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Foto von toten Flüchtlingen wird Fall für Staatsanwaltschaft

Das in der "Krone" veröffentlichte Foto gab den Blick ins Innere des Lkw frei.
Das in der "Krone" veröffentlichte Foto gab den Blick ins Innere des Lkw frei. ©APA
Nachdem die "Kronen Zeitung" in ihrer Ausgabe am Freitag ein Foto, das die toten Flüchtlinge des Flüchtlingsdramas auf der A4 im Burgenland zeigt, gedruckt hat, will die Polizei Konsequenzen ziehen und hat deshalb bereits Kontakt mit der Staatsanwaltschaft aufgenommen.
Scharfe Kritik an "Krone"

Laut StA-Sprecherin Verena Strnad stehe allerdings eine Berichterstattung dazu noch aus, sagte sie auf Anfrage zur APA.

Foto aus Polizeikreisen

“Ich bin überhaupt nicht glücklich über diese Entwicklung, ich bin überhaupt nicht glücklich, dass dieses Foto an die Öffentlichkeit gelangt ist”, erklärte Landespolizeidirektor Hans Peter Doskozil am Freitagabend in der “ZiB2” und kündigte an, dass man “in diesem Fall wirklich rigoros auch vorgehen” wolle. “Ersten Erkenntnissen zufolge zeigt sich, dass das Foto aus Polizeikreisen angefertigt worden ist. Das dürfte klar sein. Wie es in weiterer Folge und auf welche Art und Weise hier weitergegeben wurde, das werden wir versuchen zu erheben. Weil das glaube ich eine Art und Weise ist, dass man auch von Polizeiseite hier mit solchen Dingen kein Kapital schlagen darf”, meinte der Polizeichef.

Laut Strnad wäre hier ein “erster denkbarer” Tatbestand die Verletzung des Amtsgeheimnisses. Ob und welche Konsequenzen dies im Hinblick auf den Polizeidienst des Beamten oder der Beamtin haben könne, sei dann allerdings Sache der Polizei. Derzeit stehe die Berichterstattung der Polizei an die Staatsanwaltschaft noch aus. Diese soll vermutlich erste Ermittlungsergebnisse beinhalten. “Wir sehen der Berichterstattung entgegen”, sagte Strnad.

“Krone” und “Bild” drucken Foto (erneut) ab

Indes wurde das Todes-Foto am Samstag auch von der deutschen “Bild”-Zeitung veröffentlicht – sowohl in der Print-Ausgabe als auch online – und zwar mit dem Titel “Foto der Schande”. Auch die “Kronen Zeitung” druckte am Samstag erneut das Foto, diesmal allerdings leicht unkenntlich gemacht.

“Kronen Zeitung” wollte angeblich “Dramatik des Todeskampfes” zeigen

Man habe sich nach “intensiver Diskussion in der Chefredaktion dazu entschlossen, die Katastrophe so zu zeigen, wie sie wirklich ist”, steht in einem Kommentar neben dem Foto. Denn das Bild “vom geöffneten Laderaum des Todes-Lkw ist ein erschütterndes Zeitdokument”. Schon am Vortag hatte sich die “Krone” damit verteidigt, dass man “die Dramatik des Todeskampfes von Männern und Frauen im Laderaum ohne Sauerstoff” zeigen hätte wollen. In den sozialen Netzwerken entbrannte nach der Veröffentlichung rasch eine Diskussion darüber, ob Medien solche Fotos zeigen dürfen.

Presserat: “Veröffentlichung ist unentschuldbar”

Beim Österreichischen Presserat waren mehr als 30 Beschwerden eingegangen. Andreas Koller, Sprecher eines der Senate im Presserat sowie Vertreter der Initiative Qualität im Journalismus: “Ich halte diese Fotos für unentschuldbar. Ich will nicht eine allfällige Entscheidung des Presserats vorwegnehmen, aber Faktum ist, dass Tote auch dann, wenn es sich um Flüchtlinge handelt, Anspruch auf Achtung ihrer Würde haben. Daher ist es inakzeptabel, sie nach ihrem grausamen Tod aus purer Lust an der Sensation im Zeitungsboulevard zur Schau zu stellen”, erklärte der Innenpolitik-Chef der “Salzburger Nachrichten” am Freitag gegenüber der APA.

Geld will die “Krone” mit dem Foto nicht verdient haben. Im “Kurier” (online) wird Krone-Multimedia-Chefredakteur Richard Schmitt zitiert: “Die Krone wird den Beitrag der Bild verdoppeln und als Spende für die Flüchtlingsbetreuung an NGOs weitergeben.” (APA/red)

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