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Die Umgestaltung der Wiener Mariahilfer Straße im Überblick

Die Mariahilfer Straße ist zum teil zur Fußgängerzone geworden.
Die Mariahilfer Straße ist zum teil zur Fußgängerzone geworden. ©APA
Kaum ein Verkehrsprojekt in Wien hat für so viele und heftige Debatten gesorgt wie die Umgestaltung der Mariahilfer Straße. Seit dem 16. August ist das neue Konzept, das einen Mix aus Fußgängerzone und Begegnungszone darstellt, in Kraft. Ein Überblick zur Umgestaltung der größten Einkaufsstraße in Österreich.

Wie berichtet musste Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou bereits einige Tage nach dem monatelang vorbereiteten Startschuss erste Nachjustierungen ankündigen, da vor allem die rote 13A-Busspur in der Fußgängerzone und verwirrende Bodenmarkierungen für großen Unmut sorgte.

Umgestaltung der Mariahilfer Straße

Februar 2011: Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou gibt eine Studie zur Verkehrsberuhigung der Mariahilfer Straße in Auftrag.

November 2011: Drei Varianten für ein neues Verkehrskonzept werden der Öffentlichkeit präsentiert. Zur Debatte stehen eine klassische Fußgängerzone, eine Shared-Space-Lösung sowie eine Mischform aus beiden. Die Wirtschaftskammer äußert massive Bedenken und befürchtet Einbußen für Unternehmer.

Jänner 2012: Nach Ende des ersten Bürgerbeteiligungsprozesses, bei dem Wünsche und Bedenken zur “Mahü”-Neugestaltung eingebracht werden konnten, starten die Detailplanungen. Die Wirtschaftskammer wird ebenso eingebunden wie die betroffenen Bezirke Mariahilf und Neubau, die wegen befürchteter Verdrängungseffekte auf ein “durchdachtes Verkehrskonzept” pochen.

Oktober 2012: Vassilakou präsentiert erste Detailpläne für das künftige Verkehrskonzept. Demnach soll die Mariahilfer Straße beinahe im gesamten Verlauf verkehrsberuhigt – sprich: so gut wie autofrei – werden. Eine Gliederung in drei Abschnitte wird angekündigt. Ob Autos die Shoppingmeile dann noch queren dürfen, soll durch eine Anrainerbefragung entschieden werden. Die Opposition spricht von Pfusch und Chaos.

Februar 2013: Die Anrainer sprechen sich mehrheitlich gegen Querungen für den Kfz-Verkehr aus. Im Vorfeld haben ÖVP und FPÖ die Befragung scharf kritisiert – nicht zuletzt deshalb, da nur die Bewohner der betroffenen Querstraßen teilnehmen durften – und wiederholt eine breite Befragung zum Gesamtprojekt gefordert. Die Volkspartei will die Verkehrsberuhigungspläne mittels Petition zu Fall bringen.

März 2013: Vassilakou kündigt an, die Probephase für die “Mahü” Neu noch im Sommer starten lassen zu wollen und stellt eine neuerliche Bürgerbefragung nach Ende des Testlaufs in Aussicht. Gleichzeitig wird fixiert, dass die Randabschnitte zu Wiens ersten Begegnungszonen, sowie die Gumpendorfer Straße, Burggasse und Neustiftgasse zu Tempo-30-Zonen umgewandelt werden. Große Umbauten an der Oberfläche soll es erst 2014 geben.

Mai 2013: Am ersten Maiwochenende wird ein kurzer Abschnitt der Mariahilfer Straße für den Autoverkehr gesperrt. Der “Proberaum” soll einen ersten Eindruck der künftigen Fußgängerzone vermitteln. Passanten nutzen die leere Fahrbahn nur spärlich, verirrte Autofahrer müssen immer wieder aus der Mini-Fuzo gelotst werden.

Juni 2013: Der 16. August wird als offizieller Starttermin für das neue Verkehrskonzept festgelegt. Zusätzlich wird entschieden, dass der 13A eine eigene rote Busspur bekommt.

Wirbel um die Buslinie 13A

Juli 2013: Stadt und Wirtschaftskammer einigen sich auf die Regelungen für Lieferanten und Taxis. Ende des Monats äußern die Buslenker des 13A erstmals Bedenken, künftig durch eine Fußgängerzone fahren zu müssen.

12. August 2013: Wenige Tage vor dem Start des Testlaufs droht der Zentralbetriebsrat der Wiener Linien mit der Bestreikung des 13A wegen befürchteter Unfälle und fordert zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen.

14. August 2013: Die Personalvertreter blasen den angedrohten Streik ab. Die Stadt verspricht Zusatzmaßnahmen wie mehr Sitzbänke und Metallbügel, die zur besseren optischen Trennung der Busspur dienen sollen.

16. August 2013: Das neue Verkehrskonzept für die Mariahilfer Straße tritt in Kraft. Der Kernbereich ist ab nun eine Fußgängerzone mit Raderlaubnis, die Randzonen gelten als Begegnungszonen. Der Startschuss verläuft keineswegs reibungslos. Viele Autofahrer verirren sich in die Fußgängerzone, unterschiedliche Bodenmarkierungen sorgen für Ratlosigkeit, viele Verkehrsteilnehmer wissen nicht, was wo erlaubt ist.

19. August 2013: Die 13A-Chauffeure drohen erneut mit der Betriebseinstellung der Buslinie. Sie fordern eine Änderung des Streckenverlaufs, um nicht mehr durch die Fuzo fahren zu müssen. Die Wiener Linien entscheiden schließlich, die Buslinie künftig – wie alljährlich in der Vorweihnachtszeit – an Samstagen zweigeteilt zu führen.

20. August 2013: Verkehrsstadträtin Vassilakou zieht in Sachen 13A die Notbremse. Sie kündigt eine Verbannung des Busses aus der Fußgängerzone an. Experten sollen einen neuen Streckenverlauf ausarbeiten. Als favorisierte Lösung gilt die Umleitung über die Neubaugasse. Gleichzeitig räumt Vassilakou ein, dass die neuen Markierungen für die Park- und Halteverbote nicht verstanden werden. Zusatztafeln sollen Abhilfe schaffen.

21. August 2013: Neubaus Bezirksvorsteher Thomas Blimlinger (Grüne) äußert sich skeptisch zu den 13A-Ausweichplänen. Wiener-Linien-Geschäftsführer Günter Steinbauer prognostiziert, dass es, wenn die Entscheidung über den neuen Verlauf gefallen ist, noch “sicher einige Monate” dauert, bis der 13A dort unterwegs ist. Der Grund: Es braucht behördliche Genehmigungen und eine Konzession für die Strecke. (APA)

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