"Dirty Rich": Richard III. als Bösewicht in Bregenz

Das überarbeitete Shakespeare-Drama "Dirty Rich Modderfocker der Dritte" hat am Donnerstagabend als neueste Produktion des Theater Kosmos' in Bregenz Premiere gefeiert. Richard III. hat dabei auch in seiner modernen Version als "Dirty Rich" nichts an Grausamkeit eingebüßt. Das Publikum kam voll auf seine Kosten und belohnte die Leistung des ganzen Ensembles und des Regieteams mit begeistertem Applaus.

In der adaptierten Version von Tom Lenoye und Luk Perceval wird Richard III. zu “Dirty Rich” und ist noch immer machtgierig. Alle, die seinem Anspruch auf den Thron in den Weg kommen könnten, werden aus dem Weg geräumt. Tatsächlich fließt auch in der Bregenzer Inszenierung unter der Regie von Stephan Kasimir sehr viel Blut. Auch das Bühnenbild von Caro Stark unterstreicht, worum es in dem Stück geht. Es besteht aus einem einfachen Baugerüst, in der Mitte der Bühne liegt ein roter Teppich, gleichsam Symbol für den Weg zur Macht, um den sich alles dreht. Den insgesamt 19 Darstellern ermöglicht es auf drei Ebenen ein sehr dynamisches Spiel.

Solange das Stück sprachlich nahe am Original bleibt, hat es dramatischen Stärke und Ernsthaftigkeit. Allerdings wird in dieser modernen Bearbeitung die meiste Zeit in einer Art “Denglisch” gesprochen – einer Mischung aus Deutsch und Englisch. Das klingt in etwa so: “My Modder hat schon Recht: The whole wide world has soon or later einen Grund um zu jammern.” Die Zuschauer kamen damit sehr gut zurecht. Durch diese eigenwillige Sprachfassung kippt das Stück teilweise aber auch ins Komische, wirkt wie Satire. Dem royalen Krüppel auf der Bühne kann man so nicht böse sein.

Hubert Dragaschnig spielt den Dirty Rich nicht nur körperlich defekt, er zelebriert seine Sätze in dieser Kunstsprache. Er wirkt dabei manchmal unbeholfen und fast hilflos. Der mordlustige Thronanwärter erscheint zuweilen wie ein armes Würstchen, dessen Motivation eigentlich die Suche nach Anerkennung und Liebe ist. Ein trauriger Clown. Das wird noch verstärkt durch eine der Schlussszenen. Dirty Rich setzt sich vor einen Abschminktisch und zum Vorschein kommt das Gesicht einer anderen traurigen Gestalt, nämlich des “Jokers”, des bekannten Gegenspielers aus der Batman-Serie. Und am Ende erscheint dann auch noch Batman – der “good guy” gewinnt.

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