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Schul-Verwüster mag Juden nicht

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Der Mann, der die jüdische Schule verwüstete, gibt einen seltsamen Grund für seinen Tat an: Er möge Juden nicht! Seine Identität bleibt weiter ein Mysterium. Zuerst stellte er sich als Kroate namens Adolf Hitler vor!

Der Mann, der in der Nacht auf Sonntag die jüdische Schule am Rabbiner Schneerson-Platz in Wien-Leopoldstadt verwüstete, habe bei seiner Einvernahmen durch Beamte des Landesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (LVT) erklärt, „dass er Juden nicht möge“. Das sagte ein Sprecher der Wiener Polizei am Montag. Die Identität des Mannes sei weiterhin „nicht hinreichend geklärt“.

Der etwa 30 Jahre alte Mann habe einen Namen und ein Geburtsdatum genannt, beide müssten noch überprüft werden, sagte der Sprecher. Der Verdächtige sei in Österreich nicht gemeldet und habe ausgesagt, hier auch keine Bekannten zu haben. Wie er auf die Lauder Chabad als Ziel kam und woher er die Eisenstange hatte, mit der er unter anderem Fensterscheiben sowie Waschbecken zertrümmerte, habe er nicht erklärt, sagte der Sprecher.

„Der Verdächtige ist nicht sehr kooperationsbereit“, hieß es bei der Polizei. Ein antisemitisches Motiv sei nahe liegend, dass der Mann sich als „Adolf Hitler“ vorgestellt habe, konnte die Behörde nicht bestätigen. Sein psychischer Zustand soll untersucht werden. Die Einvernahmen werden fortgesetzt.

Die Identität des Festgenommenen war zwar auch am Nachmittag noch nicht endgültig geklärt, doch ging das Wiener LVT davon aus, dass es sich um einen 1982 geborenen Kroaten aus Zagreb handelt. Eigenen Angaben zufolge wohnte er in Zagreb, kam vor einer Woche als Tourist nach Wien, habe unter anderem in U-Bahnstationen und Bussen genächtigt und deshalb die Schule verwüstet, weil er Juden „nicht mag“.

Die Eisenstange, mit der er unter anderem Fenster zertrümmerte, habe der Mann an einer Baustelle in der Nähe der Schule gefunden. Die Gründe für seinen Antisemitismus habe er unter Hinweis darauf, dass dies eine „lange Geschichte“ sei, nicht erläutert, sagte Ermittlungsleiter Mag. Andreas Krajcsy vom LVT. Einen nationalsozialistischen Hintergrund habe der Verdächtige in Abrede gestellt. Reue zeige er nicht. Die Wiener Behörde hat Fotos und Fingerabdrücke des Mannes, der zuletzt offenbar arbeitslos war, nach Zagreb geschickt, um eine Bestätigung für die angegebene Identität zu bekommen.

Die Einvernahmen des jungen Kroaten sind vorerst abgeschlossen, er wird laut Krajcsy wegen schwerer Sachbeschädigung angezeigt und dem Gericht übergeben. Durch eine amtsärztliche Untersuchung sei die Haftfähigkeit des Mannes festgestellt worden. Über seinen psychischen Zustand werde durch ein vom Gericht in Auftrag zu gebendes Gutachten Aufschluss geben.

Reaktionen entsetzt bis erwachsen

Zutiefst schockiert zeigt sich Leon Zelman, Leiter des Jewish Welcome Service, in einer ersten Reaktion über die Zerstörungen in der Lauder Chabad Schule. „Erst vor wenigen Tagen haben wir dem Novemberpogrom vor 68 Jahren gedacht, als jüdische Einrichtungen zerstört und verwüstet wurden. Die Lauder Chabad Schule ist auch ein Symbol wiedererstandenen jüdischen Lebens in Wien nach der Shoah. Eine derartige Tat im Jahre 2006 ist mehr als beunruhigend und muss uns ein Warnsignal sein“, sagt Leon Zelman.

Vor einer „Verharmlosung und Entpolitisierung“ des Vandalenakts in der jüdischen Schule in Wien-Leopoldstadt hat am Montag die „Aktion gegen den Antisemitismus in Österreich“ gewarnt.

Die Schüler selbst haben “erstaunlich erwachsen” reagiert, wie es heißt. Psychologen wollen nun abwarten, ob eine weitere Betreuung der Schüler notwendig wird oder nicht.

Schönborn: “Akt der Barbarei”

Kardinal Christoph Schönborn hat sein „tiefes Mitgefühl“ mit der jüdischen Gemeinde angesichts der Verwüstung der „Lauder Chabad“-Schule in Wien zum Ausdruck gebracht. Was auch immer die Motivation hinter dieser Tat sein mag, sie bleibe ein „Akt der Barbarei“ und ein Warnsignal, erklärte der Kardinal am Montag laut Kathpress.

Die „Lauder Chabad“-Schule sei ein Symbol des Wiederaufbaus der jüdischen Gemeinde nach der Katastrophe der Shoah – umso verwerflicher sei die Tat. Auf diesem Hintergrund sei auch klar, warum auch antisemitisches Reden absolut inakzeptabel ist. Gerade Christen müssten sich immer wieder daran erinnern, dass ihr Glaube jüdische Wurzeln hat und „für Antisemitismus daher kein Raum ist“, so der Wiener Erzbischof.

Kroatische Botschaft verurteilt die Tat

Die Botschaft der Republik Kroatien hat „mit größtem Entsetzen und Besorgnis“ die Nachricht über den Randalierakt und den Übergriff auf das Gebäude der jüdischen Schule Lauder Chabad in Wien zur Kenntnis genommen. Die Botschaft verurteilt auf Schärfste diesen kriminellen Akt, „der sich nicht nur gegen eine Ausbildungsstätte, sondern auch gegen die jüdische Gemeinde in der Republik Österreich richtet“, heißt es in der am Montag veröffentlichten Stellungnahme. Der mutmaßliche Täter hat sich als kroatischer Staatsbürger ausgegeben.

Der Vandalenakt weist „deutlich antisemitisch motivierte Beweggründe auf“, zeigte sich SPÖ-Justizsprecher Hannes Jarolim am Montag gegenüber dem SPÖ-Pressedienst besorgt. „Als Bezirksparteivorsitzender der SPÖ-Leopoldstadt berührt mich dieser Vorfall ganz besonders. Aus diesem Grund möchte ich der Israelitischen Gemeinde meine tiefe Anteilnahme und vollste Unterstützung zusagen.“

Mit Entsetzen reagierte Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (S) auf die Zerstörung. „Durch diesen Vandalenakt wurde dem aufblühenden Leben der jüdischen Gemeinde in der Leopoldstadt ein schwerer Schlag versetzt. Die jüdische Kultur ist ein ganz wichtiger Teil der Wiener Kultur und jeder, der diese angreift, greift Wien an. Dieser Anschlag auf die Politik des Miteinander in Wien ist auf das Schärfste abzulehnen.“

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