Die Nationalratswahl von A-Z: Alle Infos auf einen Blick

Vizekanzler und Kanzler vor einem TV-Duell.
Vizekanzler und Kanzler vor einem TV-Duell. ©APA
Am 29. September 2013 wird in Österreich der Nationalrat gewählt. Alle Infos zur Wahl von A wie Abgeordnete bis Z wie Zitate auf einen Blick.
Portraits der Spitzenkandidaten
Häufige Fragen zur Wahl

A wie Abgeordnete

183 Abgeordnete sitzen im Österreichischen Nationalrat. Derzeit sieht die Verteilung der Sitze wie folgt aus: SPÖ 57 Mandate, ÖVP 51 Mandate, FPÖ 38 Mandate, Grüne 20 Mandate, BZÖ 12 Mandate, Team Stronach 5 Mandate. Nach der Wahl soll sich das ändern: FPÖ-Chef H.C. Strache hat angekündigt, dass er ein Ergebnis “in Richtung 30 Prozent” anstrebe, Eva Glawischnig erhofft sich für die Grünen, die FPÖ zu übertreffen.

B wie Berufskiller

Unverhofft hat die “Berufssparte der Berufskiller” im Wahlkampf viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen, nachdem Frank Stronach die Diskussion um die Einführung der Todesstrafe losgetreten hatte. Seiner Meinung nach gibt es “ganz fürchterliche Fälle von Mafia-Kriminalität auf der Welt, wo die Demokratie und der Rechtsstaat und seine Institutionen gefährdet werden.” Seine Partei war rasch bemüht, sich von dieser “persönlichen Ansicht” ihres Spitzenkandidaten zu distanzieren. 

C wie Chauffeur

Einen besonders eindrucksvollen Auftritt im Wahlkampf hatte ORF-Journalist Hanno Settele, der im Rahmen der „Wahlfahrt” die Spitzenkandidaten chauffierte. Keiner der Politiker verweigerte die Teilnahme und das neue Sendeformat kam bei den Zuschauern gut an. Viel Lob von allen Seiten gab es auch für die Sendungsverantwortliche Lisa Totzauer.

D wie Duelle

Heuer gibt es allein im ORF vor der Nationalratswahl 15 TV-Duelle mit den sechs Spitzenkandidaten und Spitzenkandidatinnen. Zum Vergleich: Auch in Deutschland wird heuer ein neuer Bundestag gewählt. Dort gibt es im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ein Duell mit zwei Kandidaten. Zusätzlich werden die österreichischen Politiker noch auf “Wahlfahrt” begleitet und auch die privaten Sender haben Diskussionsrunden im Programm.

E wie Ergebnis

Das endgültige Ergebnis der Nationalratswahl 2013 steht erst am 3. Oktober nach Auszählung der Briefwahlstimmen fest. Ein erstes Ergebnis wird jedoch bereits am Wahlabend nach 17 Uhr präsentiert. In den Landeshauptstädten haben die Wahllokale sehr unterschiedliche Öffnungszeiten: Während in Bregenz bereits um 13 Uhr Schluss ist, können die Wiener und die Innsbrucker bis um 17 Uhr wählen.

F wie Frischer Wind

Man kann von ihm halten was man will, es ist hauptsächlich Frank Stronach, der frischen Wind in den Wahlkampf bringt. Was nicht heißt, dass die Österreicher diesen frischen Wind auch im Nationalrat spüren wollen. 66 Prozent wollen den Austro-Kanadier einer Umfrage zufolge nach der Wahl nicht auf einem wichtigen politischen Posten sehen.

G wie Große Koalition

Unter der Bezeichnung versteht man eine Regierungskoalition der beiden stimmenstärksten Parteien. Bislang wurden Große Koalitionen in Österreich immer von SPÖ und ÖVP gebildet, obwohl rein theoretisch mit dem entsprechenden Wahlergebnis auch andere Kombinationen möglich wären.

H wie Historischer Überblick

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I wie Illegale Plakatfinanzierung

Der Parlamentsklub der SPÖ soll der Partei Plakate im Wert von 1,5 Millionen Euro finanziert haben. Legal ist das nicht. Nach kurzem hin und her wurde angekündigt, dass die Partei dem Klub das Geld wieder zurückzahlen wird. Für Bundeskanzler Werner Faymann stand nach diesem Entschluss fest, dass die Causa damit „erledigt” sei. Andere politische Akteure sehen das nicht so und fordern Konsequenzen.

J wie jugendliche Wähler

Jugendliche Wähler stellen eine unbekannte Größe für die Meinungsforscher dar. Der Grund: Die unklare Datenlage. Heuer dürfen 348.000 Wahlberechtigte zum ersten Mal ihre Stimme abgeben. Die Grünen wollen insbesondere bei den Jungwählern punkten – Eva Glawischnig will bei Jugendlichen die “Nummer Eins” werden, wie sie es ausdrückt.

K wie Kandidaten

Die Spitzenkandidaten der neun bundesweit gelisteten Parteien in alphabetischer Reihenfolge:

  • Josef Bucher (BZÖ)
  • Werner Faymann (SPÖ)
  • Eva Glawischnig (Grüne)
  • Mirko Messner (KPÖ)
  • Michael Spindelegger (ÖVP)
  • Heinz-Christian Strache (FPÖ)
  • Matthias Strolz (NEOS)
  • Frank Stronach (Team Stronach)
  • Mario Wieser (Piratenpartei)

Ausführliche Portraits der Kandidaten finden Sie hier.

L wie Legislaturperiode

Die reguläre Dauer einer Legislaturperiode des Österreichischen Nationalrats beträgt fünf Jahre. Tatsächlich kann diese aber auch verkürzt werden. Zuletzt geschah dies im Jahr 2008, als Wilhelm Molterer mit den Worten „es reicht” sofortige Neuwahlen forderte. Vorzeitige Neuwahlen gab es außerdem in den Jahren 1953, 1966, 1971, 1986, 1995 und 2002.

M wie Migranten

Laut Statistik Austria haben bis zu 534.000 Wähler ausländische Wurzeln. Migranten gelten im Wahlkampf als besonders umworbene Zielgruppe. Entsprechend hat man sich auch Mandatare mit Migrationshintergrund an Bord geholt. Die SPÖ schickt mit Nurten Yilmaz erstmals eine türkisch-stämmige Mandatarin ins Rennen, bei der ÖVP hat Asdin El Habbassi Listenplatz Nummer Fünf ergattert. Info-Broschüren der Grünen liegen übrigens in fünf Sprachen auf.

Frank Stronach wird von seiner Partei als Vorzeige-Migrant dargestellt. Im Interview mit VIENNA.AT hieß es dazu: “Er ist ein großes Vorbild für Menschen, die in Österreich leben wollen. Auch er ist ausgewandert, weil er für sich keine Chancen gesehen hat.” Allerdings hat er damals Österreich verlassen. Aber das nur nebenbei, denn jetzt ist er ja wieder da.

N wie Nationalrat

Aufgabe des Nationalrats ist gemeinsam mit dem Bundesrat die Gesetzgebung. In der zweiten Republik gab es bis einschließlich 2008 zwanzig Nationalratswahlen. In zwei Fällen (1970 und 1996) musste die Wahl nach einer Anfechtung zumindest in Teilbereichen nachgeholt werden.

Der Nationalrat hat seinen Sitz im Parlament. Das Gebäude gilt als stark sanierungsbedürftig.

O wie Oberkörper

Manchen Kandidaten reicht es nicht, die Ärmel hochzukrempeln, um zu zeigen, dass sie auch zupacken können. Ein freier Oberkörper -das beweist Wladimir Wladimirowitsch Putin jeden Sommer- spricht eine eigene Sprache. Den Grünen reicht ein freier Oberkörper nicht, in einem Video, in dem sie für Gleichstellung werben, ist deutlich mehr Haut zu sehen als bei Herrn Strache (“Ich habe nix zu verstecken”) oder Herrn Stronach (“Es war ein sehr heißer Tag”) auf Facebook. Wiens Bürgermeister Michael Häupl hält von diesen Enthüllungen nicht viel: “Das ist entlarvend. Wer nichts zu sagen hat, macht halt auf Polit-Playboy und rennt halb nackt herum. Auch wenn er 80 Jahre alt ist”, meint er. Badehosen-Fotos seien generell auch “kein Ausdruck von Leadership”, findet Hannes Androsch.

AP
AP ©AP

P wie Plakate

Um es mit Loriot zu halten: “Der beste Platz für Politiker ist das Wahlplakat. Dort ist er tragbar, geräuschlos und leicht zu entfernen.”

Inhaltlich sorgten insbesondere die Nächstenliebe-Kampagne der FPÖ und die Forderung nach “mehr Bildunk” [sic!] der Grünen für Schlagzeilen. Was die Finanzierung betrifft, kam die SPÖ in Erklärungsnot. Einen Wahlkampf auf Sparflamme hingegen führt die Piratenpartei: Ihr Budget liegt bei 15.000 Euro.

Q wie Quoten

Wetten kann man auf (fast) alles. Für die Nationalratswahl stehen die Wettquoten bereits fest. Sollte die KPÖ nach der Wahl den Bundeskanzler stellen, könnte man bei einem Wetteinsatz von zehn Euro einen Gewinn von 20.010 Euro erzielen. Aber auch bei wahrscheinlicher eintreffenden Wahlergebnissen stehen die Quoten und somit auch die möglichen Gewinnsummen gar nicht so übel. Gewettet werden kann zum Beispiel auch darauf, ob NEOS oder das Team Stronach den Einzug ins Parlament schaffen.

R wie Regierungsbildung

Viel Spielraum gibt es bei der Regierungsbildung nach zahlreichen Ankündigungen im Wahlkampf nicht mehr. Rot warnt vor Schwarz-Blau, Schwarz warnt vor Rot-Grün und das Team Stronach will nicht mit der FPÖ zusammenarbeiten. Das sind allesamt Voraussetzungen, die auf eine Große Koalition hinweisen. Es sei denn, Frank Stronach behält Recht und bekommt die von ihm erhofften 156 Prozent. “Wenn mich die alle wählen, bekomme ich zehn Millionen Stimmen”, kündigte er an. Es gibt allerdings nur 6,4 Millionen Wahlberechtige in Österreich.

S wie Stimmberechtigte

6,384.296 Österreicher dürfen heuer bei der Nationalratswahl ihre Stimme abgeben. 51,85 Prozent davon sind Frauen.

Besonders Ostösterreich wird einen großen Einfluss auf das Wahlergebnis haben, alleine in Wien sind 1.156.888 Personen wahlberechtigt. 33 der insgesamt 183 Nationalratsmandate sind in der Hauptstadt zu vergeben.

T wie Twitter

Auch auf Twitter wird Wahlkampf betrieben, kommentiert und Schmäh geführt. Ärgerlich: Das Hashtag #nrw bringt hauptsächlich Tweets aus Deutschland, wird es dort doch für das Bundesland Nordrhein-Westfalen verwendet. Bessere Suchergebnisse gibt mit #nrw13 oder #nrw2013.

U wie Umfragewerte

Die Umfragewerte der Parteien schwanken nicht nur von Woche zu Woche, sondern auch von Meinungsforschungsinstitut zu Meinungsforschungsinstitut. Laut Karmasin Motivforschung lag die SPÖ in der Kalenderwoche 37 bei 28 und die ÖVP bei 25 Prozent. Im gleichen Zeitraum fürchtete das Meinungsforschungsinstitut Spectra, dass beide Parteien gemeinsam nicht 50 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen können.

V wie Vorzugsstimme

Bei der Nationalratswahl 2013 können erstmals drei Vorzugsstimmen vergeben werden: Eine (neu) auf Bundesebene und je eine wie gehabt auf Landes- und Wahlkreisebene. Die Person(en), der Sie ihre Vorzugsstimme(n) geben, müssen derselben Partei angehören. Sonst ist der Stimmzettel ungültig.

W wie Wahlversprechen

Wird Michael Spindelegger Kanzler, so wird er Wohnraum und Arbeitsplätze schaffen, verspricht er. Auch die SPÖ will “mit sicherer Hand für Österreich” um jeden Arbeitsplatz und die Pensionen kämpfen. Die FPÖ kündigt an, Mieten, Steuern und Gebühren zu senken. “Wir haben an sich nichts zu verschenken und wir schenken auch reinen Wein ein”, meint Grünen-Chefin Eva Glawischnig und verweigert jegliche Wahlzuckerln.

In Sachen Bildung wird von der noch jungen Partei NEOS versprochen, dass man den Kindern “die Flügel heben” und in Sachen Pensionen auch “Leistungen für Junge” durchsetzen wolle.

Das Team Stronach konzentriert sich auf Wirtschaftsthemen und will unter anderem Arbeiter am Gewinn beteiligen.

X wie X am Wahlzettel machen

Auf dem Wahlzettel wird üblicherweise ein Kreuzerl, also ein X gemacht. Es ist aber nicht verboten, Zeichnungen auf dem Wahlzettel zu machen. Wichtig ist, dass trotzdem erkennbar bleibt, welche Partei und welche Vorzugsstimmen-Kandidaten Sie gewählt haben. Zeichnungen auf dem Wahlkuvert sind jedoch verboten. Eine Strafe von 218 Euro bzw. zwei Wochen Ersatzhaft sind möglich.

Y wie YouTube

Sämtliche audiovisuelle Highlights des Wahlkampfes (Ausschnitte aus den TV-Duellen, Frank Stronachs beste Sager, die Hymne für H.C. Strache)  sind auf YouTube vertreten. Eine nicht versiegen wollende Quelle der Freude.

Z wie Zitate

Im Nationalratswahlkampf ist manch ein Sager gefallen, der noch lange in Erinnerung bleiben wird. Die folgenden drei Bespiele sind komplett subjektiv ausgewählt:

Frank Stronach: “Die Opposition soll aufhören zu kritisieren.” Frank Stronach

Michael Spindelegger: “Wenn ich Dritter werde, werde ich sofort zurücktreten, gar keine Frage.”

Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl “Österreich ist abgesandelt.”

Dieter Bohlen: “Frank redet Klartext. Das gefällt mir!”
(SVA)
 

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