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"Die Ratten" kommen: Burgtheater und TAG spielen Hauptmann

"Die Ratten" kommen. Eine seltene Vergleichsmöglichkeit auf Gerhart Hauptmanns 1911 uraufgeführtes Naturalismus-Drama bietet sich in den kommenden Tagen. Am Mittwoch (27.3.) hat Andrea Breths Inszenierung am Burgtheater Premiere. Genau eine Woche später bietet Bernd Liepold-Mosser im Theater an der Gumpendorfer Straße (TAG) eine Version nach Art des Hauses, als freie Überschreibung des Stoffes.

Für das Stück, in dem eine unerwünschte Schwangerschaft und ein unerfüllter Kinderwunsch im Zentrum einer Tragödie steht, die sich zu einem Gesellschaftspanorama weitet, ist am Burgtheater eine exquisite Besetzung aufgeboten. Sarah Viktoria Frick spielt das schwanger gewordene Dienstmädchen Pauline Piperkarcka, Johanna Wokalek die sich nach einem Kind sehnende Frau John. Mit Sven-Eric Bechtolf, Nicholas Ofczarek, Branko Samarovski, Roland Koch, Oliver Stokowski, Sylvie Rohrer, Andrea Wenzl und anderen ist noch einmal das ganze, prägende Ensemble der vergangenen Jahre aufgeboten. Andrea Clausen, die als Sidonie Knobbe nach längerer krankheitsbedingter Pause ihr Comeback geben sollte, ist allerdings erneut erkrankt. An ihrer Stelle gibt Andrea Eckert, die 1982-86 an der Burg spielte, ihr Comeback. Regisseurin Andrea Breth, die in Wien seit den 1990ern für zahlreiche Sternstunden des Theaters sorgte, “wird sich mit dieser Inszenierung im Burgtheater von ihrem Publikum verabschieden”, heißt es aus dem Haus.

Sein Wien-Debüt gibt dagegen der 1968 in Griffen geborene Autor und Regisseur Bernd Liepold-Mosser, dessen “Amerika”-Inszenierung am Stadttheater Klagenfurt 2011 mit einem Nestroy-Preis ausgezeichnet wurde. Mit seiner Arbeit am TAG möchte er “hier in Wien meine Visitenkarte abgeben. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich für die meisten Theaterleute hier in Wien ein Begriff bin, dass aber nur wenige von ihnen Arbeiten von mir tatsächlich gesehen haben”, so der Kärntner gegenüber der APA. “Ich habe erst relativ spät realisiert, dass die ‘Ratten’ am Burgtheater eine Woche vor mir herauskommen. Ich weiß nur, dass Andrea Breth drei große Rattenfiguren auf die Bühne bringt, was ich sehr cool finde – das verweist auf die letztendlich unbeantwortete Frage, was es mit dem Stücktitel auf sich hat. Für das Publikum könnte der Vergleich der beiden Projekte bestimmt eine spannende Sache werden, wobei es mir um radikale Gegenwart geht bzw. um die Schwierigkeit, die unbegreifbare Gegenwart zu begreifen.”

Liepold-Mosser hat in seiner Bearbeitung ganze Handlungsstränge gestrichen und auch sprachlich radikal eingegriffen. “Der Kern der Story blieb erhalten, aber sonst ist kein Wort auf dem anderen geblieben. Es geht um unsere spätkapitalistische Entfremdung, um die Sehnsucht nach Sicherheit in immer prekärer werdenden Verhältnissen, um das Festhalten an normierten Idealvorstellungen vom richtigen bzw. vollständigen Leben. Ich habe mich stark von Hauptmanns Sprache leiten lassen und habe seine Dialekt-Begriffe und die verdrehte Syntax zur Matrix genommen, um meine eigene Kunstsprache darauf zu entwickeln. Meine Figuren versuchen, sich mit Versatzstücken aus der uns umspülenden Sprache zu retten, sie artikulieren sich in Schein-Begriffen und Pseudo-Sprache, was diese seltsame, oft komische, aber schließlich beunruhigende Distanz von sich selber zum Ausdruck bringt.” Sehr wahrscheinlich also, dass die Besucher unter dem gleichen Titel zwei sehr unterschiedliche Stücke zu sehen bekommen werden.

(S E R V I C E – “Die Ratten” von Gerhart Hauptmann, Regie: Andrea Breth, Bühne: Martin Zehetgruber, Kostüme: Francoise Clavel, Mit u.a. Sarah Viktoria Frick, Johanna Wokalek, Sven-Eric Bechtolf, Nicholas Ofczarek, Branko Samarovski, Roland Koch, Oliver Stokowski, Sylvie Rohrer, Andrea Wenzl und anderen. Burgtheater. Premiere: 27.3., 19 Uhr, Nächste Aufführungen: 31.3., 8., 13.4., Karten: 01 / 513 1 513, ; “Die Ratten” von Bernd Liepold-Mosser, frei nach Gerhart Hauptmann. Text und Regie: Bernd Liepold-Mosser, Ausstattung: Alexandra Burgstaller. Mit Jens Claßen, Michaela Kaspar, Raphael Nicholas, Lisa Schrammel, Georg Schubert. Uraufführung, TAG, Wien 6, Gumpendorfer Straße 67, Premiere: 3. April, 20 Uhr. Weitere Vorstellungen: 5., 6., 9., 11., 12., 25., 26. und 27. April , 20 Uhr. )

(APA)

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