Page 1Page 1 CopyGroupGroupPage 1Combined ShapePage 1Combined ShapePage 1Triangle Page 1 VNVorarlberger Nachrichten Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1 Rectangle 9 Combined ShapeCombined ShapePage 1Page 1Page 1Page 1Page 1AAAAPage 1 Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1

Entführungsopfer auf Flucht vor Bettlerring

&copy Bilderbox
&copy Bilderbox
Auf der Flucht vor einem deutschen Bettlerring ist eine 20-jährige Rumänin am Montag in der Früh im Wiener Bezirk Wieden von ihren Peinigern entführt worden.

Nicoletta C. wollte sich bei der rumänischen Botschaft Heimreisedokumente ausstellen lassen – bei dem Gebäude zerrten fünf Mitglieder der kriminellen Vereinigung die junge Roma brutal in ein Auto. Das Fluchtfahrtzeug stoppten Beamte der Autobahnpolizei wenig später auf der Westautobahn (A1) im Bezirk St. Pölten. Die Frau hatte versucht, von Deutschland über Wien in die rumänische Heimat zu reisen.

Die Entführer – laut Polizei gewerbsmäßige Kriminelle – sollen besonders brutal vorgegangen sein. „Vor der Botschaft kam es in der Früh zu einem Handgemenge“, berichtete Major Manfred Briegl von der Kriminaldirektion 1 der APA. Die Frau wurde laut Polizei gegen 8.30 Uhr in der Theresianumgasse von einer der drei weiblichen Entführerinnen an den Haaren gepackt und in einen grauen BMW gezerrt. Die Täter sollen das Opfer gekratzt und mit Füßen getreten haben. Der Lenker, ein 19-Jähriger deutscher Staatsbürger mit rumänischen Wurzeln, schlug der Frau mit der Faust ins Gesicht, sagte der Ermittler. Nicoletta C. erlitt laut einer Aussendung der Polizei leichte Verletzungen.

Brutal gingen die Täter auch auf Bruder und Vater der Frau los, die sie zur Botschaft begleitet hatten, berichtete Johann Schaffer von der Kriminaldirektion 1 der APA. Die beiden Männer wehrten sich und versuchten vergeblich, den Kriminellen die junge Frau zu entreißen. Um die Entführer am Wegfahren zu hindern, hat der Bruder des Opfers laut Polizei schließlich Seiten- und Windschutzscheibe des Fluchtautos eingeschlagen. „Dafür hat er sich von einem Straßenkehrer einen Besen ausgeborgt“, berichtete der Major.

Entgegen ersten Angaben der Polizei handelt es sich bei dem 19-jährigen Lenker nicht um einen der Frau versprochenen Bräutigam, den die 20-Jährige in Deutschland heiraten hätte sollen und mit dem sie ein gemeinsames Kind hat. „Der Kindsvater befindet sich noch in Deutschland“, sagte Briegl. Verständigungsprobleme mit dem Vater der Entführten hätten zu der falschen Annahme geführt, so der Kriminalist.

Von der ursprünglichen Vermutung, dass eine „Beziehungsgeschichte“ Grund für die Entführung gewesen sei, kamen die Ermittler daher am Nachmittag ab. Die Flucht der 20-Jährigen habe die Täter dazu veranlasst, sie zu kidnappen, so Briegl. Beamte hatten zuvor gemutmaßt, dass die Entführung von Streitigkeiten rund um den gemeinsamen Sohn ausgelöst worden sei.

Die Einsatzkräfte wurden schließlich vom Vater des Opfers verständigt. Er hatte sich das deutsche Kennzeichen des BMW gemerkt und äußerte den Verdacht, dass die Flüchtigen Richtung Nachbarland unterwegs sein könnten, sagte Briegl. Auf der Westautobahn zu kontrollieren, sei somit nahe liegend gewesen. Im Wiener Bezirk Penzing war das beschädigte Fahrzeug auch einem Autofahrer aufgefallen, der die Polizei verständigte.

Wilde Verfolgungsjagd hat sich laut Einsatzkräften keine abgespielt. „Der Lenker hat nicht versucht, davonzufahren“, meinte ein niederösterreichischer Beamter. Das Fahrzeug sei „ganz normal“ von Uniformierten der Autobahnpolizeiinspektionen Altlengbach und Melk nahe der Tankstelle Völlerndorf bei St. Pölten angehalten worden. Die fünf Entführer wurden festgenommen und zu Mittag nach Wien überstellt.

„Vor drei Jahren war das 20-jährige Opfer nach Deutschland gelockt worden. Sie sollte dort einen Roma-Sinti heiraten“, erzählte Briegl. Zu einer Hochzeit sei es jedoch nicht gekommen – die Familie des vermeintlichen Bräutigams habe die Frau stattdessen zum Stehlen und Betteln angehalten. Hauptsächlich soll sie zu Ladendiebstählen in Frankfurt gezwungen worden sein. „Es ist möglich, dass auch sexuelle Nötigung im Spiel ist“, sagte der Ermittler in Anspielung auf das Kind des Opfers.

Vor zehn Tagen sei der jungen Frau die Flucht nach Passau gelungen, so der Ermittler. Sie habe ihren Vater und Bruder verständigt, die ihr dorthin entgegenreisten. Von der rumänischen Botschaft in Wien wollte sich die junge Frau am Montag in der Früh ein Heimreisezertifikat ausstellen lassen. Der Pass war ihr von dem Bettlerring in Deutschland abgenommen worden, erklärte Briegl.

Am Montagnachmittag wurden die Verdächtigen, der 19-Jährige Lenker, ein 50-jähriger Mann und drei Frauen zwischen 20 und 29 Jahren, von der Polizei vernommen. „Sie werden dem Gericht vorgeführt“, kündigte Briegl an.

  • VIENNA.AT
  • Wien
  • Wien - 4. Bezirk
  • Entführungsopfer auf Flucht vor Bettlerring
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen