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Ex-Burgtheater-Direktor Klingenberg ist "sehr wütend über das, was passiert ist"

Gerhard Klingenberg wird am 11. Mai 85 Jahre alt.
Gerhard Klingenberg wird am 11. Mai 85 Jahre alt. ©APA/ PETER SCHEUERMANN
"Ich fühle mich dem Burgtheater nach wie vor sehr verbunden", versichert der ehemalige Burgtheaterdirektor Gerhard Klingenberg, der am kommenden Sonntag seinen 85. Geburtstag feiert. Gleichzeitig macht er aber auch seinem Unmut über den Finanzskandal Luft.
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Im Vorjahr bestritt der Schauspieler und Regisseur, der die Burg von 1971 bis 1976 geleitet hat, beim “Jubiläumskongress” des Burgtheaters eine unfreiwillige Showeinlage, als er seinen Nach-Nachfolger Claus Peymann vom Zuschauerraum aus korrigierte: Keineswegs sei er von seinem Nachfolger Achim Benning “weggeputscht” worden, und Thomas Bernhard sei nicht unter Peymann, sondern unter ihm erstmals an der Burg gespielt worden. Seit der 125-Jahr-Feier des Gebäudes, bei der Direktor Matthias Hartmann mit einer Rede auf die missliche Finanzsituation des Hauses aufmerksam machte, hat sich jedoch einiges getan – bis hin zur Entlassung der ehemaligen kaufmännischen Geschäftsführerin Silvia Stantejsky und des Direktors.

“Ich bin sehr wütend über das, was da passiert ist”

“Ich bin sehr wütend über das, was da passiert ist. Zum ersten Mal ist ein Skandal vom Inneren des Hauses ausgegangen. Ich habe ein Buch über die Geschichte des Burgtheaters geschrieben. Daher weiß ich: Es gab eine Menge Skandale. Aber die kamen immer von außen”, sagt Klingenberg im Gespräch mit der APA. Dass dabei das Ensemble zunächst “blind und emotional Silvia Stantejsky gefolgt ist, war in dieser Ausschließlichkeit nicht richtig”, die Entlassungen seien jedoch seiner Meinung zu Recht erfolgt. “Ich glaube, da blieb kein anderer Weg. Das vorherige von sich Schieben der Verantwortung fand ich niveaulos.” Künstlerisch hält Klingenberg jedoch viel von Hartmann: “Wenn er dem Haus auch als Regisseur verloren geht, ist das ein immenser Verlust.”

Ex-Direktor erinnert sich wohlwollend

Seine eigene Direktionszeit hat Klingenberg als erfüllend und glücklich in Erinnerung. “Durch das Wegfallen der Bundestheaterverwaltung war ich der erste Direktor, der autonom war. Es konnte mir niemand dreinreden, das war vom Gesetz her ausgeschlossen. Das war sehr schön, aber auch verantwortungsvoll. Es gab keine Einflussnahme. Allerdings hatte ich große Schwierigkeiten mit der Gewerkschaft und dem Betriebsrat, der den mittleren Schauspielern ihre Nebengeschäfte sichern wollte.” Ein Vier-Augen-Prinzip im Finanziellen habe es bereits seinerzeit gegeben: “Wenn ich etwas brauchte, habe ich gefragt: Ist dafür Geld da? Generalsekretär Robert Jungbluth hat dann unterschrieben.”

Klingenberg seit 1976 nicht mehr am Burgtheater

1976 gab Klingenberg seine Abschieds-Inszenierung am Burgtheater: Anlässlich der 200-Jahr-Feier des Burgtheaters inszenierte er Grillparzers Trauerspiel “König Ottokars Glück und Ende”. Danach leitete er das Schauspielhaus Zürich und das Berliner Renaissance Theater. Als Regisseur arbeitet der zwischen Wien, Kärnten und Spanien “ein Zigeunerleben” Führende schon länger nicht mehr (“weil mich niemand fragt”), doch schreibt er derzeit an der Fortsetzung seines 2003 erschienenen Buches über “Das gefesselte Burgtheater”, das vor seiner Amtszeit endete: “Man hat mich immer wieder dazu gedrängt, ich habe mich geweigert. Jetzt bin ich lange genug weg vom Burgtheater. Jetzt kann ich auch meine Zeit beschreiben, die ja eine der Entfesselung war.”

Entfesselt war auch Klingenbergs Vision eines europäischen Burgtheaters, die er mit Engagements von Regisseuren wie Jean-Louis Barrault, Giorgio Strehler, Peter Hall oder Luca Ronconi zu verwirklichen suchte. “Ich hatte diese europäische Vision lange, bevor es die Europäische Union gab. Ich finde, das Burgtheater darf nicht einfach ein weiteres bundesdeutsches Großtheater sein. Man muss Regisseure aus ganz Europa suchen. Ich glaube, das wäre der einzige überdurchschnittliche Weg des Burgtheaters. Als reines Stadttheater ist es zu teuer.”

Wer leitet die Wiener Burg in Zukunft?

Diese Vision eines europäischen Theaters sei heute aktueller denn je und würde auch gut zu einem künftigen Burgtheaterdirektor passen, findet der Ex-Burgchef. Eine solche Vision sei wichtiger als die Frage, ob der nächste Chef des Hauses ein Regisseur sei oder nicht. “Wenn er Regie führen kann, ist es gut. Aber er muss nicht.” (APA)

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