Erst Niedermeyer, dann DiTech: Nächster Technikhändler vor dem Aus

Das Wiener Unternehmen DiTech muss Insolvenz anmelden.
Das Wiener Unternehmen DiTech muss Insolvenz anmelden. ©APA
Nicht ganz ein Jahr nach der Insolvenz der Elektrokette Niedermeyer kämpft nun mit DiTech der nächste Elektronikhändler um sein Überleben. Es muss, wie es heißt wenig überraschend, Insolvenz angemeldet werden.
DiTech muss Insolvenz anmelden
Niedermeyer schließt nach Insolvenz

Damian Izdebski, der DiTech vor knapp 15 Jahren im Alter von 22 Jahren mit seiner Frau Aleksandra gegründet hat, wandte sich am Montag in einem offenen Brief an die Öffentlichkeit. Zuvor war noch am selben Tag von Gesprächen mit Banken und einem potenziellen Investor die Rede. Diese dürften aber offenbar gescheitert sein. Über das Schreiben hinaus gab sich das Unternehmen allerdings zugeknöpft. Details zur Insolvenz wolle man erst nach Einreichung des Sanierungsverfahrens bekanntgeben, erklärte DiTech-Sprecher Mario Gündl.

Expansion von DiTech zu rasant?

DiTech hat sich bei seiner rasanten Expansion anscheinend übernommen. Die Anzahl der Mitarbeiter soll – wie berichtet – um 60 bis 80 Personen reduziert werden. Auch beim Filialnetz wird der Rotstift angesetzt: “Begleitet von einem Sanierungsverwalter sowie externen Restrukturierungsspezialisten werden wir einige, vor allem kleinere Filialen schließen und die Logistikzentrale verkleinern”, erklärte Izdebski. DiTech hat derzeit 22 Standorte und 300 Mitarbeiter in Österreich.

Das bedeutet die Insolvenz für die Kunden

Auch die DiTech-Kunden sind von der bevorstehenden Insolvenz betroffen: Man habe aktuell einen Auftragsstand von ca. 1,5 Mio. Euro an Bestellungen von über 2.000 Kunden, “die leider nicht bedient werden können, weil die Ware fehlt”, so Izdebski. “So bleiben täglich weitere 200 bis 300 Kundenaufträge liegen, die nicht ausgeliefert werden können”, heißt es in dem Schreiben.

Krise kommt nicht überraschend

Für Branchenexperten kommt die DiTech-Krise nicht überraschend. So habe sich beim Kreditschutzverband KSV 1870 abgezeichnet, dass sich die Situation zuspitzen könnte. Die Kreditschützer gehen nun davon aus, dass Ende dieser Woche die Entscheidung fällt, “ob und in welcher Form” Insolvenz angemeldet wird.

Die Kreditversicherer haben den insolventen Computerhändler bereits vor zwei Wochen fallen lassen. Es gebe keine Deckungen mehr für Kredite von DiTech, nachdem vom Unternehmen keine Unterlagen mehr zur Bonitätsprüfung vorgelegt worden seien, hieß vom Kreditversicherer Prisma heute, Montag, zur APA. Dennoch sei bis zuletzt “gehofft” worden. Die Probleme hätten sich aber abgezeichnet, da auch das Weihnachtsgeschäft für die Elektronikbranche insgesamt schlecht gelaufen war. DiTech trifft, dass statt PCs und Laptops immer mehr Tablets und Smartphones gekauft werden.

Aus Sicht von Prisma ist die Zeit für die Investorensuche zu knapp gewesen. Die Liquiditätskrise habe bereits im Mai des Vorjahres begonnen. DiTech hätte früher und intensiver mit der Suche nach einem Investor beginnen müssen.

Izedebski: “Habe Fehler gemacht”

Izdebski zieht in seinem offenen Brief auch selbst eine kritische Bilanz: “Ich habe Fehler gemacht: Ich habe mich vom Erfolg des DiTech-Konzeptes und dem damit einhergehenden Wachstum blenden lassen und unterschätzt, wie wichtig es ist, dieses enorme Wachstum nachhaltig finanziell abzusichern.”

Vom Erfolg geblendet “habe ich es verabsäumt die Finanzierung von DiTech langfristig sicherzustellen. Ein Unternehmen unserer Größe müsste eigentlich einen Lagerbestand von ca. 15 Mio. Euro haben, um die enorme Nachfrage unserer Kunden bedienen zu können.” Seit dem Sommer 2013 arbeitet DiTech den Angaben von Izdebski zufolge allerdings mit einem Lagerbestand von nur 5 bis 7 Mio. Euro. “Die dadurch verursachten Umsatzrückgänge waren zwar nicht groß, aber verbunden mit immer geringer werdenden Margen und einer auf Wachstum ausgerichteten Kostenstruktur haben sie zu sehr großen Verlusten in den beiden letzten Jahren geführt”, heißt es in dem Brief.

Unternehmen aus Wien schnell gewachsen

DiTech hat in den vergangenen Jahren ein rasantes Wachstum hingelegt. Der Umsatz verdoppelte sich allein zwischen 2008 und 2012 auf 120 Mio. Euro. Die Verbindlichkeiten von DiTech erhöhten sich laut FirmenCompass zwischen 2011 und 2012 von 17,2 auf 22,7 Mio. Euro, davon 7,7 Mio. Euro bei Banken. Für 2013 liegen derzeit noch keine Zahlen vor. (APA)

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