Erster Tag im Prozess gegen Ex-Militärchef Mladic

Vor dem UNO-Tribunal für Kriegsverbrechen im früheren Jugoslawien hat am Mittwoch der jahrelang erwartete Prozess gegen den ehemaligen Militärchef der bosnischen Serben, Ratko Mladic, begonnen. Die "Finger Mladics" seien in allen Verbrechen sichtbar, die seine Truppen an der Zivilbevölkerung in Bosnien verübt hätten, hielt der Ankläger Dermot Groome zum Prozessauftakt fest.


Die Verlesung der Anklageschrift war eigentlich mit sechs Stunden anberaumt gewesen, konnte aber schon nach etwas mehr als vier Stunden beendet werden. Groome rief dabei einige der dramatischsten und brutalsten Kriegsverbrechen aus dem dreijährigen Bosnien-Krieg in Erinnerung.

Die von bosnisch-serbischen Truppen verübten Verbrechen machten nach Worten des Anklägers den Bestandteil eines Plans aus, der darauf abzielte, Bosnien zu zerschlagen und auf dessen Gebiet einen serbischen Staat zu errichten. Die strategischen Pläne des früheren bosnisch-serbischen Präsidenten Karadzic vom Mai 1992 hatten zum Ziel, die serbische Bevölkerung von der nichtserbischen zu trennen, das Gebiet, das Serben als ihr eigenes betrachtet hatten, ethnisch zu säubern und innerhalb Bosniens die serbischen Gebiete untereinander zu verknüpfen und eine sichere Verbindung mit Serbien herzustellen.

Mladic habe von Anfang an gewusst, dass die Umsetzung des Projekts eines serbischen Bosnien eine Frage der Deportation und der ethnischen Säuberung war”, so Groome. Die Anklage belastet Mladic in elf Punkten unter anderem für das Massaker in Srebrenica, wo von bosnisch-serbischen Truppen im Juli 1994 mehr als 7.000 bosniakische Männer vor Augen der Blauhelmen aussortiert und später ermordet wurden. Es geht um das schwerste Kriegsverbrechen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg. Genozid wird dem ehemaligen bosnisch-serbischen Militärchef auch in sieben weiteren Gemeinden angelastet. Weitere Anklagepunkte betreffen die Verbrechen gegen die Menschlichkeit und die Verstoße gegen die Kriegsgepflogenheiten. Es geht um die Gefangenenlager, aber auch um die Geiselnahme von UNO-Soldaten.

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