Ex-Frau in Wien-Favoriten erschossen: 80-jähriger Iraker vor Gericht

Rund elf Jahre nach dem Mord muss sich Idris A. vor Gericht verantworten.
Rund elf Jahre nach dem Mord muss sich Idris A. vor Gericht verantworten. ©APA
Ein 80-Jähriger Iraker soll 2001 seine Ex-Frau in Wien-Favoriten erschossen haben, weil sie nach der Scheidung nicht zu ihm zurückkehren wollte. Am Montag begann am Wiener Landesgericht der Prozess gegen Idris A., der sich mit einem Rollstuhl in den Saal bringen lassen musste. Er behauptet, nicht geschossen zu haben: "Ich bin nicht schuldig", sagte er gleich zu Beginn des ersten Prozesstages.
Elf Jahre nach Mord ausgeliefert

Wie berichtet wurde der 80-Jährige im Mai nach Österreich ausgeliefert worden. Der gebrechlich wirkende, schwerhörige Mann soll vor über elf Jahren seiner damals 50-jährigen Ex-Frau vor einem Supermarkt in Wien-Favoriten aufgelauert und ihr dreimal in die Brust geschossen haben. Virginia A. hatte 1999 die Scheidung eingereicht, nachdem sie erfahren hatte, dass ihr Ehemann regelmäßig mit Prostituierten verkehrte. Da sie seinen Hang zu Gewalttätigkeiten kannte, verheimlichte sie ihm ihre neue Adresse und schärfte auch ihren erwachsenen Kindern – der Ehe entstammten zwei Töchter und ein Sohn – ein, diese nicht bekanntzugeben.

Idris A. soll Ex-Frau erschossen haben

Zwei Jahre später lief sie ihrem Ex-Mann zufällig auf der Straße über den Weg. Idris A. soll sie angefleht haben, zu ihm zurückzukehren und die Ehe wieder aufzunehmen. Sie weigerte sich. Vier Tage später war sie tot. Laut Anklage suchte der Mann am 30. April 2001 zunächst unter einem Vorwand seine ältere, damals 27 Jahre alte Tochter auf. Als diese ihn in ihre Wohnung gelassen hatte, zog er eine mit einem Schalldämpfer versehene Pistole und bedrohte sie mit dem Umbringen, wenn sie ihm nicht die Anschrift der Mutter verrate.

Da die Tochter sich nicht anders zu helfen wusste, ging sie mit ihm gegen 14.00 Uhr in einen Park in der Nähe der gegenständlichen Adresse. Als nach vierstündiger Wartezeit Virginia A. tatsächlich des Weges kam, versuchte die Tochter noch die Mutter zu warnen. Doch Idris A. zog bereits seine Waffe. Die Tochter wollte die Mutter zu schützen, indem sie sich zwischen die Eltern stellte. Darauf schoss ihr der Vater laut Anklage in den Unterarm, ehe er auf seine Ex-Frau zielte. Die 50-Jährige hatte keine Überlebenschance.

Im Irak lebte er unter falschem Namen

Dem Schützen gelang es, sich in weiterer Folge in den Irak abzusetzen, wo er im Norden des Landes unter falschem Namen eine neues Leben begann. Zielfahnder des Bundeskriminalamts machten ihn dort im Jänner 2010 ausfindig. Er wurde auf Basis eines internationalen Haftbefehls in Dohuk festgenommen und am 4. Mai 2012 ausgeliefert, nachdem er zwischenzeitlich gegen Hinterlegung einer Kaution auf freien Fuß gekommen war. Beim Versuch, sich nach Syrien abzusetzen, war er jedoch an der Grenze erwischt worden, worauf neuerlich die Handschellen klickten und dem Auslieferungsbegehren der österreichischen Behörden stattgegeben wurde.

Er habe seine Frau nach der Scheidung nie gesehen, behauptete der Angeklagte: “Ich gehe kaum außer Haus. Wenn, dann gehe ich nur in den Supermarkt.” Die gegen ihn gerichteten Vorwürfe seien erfunden, er habe mit all dem nichts zu tun: “Das ist gegen mich geplant worden. Ich kann mir nur denken, dass der Freund meiner Tochter dahinter steckt und dass es um Geld geht. Das ist das Einzige, was ihn interessiert.”

Tochter will nicht aussagen

Die mittlerweile 38 Jahre alte Tochter des Angeklagten, die laut Anklage mitansehen hatte müssen, wie ihr Vater aus unmittelbarer Nähe ihre Mutter niederschoss, wollte nicht aussagen. Die Frau, die einen sehr mitgenommenen Eindruck machte, verwies auf ihren psychisch angeschlagenen Zustand. Sie wolle weder ihren Vater sehen noch Angaben zum inkriminierten Geschehen machen. Auch eine unbeteiligte Augenzeugin, die nach dem Einkaufen mitbekommen hatte, wie Virginia A. auf dem Supermarkt-Parkplatz erschossen wurde, wirkte elf Jahre nach dem Verbrechen noch gezeichnet. Unter sichtlicher Anspannung berichtete sie, wie sie ein streitendes Paar wahrnahm, ehe die Schüsse fielen. Im angeklagten Idris A. erkannte sie “zu 80 Prozent” den Schützen wieder, wie sie zu Protokoll gab. (APA)

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