das berufliche Schutzschild hinter sich lässt”, sagte Polndorfer. “Man weiß auch, dass manche Reaktionen erst ein paar Tage später auftreten.” Daher bieten die Psychologen den Polizisten Gruppen- und Einzelgespräche an.

Austausch der Polizisten untereinander wichtig

Man fördere deshalb auch den Austausch der Polizisten untereinander. “Jeder hat seine eigene Wahrnehmung bei einem Einsatz”, so Polndorfer. In dem Gespräch mit den anderen Beteiligten kann diese individuelle Wahrnehmung objektiviert werden, dadurch gewinnt der Einzelne auch etwas mehr Distanz zum Geschehenen. “Wer es will, kann dann auch ein Einzelgespräch wahrnehmen.”

Der Psychologe betonte, dass ein Einsatz wie der auf der A4 eine absolute Ausnahmesituation sei. “So etwas passiert einem Polizisten, wenn er Pech hat, einmal im Leben. Solche Situationen sind nicht trainierbar.” Nicht zuletzt deshalb sei es wichtig zu wissen, dass ein Backup da ist. Und es sei im Polizeidienst keine Schande mehr zu sagen, man benötige jemanden um Reden und eine Pause.

(APA)

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