Dirigent Wladimir Fedossejew ist 90

Dirigent Wladimir Fedossejew 2011
Dirigent Wladimir Fedossejew 2011 ©APA/GEORG HOCHMUTH
Heute, Freitag (5. August) feiert Wladimir Fedossejew (auch transkribiert als Vladimir Fedosejev, Fedosejew bzw. Fedoseyev) seinen 90. Geburtstag. Der russische Dirigent ist mit Österreich eng verbunden: Seit 1992 war er regelmäßig Gast bei den Bregenzer Festspielen, zwischen 1997 und 2005 stand er als Chefdirigent den Wiener Symphonikern vor.

Geboren wurde Fedossejew am 5. August 1932 im damaligen Leningrad, dem heutigen St. Petersburg. Beim Fluchtversuch seiner Familie aus der von den Deutschen 1943 belagerten Stadt wurde der Zug mit dem Elfjährigen von einer Bombe getroffen. Das einzige Gepäckstück, das gerettet werden konnte, enthielt jenes Akkordeon, auf dem der junge Künstler seine ersten musikalischen Versuche unternahm.

Auch zu Beginn seiner Karriere beschäftigte sich der angehende Musikkünstler mit der Tradition der russischen Volksmusik. Die Ausbildung nach Kriegsende erhielt Fedossejew allerdings an der renommierten Musorgskij-Musikschule in Leningrad und am Gnesin-Institut in Moskau. Eine seiner wichtigsten Begegnungen aus dieser Zeit war jene mit dem großen russischen Dirigenten Jewgenij Mrawinsky, der ihn einlud, sein Orchester, die berühmte Leningrader Philharmonie, zu dirigieren.

Die Fokussierung auf das Volksmusikalische, die er mit der Leitung des All Union Radio Russian Folk Instruments Orchestras betrieb, sollte Fedossejew später eher schaden, wenn es galt, in den Intrigen um die raren musikalischen Chefposten im zentralistisch geführten Sowjetstaat zu bestehen. Beispielsweise musste er 1973 auf die bereits beschlossene Berufung zum Chefdirigenten des Bolschoj Theaters verzichten. Dafür wurde Fedossejew 1974 mit der Leitung des staatlichen Moskauer Rundfunkorchesters betraut, das 1993 in Tschaikowskij-Symphonieorchester umbenannt wurde, und mit dem er nicht zuletzt im Wiener Musikverein wiederholt reüssierte.

Zugleich avancierte Fedossejew zum gefragten Gastdirigenten, der regelmäßig mit Erfolg am Pult der führenden Orchester stand. So verpflichtete ihn etwa das Tokyo Philharmonic Orchestra als Ersten Gastdirigenten. Daneben widmete sich der Dirigent mit Verve der Arbeit im Orchestergraben der relevanten Opernhäuser, von der Scala über die Wiener Staatsoper, vom Opernhaus Zürich bis zum Bolschoi. Im 50-Jahr-Jubiläum der Bregenzer Festspiele zeichnete er etwa für "Die Legende von der unsichtbaren Stadt Kitesch" von Rimski-Korsakow in der Regie von Harry Kupfer verantwortlich, bei den Pfingstfestspielen von Salzburg 2012 für die musikalische Interpretation von Jules Massenets "Cleopatra".

Und während Fedossejew in der Staatsoper zuletzt in den 1990ern zu hören war, schaffte er sich mit dem Theater an der Wien ein neues Wiener Standbein, wo er 2011 am Pult des RSO Lera Auerbachs "Gogol" uraufführte. Sein prägendster Bezug zur Bundeshauptstadt ist allerdings seine Zeit als Chefdirigent der Wiener Symphoniker. "Ich konnte hier mit einem wunderbaren Orchester arbeiten - nicht ohne Tiefpunkte, aber in Summe mit weitaus mehr Höhepunkten", hatte der Russe bei der Stabsübergabe an Fabio Luisi 2005 konstatiert.

Fedossejew ist seit 2005 Träger des Österreichischen Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst I. Klasse und seit 2002 im Besitz des Goldenen Ehrenzeichens für Verdienste um das Land Wien. 2007 folgte die Goldmedaille der Internationalen Gustav Mahler Gesellschaft Wien.

"Von seinen vielen Aufnahmen sind es die Wiedergaben russischer Musik, die Kultstatus behalten werden", konstatierte heute in einer Geburtstagswürdigung "Die Presse". "Ob Tschaikowsky oder Rachmaninow, Borodin oder Schostakowitsch - seine Interpretationen reißen mit, überzeugen aber auch kritische Geister durch analytische Klarheit."

(APA)

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