Dichand und WAZ legen „Krone“-Konflikt bei

Die Dichand-Gruppe und die Mediengruppe der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) haben sich auf die zukünftige Führungsstruktur der „Kronen Zeitung“ geeinigt.

Dies teilten die beiden Hälfte-Eigentümer von Österreichs größter Tageszeitung am Freitagabend in einer gemeinsamen Erklärung mit.

„Dem Vorschlag der Dichand-Gruppe, Herrn Dr. Christoph Dichand zum Chefredakteur der ’Kronen Zeitung’ zu berufen, wird von der WAZ Mediengruppe zugestimmt“ hieß es darin. Im Gegenzug stimmt die Dichand-Gruppe zu, „dass die WAZ Mediengruppe einen geschäftsführenden Chefredakteur aus dem Kreise der leitenden Redakteure der ’Kronen Zeitung’ benennt“.

Dieser soll nach der Erklärung bis zum 15. Februar seine Tätigkeit aufnehmen. Bis zu diesem Tage werde Hans Dichand Chefredakteur bleiben. „Der Chefredakteur und der geschäftsführende Chefredakteur üben die Personalhoheit in der ’Kronen Zeitung’ gemeinsam aus.“ Dichand und WAZ zeigen sich überzeugt, „mit dieser einvernehmlich gefundenen Lösung den Erfolg der ’Kronen Zeitung’ für die Zukunft gesichert zu haben“.

CHRONOLOGIE DES ZWISTS

Juni 2001:

Hans Dichand informiert im Rahmen einer Betriebsversammlung die Belegschaft über das Ausscheiden von Friedrich „Bibi“ Dragon als geschäftsführender Chefredakteur. Zugleich präsentiert er seinen Sohn Christoph als dessen Nachfolger. Ein Zeitpunkt für Christoph Dichands Amtsantritt wird nicht genannt. Dragon schied im Streit von seinem langjährigen Weggefährten Dichand. Die WAZ kommentiert diese Geschehnisse nicht: „Gesellschafterfragen diskutieren wir in Essen nicht in der Öffentlichkeit“, so Schumann.

Juli 2001:

Die WAZ ließ mittlerweile durchblicken, dass sie wenig von Dichands angestrebter Nachfolgeregelung hält. Spekulationen, dass Dichand seinen 50-Prozent-Anteil zurückkaufen könnte, werden dementiert.

Oktober 2001:

Der Schlagabtausch wird erstmals öffentlich geführt – und zwar in Form von Leserbriefen im Nachrichtenmagazin „Format“. Die Positionen: Dichand sieht sich vertraglich berechtigt, seinen Sohn als Chefredakteur einzusetzen, die WAZ ist der Ansicht, dass Christoph Dichand „nicht automatisch“ Blattchef werden kann.

Dezember 2001/Jänner 2002:

Die „Krone“ fährt eine intensive Kampagne gegen das Atomkraftwerk Temelin – zeitgleich mit dem von FPÖ-Politikern initiierten Volksbegehren. In der WAZ-Zentrale, wo man sich in den vergangenen Jahren verstärkt in Mittel- und Osteuropa engagiert hat, ist man wenig erbaut: Schumann nimmt das Wort „unseriös“ in den Mund und kündigt an, künftig “öfter über die ’Kronen Zeitung“ zu sprechen.“ Zugleich will man mittels Gutachten klären, ob die „Krone“ in der Causa Temelin politisch unabhängig agiert. Wieder gibt es Spekulationen, wonach Dichand die deutschen Partner auskaufen will.

Sommer 2002:

Die Nachfolgefrage wird prolongiert: Hans Dichand ruft ein Schweizer Schiedsgericht an, wie es in den Gesellschafterverträgen vorgesehen ist, bei dem er seine Rechtsansicht durchsetzen will.

Jänner 2003:

Der Konflikt eskaliert. Dichand zieht die Schiedsgerichtsklage zurück, setzt aber zugleich per 1. Februar seinen Sohn als Chefredakteur ein. Die WAZ kündigt rechtliche Schritte dagegen an. In der Folge gerät die Auseinandersetzung immer mehr zum Schlagabtausch zwischen Dichand und Schumann. Nachdem der Konflikt einige Tage öffentlich ausgetragen wurde, kehrt man zurück an den Verhandlungstisch. Dichand und Schumann einigen sich auf einen Kompromiss: Dichand junior darf an die Spitze der Redaktion rücken, erhält dabei aber einen geschäftsführenden Chefredakteur zur Seite gestellt, der am 15. Februar seine Arbeit aufnehmen soll.

  • VIENNA.AT
  • Chronik
  • Dichand und WAZ legen „Krone“-Konflikt bei
  • Kommentare
    Die Kommentarfunktion ist für diesen Artikel deaktiviert.