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Diözese sucht Ausweg aus der Krise

Feldkirch - Die Diözese Feldkirch sucht einen neuen Weg für die Zukunft. Ob der angestrebte Wandel allerdings unter dem umstrittenen Bischof Elmar Fischer stattfinden wird, bleibt angesichts der gegen ihn erhobenen Missbrauchsvorwürfe vorerst offen.
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Auf die Frage, ob Fischer bei einer Bestätigung der Anschuldigungen dem Beispiel des Augsburger Bischofs Walter Mixa folgen und beim Papst um seinen Rücktritt bitten könnte, gab es am Donnerstag keinen Kommentar seitens der Diözese. “Wir können in der Sache nur sagen: Wir warten auf den Abschlussbericht”, so Diözesen-Sprecher Rainer Juriatti gegenüber der APA.

Noch sei der Innsbrucker Psychiater Hartmann Hinterhuber mit der Klärung der Vorwürfe gegen Fischer beschäftigt. “Herr Hinterhuber arbeitet völlig selbstständig und unabhängig”, betonte Juriatti. Hinterhuber hat in der vergangenen Woche bestätigt, dass es einen Gesprächstermin mit einem angeblichen Betroffenen gibt, am Donnerstag war der Psychiater für die APA nicht erreichbar. Einen vereinbarten Zeitrahmen bezüglich der Arbeit von Hinterhuber gebe es nicht, sagte Juriaitti. Der Pressesprecher der Diözese rechnete aber damit, “dass es sich nicht um Monate dreht”, bis der Bericht des Direktors der Universitätsklinik für Allgemeine Psychiatrie und Sozialpsychiatrie in Innsbruck vorliegt.

Kirchenintern scheint der Druck auf Fischer allerdings zuzunehmen. Nach der APA vorliegenden Informationen soll es auch innerhalb der Diözese und der Priesterschaft Stimmen geben, die dem Bischof seinen Rücktritt nahelegen. Danach befragt, ob er solche Stimmen auch bereits wahrgenommen habe, erklärte der Pastoralamtsleiter der Diözese Feldkirch, Walter Schmolly, er habe noch überhaupt keine öffentliche Rücktrittsaufforderung an Fischer gehört. Seiner Meinung nach seien auch die beiden Fälle – Mixa und Fischer – nicht miteinander vergleichbar.

Natürlich würden aber die publik gewordenen Missbrauchsfälle und die Vorwürfe gegen Fischer “etwas mit den Priestern machen”, so Schmolly. Hinsichtlich der Stimmung unter den Pfarrern meinte er, dass sich diese ins Positive kehre, “wenn man weiß, wofür es die Kirche gibt und wofür man arbeitet”. Bereits vor zwei Jahren hat die Diözese mit einem Projekt begonnen, in dem Zukunftsperspektiven erarbeitet werden.

“In den vergangenen 20, 30, 40 Jahren hat sich vieles verändert. Die Frage ist, wie wir mit dieser gesellschaftlichen Entwicklung und auch den internen Themen Priestermangel und weniger werdende Ressourcen umgehen”, sagte der Pastoralamtsleiter. Man habe sich sowohl inhaltlich als auch strukturell Gedanken gemacht und Lösungsansätze ausgearbeitet. In der täglichen Arbeit der Kirche mache er nicht nur bei den Priestern, sondern auch bei den Gläubigen “viel Freude” aus, betonte Schmolly.

In Vorarlberg sind im ersten Quartal über 1.800 Personen aus der Kirche ausgetreten – das sind mehr als im gesamten Jahr 2008 (1.668). Dazu dürften nicht nur die Missbrauchsvorwürfe gegen Fischer beigetragen haben – er soll in den 1960er-Jahren als Erzieher Kinder geschlagen haben – sondern auch manche Äußerung des Vorarlberger Kirchenoberhaupts. So vertrat er bei einem Pressegespräch im März etwa die Ansicht, dass im Einzelfall eine Ohrfeige für einen Jugendlichen hilfreich sein könne.

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