Missbrauch: Sadistisches Muster

Elektriker verging sich an mindestens 15 Kindern und drei Frauen - Psychiater: "Es ist ein sadistisches Muster zu erkennen." - Wichtig sei es, Kindern Hilfe zur Selbsthilfe zu geben.

An mindestens 15 Kindern und drei Frauen soll sich ein Elektriker in Wien seit 1996 vergangenen haben. Seine Opfer zwang er laut Polizei zu sexuellen Handlungen, er misshandelte sie mit Schlägen und brennenden Zigaretten. Eine Prostituierte wollte Alexander S. (30) erdrosseln. Der mutmaßliche Täter bezeichnet sich selbst als „nicht krank“. Psychiater Univ.-Prof Max Friedrich in einer ersten Stellungnahme zur APA: „Es ist ein sadistisches Muster zu erkennen. Quälen als Stimulanz für Sexualität. Ein Krankheitsfaktor liegt nahe.“

“Es geht um den Machtfaktor”

Es zeuge von „extremer Unsicherheit“, wenn jemand Kinder für derartige Handlungen wählt, erklärte der Experte. „Es handelt sich vermutlich um einen sehr unsicheren Menschen, der sich über Gewalt definiert und Gewalt ausübt. Es geht um den Machtfaktor. Der Mann beutet Kinder durch seine Übermacht aus. Man muss sich anschauen, woher die Ohnmacht- und Minderwertigkeitsgefühle des Mannes herkommen, was in seiner eigenen Kindheit passiert ist.“

“Sexualität durch Gewalt”

Meist handle es sich bei solchen Tätern um Menschen, die man nicht ernst genommen habe, die verspottet wurden. Durch seine Handlungen wolle der Täter sagen: „Seht her, wie stark ich bin.“ Mit der Gewalt verbunden sei ein Lustgewinn in der Sexualität. Solche Täter hätten „eine pervertierte, verkehrte Vorstellung von Sexualität“, so Friedrich. Jeder Geschlechtsverkehr sei eine Penetration, erklärte der Psychiater – aber normalerweise ohne Gewalt, sondern mit Zärtlichkeiten verbunden. „Bei diesen Menschen ist das anders, sie erleben Sexualität nur durch Gewalt.“

Warum Männer plötzlich zu Kinderschänder werden? Der Experte: „Man müsste sich anschauen, ob es ein Frustrationserlebnis gab. Wenn jemand ein Minderwertigkeitsgefühl entwickelt, kann es viel Gründe geben.“

Täter lange unendeckt

Viele Jahre blieb der 30-Jährige unentdeckt. „Das kann zum einen darauf zurückzuführen sein, dass er planvoll agierte, auch wenn die Fälle spontan aussehen. Zum anderen stellt sich die Frage, ob die Opfer geschwiegen haben.“ Oft würden sich Täter lange Zeit sicher fühlen. Manchmal werden die Abstände zwischen den Fällen immer kürzer. Friedrich: „Bei manchen gibt es den neurotischen Zwang, erwischt zu werden.“

Der Tötungsversuch an einer Prostituierten zeige eine Steigerungstendenz, sagte Friedrich. „Er muss die Dosis steigern, um den Kick zu erhöhen.“ Außerdem sei der Elektriker ein „Risikogänger“, weil er z.B. seine Opfer auf Schulwegen aufgelauert hat, wo es immer die Möglichkeit gibt, erwischt zu werden. Auch der Tötungsversuch deute darauf hin, so der Fachmann.

“Hilfe zur Selbsthilfe”

Friedrich appellierte auf Grund des aktuellen Falls an Eltern. Man könne nicht den gesamten Lebensbereich überwachen. „Wir müssen daher unseren Kindern Hilfe zur Selbsthilfe geben.“ Er selbst sei mit seinen Sprösslingen immer wieder den Schulweg abgegangen, habe ihn in mehrere Abschnitte geteilt und den Kindern bewusst gemacht, wohin sie sich wenden sollen, wenn sie Angst hätten. „Da gibt im einen Abschnitt eine Apotheke, wo wir regelmäßig einkaufen, in einem anderen einen bekannten Friseur. Ich habe mit den Geschäftsleuten gesprochen und ihnen gesagt, dass sie meinen Kindern helfen sollen, wenn sie einmal reinkommen und sich fürchten.“

Man soll den Buben und Mädchen nahe bringen, zielstrebig in die Schule oder nach Hause zu gehen, nicht zu schlendern, nicht zu nahe an Hauseingängen. „Wenn es möglich ist, sollen Kinder mit Freunden unterwegs sein. Wenn sie sich bedroht fühlen, sollen sie schreien.“ Die Ängste der Kinder gilt es generell ernst zu nehmen, betonte Friedrich.

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